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Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Berlin

Schule wirbt mit Deutsch-Garantie

Mit einer „Deutsch-Garantie“ will die Gustav-Falke-Grundschule in Berlin-Wedding Kinder deutscher Eltern locken – neun von zehn Kindern haben ausländische Wurzeln. Ein Deutschtest und die Herkunft entscheidet über die Zulassung.

Neun von zehn Kindern haben auf der Gustav-Falke-Schule im Berliner Stadtteil Wedding ausländische Wurzeln. Besorgte Eltern ziehen sogar weg, um ihre Kinder nicht auf diese Schule schicken zu müssen. Der Grund: In Berlin gilt das Wohnortprinzip.

Für diese Eltern hat sich die Schulleitung sog. „Privilegierte Schulklassen“ einfallen lassen – Schulklassen mit maximal 24 Kindern, die bereits sehr gut Deutsch sprechen. Der Clou: Mindestens 50 Prozent der Kinder sollen deutscher Herkunft sein. Außerdem sollen diese Kinder eine bessere Ausstattung haben und Englischunterricht schon ab der 1. Klasse. Eine „Eliteklasse“ soll es aber nicht werden, betont Schulleiterin Karin Müller.

Die „Deutsch-Garantie“ soll durch den Deutschtest „Bärenstark“ gewährleistet werden. Wer diesen Test zu 80 Prozent besteht, hat gute Chancen. Wichtig ist, dass Präpositionen, Artikel und Verben richtig verwendet werden. So müssen Kinder wissen, ob das Buch auf oder unter dem Tisch liegt oder dicke von dünnen Männern auf Bildern unterscheiden und beschreiben können.

Lob und Kritik
Nicht nur Berlins Oberbürgemeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßte die Initiative. Befürwortende Stimmen gibt es auch aus den Reihen der CDU, Grüne und FDP.
Allerdings wurden auch kritische Stimmen laut. Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowksy (SPD) sieht die Gefahr, dass bereits unter Grundschulkindern eine Auslese stattfinden könnte.

Gestoppt werden könnte das Projekt derweil von der Berliner Schulaufsicht. Die Zugangskriterien müssten noch „rechtlich geprüft werden“, sagte Erhard Laube. Vor allem die 50-Prozent-Quotenregelung widerspreche dem Schulgesetz. Die Ausländerquoten an Schulen wurden vor vielen Jahren abgeschafft, weil die Quotenregelung aufgrund des hohen Ausländeranteils in manchen Stadteilen nicht mehr eingehalten werden konnten.

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Ein Kommentar
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  1. […] die Berliner Gustav Falke Grundschule und meint, dass nun auch in Schulen diskriminiert werde (wir berichteten). An der Schule sei der Anteil von Migrantenkindern sehr hoch und die Schulleitung habe […]



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