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Migration und Integration in Deutschland

Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken … an ihrem Arbeitsplatz wie verrückt arbeiten und dadurch die Akkordsätze verderben.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Ehegattennachzug

Sprachtests stehen im krassen Widerspruch zum Schutz der Ehe

„Angesichts der Bestehensquoten bei Sprachtests im Ausland liegt es auf der Hand, dass die Sprachanforderungen offenkundig unverhältnismäßig schwer zu erfüllen sind – und die Regelung schon deshalb verfassungswidrig ist“, so die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen (Die Linke) anlässlich der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage zum Ehegattennachzug im 2. Quartal 2009 (16/13978).

Die Regelung der Sprachnachweise im Ausland würden verhindern, dass Eheleute unmittelbar zusammen leben können. Die Bundesregierung müsse diese diskriminierende Regelung endlich abschaffen

Dagdelen weiter: „Die Bestehensquoten bei Sprachtests offenbaren zum Teil erschreckende Werte: Weltweit betrug sie 2008 lediglich 66 Prozent – dies beinhaltet jedoch auch sämtliche Prüfungs- Wiederholer/innen. Bei einem vorherigen Besuch eines Sprachkurses des Goethe-Instituts betrug dieser Wert 78 Prozent. Eine Mehrheit der Betroffenen hat jedoch keinen Zugang zu solchen Kursen oder kann sich einen solchen nicht leisten – hier beträgt die Bestehensquote nur 61 Prozent. Auch dieser Wert beinhaltet alle Wiederholer/innen.“

In Bangladesch, Äthiopien und Nigeria liege die Bestehensquote selbst nach vorherigem Besuch eines Sprachkurses des Goetheinstituts bei nur 38 bis 42 Prozent – inklusive aller WiederholerInnen, in anderen Ländern nur um 50 Prozent oder knapp darunter.

„Die Bestehensquote bei Sprachtests in der Türkei betrug 2008 bei 15.238 Sprachprüfungen 62 Prozent. Erteilt wurden im Jahr 2008 in der Türkei jedoch nur 6.886 Ehe-Visa. Dies lässt auf eine große Zahl ver- oder zumindest behinderter Ehegatten-Nachzüge schließen“, so die migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion.

Dass die Neuregelung mit einem angeblichen Kampf gegen Zwangsverheiratungen der Betroffenen begründet wurde, sei „schlicht zynisch“ und werde von der Bundesregierung nicht einmal ansatzweise belegt. Ebenfalls keinerlei Anhaltspunkte habe die Bundesregierung für einen möglichen, aus dem so genannten Metock-Urteil folgenden Missbrauch oder dass Deutsche von ihrem Freizügigkeitsrecht Gebrauch machen könnten, um die Sprachanforderungen zu umgehen.

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56 Kommentare
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  1. elimu sagt:

    Tja… dieser Artikel ist wieder mal nichts neues, oder? Diese Zeilen habe ich schon zich mal gelesen.
    Sevim Dagdelen; der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage zum Ehegattennachzug im 2. Quartal…..

    Und was antwortet die Regierung jetzt genau??? rein gar nichts… verweist auf die Antworten, die sie mal irgendwann in einer anderen Antwort gegeben haben. Kurz: es ist für einen „normalen“ Bürger unverständlich, was die Bundesregierung jetzt geantwortet hat bzw. versucht zu erzählen..

    Irgendwie glaubt doch keiner mehr daran, dass diese Regelungen zum Ehegattennachzug mal abgeschafft werden, oder?

  2. Helen sagt:

    Ich glaube die Anforderungen der Prüfungen entsprechen den Kenntissen der Stufe A1 des europäischen Referenzrahmens, Ich finde A2 als Mindestanforderung wäre besser. Für alle Beteiligten. Wenn man die Sprache eines Landes nicht beherrscht, wenigstens ansatzweise, kommt man nicht zurecht. Wovon wollen die Leute eigentlich hier leben, wenn sie nicht mal das Level A1 bestehen können? Und wenn sie sich nicht einmal so einen Kurs leisten können, können sie dem Land auch keinen Vorteil bieten, oder wenigstens eine kleine Bereicherung, die sich durch ihre Anwesenheit ergibt.

  3. Klausi sagt:

    Es gibt keinen Grund sich darüber zu beschweren. Ehepartner ohne Sprachkenntnisse sind auf Gedeih und Verderb dem Partner ausgeliefert und können nicht selbtständig und selbstbestimmt hier leben.
    Ausserdem wäre eine Aufhebung des Sprachtest intergrationshemmend. Wer hier langfristig selbständig leben will, hat auch auch die Sprache dieses Land zu können.
    Eine Aufhebung des Sprachtestes führt zu noch mehr Parallelgesellschaft und fördert die Faulheit und Unmündigkeit der betreffenden Personen. Ohne Fleiss keinen Preis.

  4. Thomas Hohlfeld sagt:

    Ich möchte darauf hinweisen, dass die Betroffenen NACH der Einreise ohnehin noch einmal dazu verpflichtet sind, einen Integrationskurs mit dem Sprachziel B1 zu besuchen! Der Sprachkurs im Ausland nützt ihnen diesbezüglich gar nichts und vermittelt nicht einmal einen Anspruch auf einen verkürzten Sprachkurs in Deutschland.
    Es geht darum, dass die Eheleute durch die Neuregelung zwangsweise voneinander getrennt leben müssen, solange die nicht-deutschen Ehegatten im Ausland den A1-Test im Ausland nicht schaffen, etwa, weil sie sich einen Kurs des Goethe-Instituts nicht leisten können oder weil es keine solchen Kurse in erreichbarer Nähe gibt.
    Warum sollen die Betroffenen nicht hier in Deutschland, im alltäglichen Sprachgebrauch im Alltag und unterstützt von ihren hier lebenden deutschen oder nicht-deutschen Ehegatten die deutsche Sprache erlernen?

