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Migration und Integration in Deutschland

Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

Reportage

Auf türkische Art ins Alter – Erstes deutsches Pflegeheim

Die Eltern zu Hause pflegen oder ins Altersheim bringen. Besonders Familien ehemaliger türkischer Gastarbeiter fällt diese Entscheidung schwer. Das erste deutsche Pflegeheim für türkische Rentner in Berlin krempelt dieses Diskussion langsam um. Vorbilder dafür hat es bisher keine gegeben.

VONJan Thomas Otte

Jan Thomas Otte hinterfragt mit kritischen Reportagen krustige Glaubenssätze und Denkstrukturen. Der Journalist schreibt Reportagen über Karrierestreben, soziales Engagement und Sinnsuche. Für seine Porträts über Einwanderer und Austeiger, Integration und Migration ist er zu mehreren Awards nominiert worden. Dabei bezieht er auch die Religion seiner Gesprächspartner mit ein. Als Theologe hält Jan Thomas Otte Fragen nach Glauben, Identität und Moral für unterschätzte Tugenden. Jan Thomas Otte studierte an der Universität Heidelberg. Parallel kam eine Journalistenausbildung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung hinzu. Der Business-Querdenker, Deutschland-Fan und bekennende Christ schreibt für Medien wie den Rheinischen Merkur, die Rhein-Neckar-Zeitung oder DIE WELT. Regelmäßig schreibt er bei Perspektive Mittelstand eine Kolumne zum Thema WorkLife. In seiner Freizeit engagiert er sich ehrenamtlich in Kirchen und dem Kinderschutzbund in Deutschland. Außerdem hat er als Journalist das Magazin Karriere-Einsichten gegründet. Mit einem Team von 10 Korrespondenten berichtet er hin und wieder auch über Integrationsthemen. Schliesslich bedeutet Karriere ja manchmal auch, international mobil zu sein. Mehr auf Jan Thomas Ottes Homepage.

DATUM8. Oktober 2009

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Berlin. Es schneit an einem grauen, stürmischen Märztag. Am Rande der Betonklötze Berlins, im ehemaligen Szenestadtteil Stadtteil Kreuzberg, von manchen auch liebevoll Klein-Istanbul genannt, steht seit einem Jahr das Türk Bakim Evi, das erste deutsche Pflegeheim für türkische Rentner, finanziert von der Marseille Kliniken AG, einem der großen Marktführer im Bereich Altenpflege. Drinnen im Heim duftet es nach frischem türkischem Tee. Warm und gemütlich ist es hier, geschmückt mit roten Polstern, orientalischen Malereien und Bildern eines türkischen Markts. Der renovierte Industriebau kommt heimisch rüber. Ein eher kühl wirkendes Altenheim mit langen, sterilen Fluren sieht anders aus.

Mit Krücken oder Rollstuhl kommen einige Bewohner – nicht Patienten, man legt hier wert darauf – ins Wohnzimmer des Pflegeheims. Hier trifft man sich, wenn man so will, in der größten Wohngemeinschaft Deutschlands für Pflegebedürftige türkischer Herkunft. Laut plärrt der Fernseher bis in den Flur hinein. Gerade kommt ein türkisches Magazin über den Islam. In einem Vogelkäfig zwitschern gelbe Kanarienvögel beschwingt um die Wette. Einige Rentner sitzen eher gelangweilt, leicht schläfrig auf ihrem Kissen. Andere unterhalten sich bereits am frühen Morgen angeregt über Familie, Politik und die harten alten Zeiten als Gastarbeiter in der Textilfabrik.

Gemeinsam mit anderen Bewohnern sitzt Ziya Bircan im Wohnzimmer und schaut fern. Der Mann, Mitte sechzig, kam vor knapp einem Jahr hierher. Das war nach seinem Herzinfarkt. Seitdem gehört er zu den rund fünfzig Menschen, die hier nach ihren türkischen Bräuchen und Sitten im Alter leben. Das heißt zum Beispiel, dass Männer nur von Männern und Frauen nur von Frauen gepflegt werden, was Bircan wichtig ist. Er ist nur einer der ehemaligen Gastarbeiter, die vor mehr als vierzig Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, auf eigenen Wunsch, um hier gut bezahlte Arbeit zu bekommen. Vor rund vierzig Jahren führte ihn die Neugier nach Deutschland. Doch nicht nur finanzielle Gründe lockten Bircan über Umwege mit viel Glück in die Republik. Seine Liebe sorgte dafür, dass er blieb. Der zweifache Vater erinnert sich gern an seine turbulenten, aufregenden jungen Jahre.