  5. Krause sagt:

    „Warum sollen die Betroffenen nicht hier in Deutschland, im alltäglichen Sprachgebrauch im Alltag und unterstützt von ihren hier lebenden deutschen oder nicht-deutschen Ehegatten die deutsche Sprache erlernen?“

    Weil die Erfahrung – zumindest mit bestimmten Kulturkreisen lehrt – dass die Ehegatten die Sprache nicht lernen auch wenn sie seit 20 Jahren hier leben. Da muß ein Einstellungswandel bei den Migranten erfolgen und dafür sind diese Kurse gut. Es wird klar gemacht, dass jetzt ein anderer Wind weht.

  6. Thomas Hohlfeld sagt:

    @ Krause: Das ist jetzt aber keine Antwort auf meine Frage :o)
    Meine Frage war ja, wieso Sprachkenntnisse IM AUSLAND unter zum Teil schwierigsten Bedingungen erworben werden sollen, bevor die Ehegatten zusammenleben dürfen, obwohl die Betroffenen hier IN DEUTSCHLAND ERNEUT dazu verpflichtet sind, einen Sprachkurs zu belegen…
    Soweit Sie sich aber nicht auf Neu-Einreisende, sondern auf die langjährig hier lebenden Migrantinnen und Migranten beziehen, ist doch festzustellen, dass diesen bis zum Jahr 2005 jegliche staatliche Sprachförderung versagt wurde! Und auch seit 2005 haben sie keinen Rechtsanspruch auf eine Sprachkursteilnahme. Dass dennoch etwa 60% der Integrationskursteilnehmenden aus diesem Personenkreis kommen, widerlegt eindrucksvoll verbreitete Vorurteile, wonach diese angeblich kein Interesse daran hätten, Deutsch zu lernen…
    Und schließlich hat die Herkunft aus „bestimmten Kulturkreise“ – wie Sie schreiben – nichts mit der Teilnahmebereitschaft und dem Spracherwerb von Migrantinnen und Migranten an Sprachkursen zu tun. Der maßgebliche Einflussfaktor diesbezüglich ist vielmehr der Bildungsstand der Betroffenen! Türkische Staatsangehörige – ich weiß ja nicht, worauf Sie anspielen wollten – nehmen übrigens überproportional häufig an Integrationskursen teil (vgl. den Erfahrungsbericht der Bundesregierung, BT-Drs. 16/6043, S. 18, S. 23).

  7. Markus Hill sagt:

    „Warum sollen die Betroffenen nicht hier in Deutschland, im alltäglichen Sprachgebrauch im Alltag und unterstützt von ihren hier lebenden deutschen oder nicht-deutschen Ehegatten die deutsche Sprache erlernen?“
    Ist das jetzt purer Zynismus von Ihnen??? Es ist allgemein bekannt, dass Ihr Vorschlag von jeglicher Sachkenntnis ungetrübt scheint. Sie beschönigen, wahrscheinlich sogar mit Vorsatz. Genau diese Realitätsverleugung hat zu der Misere in diesem Land geführt.

  8. municipal sagt:

    @ Thomas Hohlfeld

    Türkische Staatsangehörige – ich weiß ja nicht, worauf Sie anspielen wollten – nehmen übrigens überproportional häufig an Integrationskursen teil (vgl. den Erfahrungsbericht der Bundesregierung, BT-Drs. 16/6043, S. 18, S. 23).
    ………………

    Kann das möglichweise daran liegen, das die anderen Migrantengruppen möglicherweise leichter (auch durch eigenes Interesse und Engagement) Zugang zur deutschen Gesellschaft/der Sprache finden?

    Gibts den „Erfahrungsbericht“ irgendwo als PDF zum studieren? Wäre nett.

  9. Thomas Hohlfeld sagt:

    Ich hätte es wissen müssen: Wer hier Argumente säht, wird einen xenophoben Sturm ernten…
    @ minicipal: Den Erfahrungsbericht gibt es z.B. hier:
    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/060/1606043.pdf
    Ich bin mir leider sicher, dass er all Ihre Vorurteile bestätigen wird, weil Sie ohnehin nur diejenigen Zahlen sehen werden, die ins Weltbild passen…

  10. Udo Kuffer sagt:

    Es macht wirklich keinen Sinn frisch verheiratete Ehepartner für einen Zeitraum von mindestens 4 Monaten für einen Spachkurs zu trennen, wenn Sie sowieso in Deutschland zu dem Integrationskurs verpflichtet werden!
    In der Übergangsphase waren die Wartezeiten noch länger und so bin ich 2007/2008 acht Monate von meiner südamerikanischen Ehefrau getrennt worden. Abgesehen vom Trennungsschmerz gab es auch erhebliche finanzielle Belastungen (Flüge, Kursgebühren, Miete für eine zweite Wohnung) etc.

    Außerdem gibt es Ungleichbehandlungen:
    Beispiel: Ehefrau Südamerika, Ehemann in Deutschland lebender Australier (OECD Staat): Keine Zwangstrennung
    Ehefrau Südamerika, Ehemann Deutscher(!!!): Zwangstrennung

    Zuziehender Ehepartner Koreaner (OECD Land): keine Zwangstrennung
    Zuziehender Ehepartner Vietnamese: Zwangstrennung

    Das ist willkürliche Selektion und darüber hinaus noch Benachteiligung der eigenen Staatsbürger!


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