Den Nachmittag im Frankfurter Tanzcafé wird er dabei nie vergessen, als er sich in das Mädchen verliebte, dass er später heiratete. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, wenn er daran zurückdenkt. Damals habe er etwas von der Welt sehen wollen. Zuerst arbeitete er bei Frankfurt in einer Fabrik. Erst einige Jahre später zog ihn seine Liebe nach Berlin. Deshalb sei er hier geblieben. Bis zu einem Herzinfarkt Anfang der Neunziger hat er in Berlin gearbeitet. Die Krankheit kam plötzlich. Dann ist er Frührentner geworden. Ein Fernsehbericht habe ihn dann auf das türkische Heim aufmerksam gemacht.

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3 Kommentare
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  1. municipal sagt:

    Einige markante Auszüge aus diesem Bericht , die auch den Gesamtkomplex „türkisch/muslimische“ Migation beleuchten, und Sachverhalte in einem anderen Licht erscheinen lassen:

    …die hier nach ihren türkischen Bräuchen und Sitten im Alter leben. Das heißt zum Beispiel, dass Männer nur von Männern und Frauen nur von Frauen gepflegt werden, was Bircan wichtig ist.

    Er ist nur einer der ehemaligen Gastarbeiter, die vor mehr als vierzig Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, AUF EIGENEN WUNSCH, um hier gut bezahlte Arbeit zu bekommen.

    Besonders konservative Türken würden denken, dass die Eltern das Gesicht gegenüber der Gesellschaft verlieren, wenn sie „ins Alten-heim abgeschoben“ werden.

    …..die Fragen seien oft dieselben: „Warum gibt man Angehörige hier ab? Haben Sie Kinder – und machen das trotzdem?“. Unter ihnen ist eine junge Dame, Mitte zwanzig, religiös, mit Kopftuch. Schüchtern spricht sie Yildiz Akgün an. Sie habe eine Schwiegermutter zuhause. Die Pflege würde allein an ihr hängen bleiben, DIE FAMILIE DENKE KONSERVATIV UND ERWARTE DAS SO. Niemals könne sie ihrem Ehemann sagen „Du, ich kann das nicht mehr machen. Wir könnten die Schwiegermutter ja doch mal in ein Pfle-geheim bringen, oder?“. Die junge Muslimin scheint mit ihrer Pflegerolle über-fordert. Trotz aller Schwierigkeiten konnte sich die Frau nicht dazu durchringen, dieses Thema offen zu Hause anzusprechen.

    Die HÜRDE DER SCHAM sei nicht so leicht zu umgehen. Um Spannungen in der Familie zu vermeiden, würden die Frauen die Pflege der Eltern meist komplett übernehmen. Viele Frauen WÜRDEN ERST DURCH DIE HOCHZEIT NACH DEUTSCHLAND KOMMEN, wobei dieses Opfer normal sei, sagt Akgün „die Familie geht davon aus, dass die Frau das macht“.

    Sich an ein deutsches Heim anzugliedern kann sie sich nicht vorstellen – schon wegen der GLEICHGESCHLECHTLICHEN PLEGE,DIE DER ISLAM VORSCHREIBT.

    „Wir sind ein Haus für Menschen aus der Türkei“, sagt Akgün. Christen seien hier willkommen, WENN AUCH NICHT EXPLIZIT EINGELADEN, sagt die Sozialarbeiterin.

    ……
    Hervorhebungen wichtiger Punkte (durch GROSSSCHREIBUNG) durch mich.

  2. calahan sagt:

    Ein grandioses Beispiel für eine grandios geglückte Integration, nicht wahr? Sogar Christen seien willkommen, nanana! Was sagt denn das tolle ,einzigartige Buch dazu? Da sollten sie doch mal nachschlagen! Nicht das noch die Hölle wegen Apostasie droht!
    Wenn man da an die sterilen italienischen, griechischen, portugiesischen, englischen oder französischen Altersheime in Deutschland denkt, mein Gott, was sind die schlecht integriert!



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