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Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Islam in Deutschland

Religionensvielfalt löst bei jedem Zweiten Ängste aus

Nahezu jeder zweite Deutsche fühlt sich laut einer Umfrage durch die wachsende Vielfalt der Religionen im Land bedroht. Die große Anzahl religiöser Gruppen sorgt für Unsicherheit unter den Menschen, wie der Münsteraner Soziologe Prof. Dr. Detlef Pollack darlegen.

Viele befürchten demnach einen Verlust der eigenen Identität. 72 Prozent der Befragten in Westdeutschland sehen die religiöse Vielfalt als Ursache für gesellschaftliche Spannungen an; in Ostdeutschland stimmten 69 Prozent der Aussage zu. Pollack will die repräsentative Studie, die von der VolkswagenStiftung gefördert wurde, in diesem Jahr neu auflegen. Er plant eine weitere Erhebung zur Akzeptanz religiöser Vielfalt in ausgewählten europäischen Gesellschaften.

Für Überraschung sorgte unter den Wissenschaftlern, dass sich die Menschen trotz der gefühlten Bedrohung durch fremde Kulturen nicht verstärkt auf die eigene christliche Religion besinnen. Stattdessen wählen sie eine „Strategie der säkularen Abgrenzung“, indem sie eine strikte Trennung von Staat und Kirche als Lösung des Problems bevorzugen, wie Pollack erläutert. In der Befragung lehnten fast zwei Drittel der Bevölkerung in Ost- und Westdeutschland jeglichen religiösen Einfluss auf Politik, Wissenschaft und Forschung ab. Diese gesellschaftlichen Bereiche sollten nach Mehrheitsmeinung frei von einer solchen Beeinflussung bleiben. Grundsätzlich sieht Pollack keine Tendenz zu Intoleranz in der Bevölkerung. Vielmehr würden Abwehr und Skepsis aus Angst vor einer Erschütterung des eigenen Lebens entstehen.

Die religiöse Vielfalt setzt sich nach den Worten des Soziologen aus einer Vielzahl christlicher und außerchristlicher Gruppen zusammen. Dabei deuteten die Daten darauf hin, dass das überwiegend kritische Bild von fremden Religionen in der Bevölkerung in erster Linie durch den Islam geprägt sei. Der muslimische Glaube werde geradezu spiegelbildlich zum Christentum bewertet. Wie auch andere Untersuchungen gezeigt hätten, sähen viele darin Nächstenliebe, Wohltätigkeit und Friedfertigkeit, im Islam dagegen die Benachteiligung der Frau, Rückwärtsgewandheit, Fanatismus und Gewaltbereitschaft.

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50 Kommentare
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  1. berlino sagt:

    „In der Befragung lehnten fast zwei Drittel der Bevölkerung in Ost- und Westdeutschland jeglichen religiösen Einfluss auf Politik, Wissenschaft und Forschung ab.“

    Ein sehr vernünftiger Standpunkt. Die Skepsis gegenüber dem Islam beginnt bereits hier, denn der Islam scheint diesen Standpunkt,vorsichtig ausgedrückt, nicht zu teilen.

  2. Tobias H. sagt:

    Wem wunderts.. Es gibt kaum ethische Westeuropäer die positiv zum Islam eingestellt sind.. Der Islam ist überaltet und passt nicht in die moderne westliche Welt.. Muslime zeigen Ignoranz und mangelndes Integrationsverhalten gegenüber Ungläubigen und Andersdenkende und kriegen nun die Rechnung.
    Bin ich jetzt ein Rassist?..

  3. Markus Hill sagt:

    Sie äussern eine Meinung, die man keineswegs teilen muss. Das ist Ihre persönliche Ansicht, wir leben in einem demokratischen Staat und verschiedene Standpunkte fördern den Meinungsbildungsprozess. So weit mir bekannt ist, ist der Islam keine Rasse, sie können also erleichtert sein.
    ABER: Man kann sich manchmal überlegen, ob man nicht manchmal jemanden verletzen kann mit der Meinung. Das heisst, Sie müssen auch einstecken können, wenn andere Auffassungen bestehen. Glauben heisst nicht unbedingt wissen, daher kann der Gegenstand Religion sehr oft stärker emotional diskutiert werden.

  4. Mehmet sagt:

    Nee, aber pauschalisierst sehr gern.

  5. Markus Hill sagt:

    Es gibt natürlich die oben von ihm angeführte Ausprägung von Islam. Es gibt da aber auch viele, viele andere Varianten. Würde Ihnen da auch zustimmen, da kann man keinesfalls alle über einen Kamm scheren.

  6. gegenspiegel sagt:

    Erstaunlich, dass so viele Menschen sich trauten, ehrlich zu ihren Ängsten zu stehen.
    Normalerweise werden die Probleme verdrängt und/oder Multi-Kulti-Schöngeredet.
    Ich habe auch große Bedenken, wenn ich an die Zukunft denke, die ja mehrheitlich von Muslimen bestimmt sein wird, da der Islam eine Religon ohne Reformation ist. Man findet vieles im AT wieder, was in islamischen Ländern gelebt wird.

  7. Auweia gegenspiegel,
    wie blind muß man eigentlich sein, um wirklich zu glauben oder wenigstens zu behaupten, dass die Muslime die Zukunft bestimmen könnten?
    Wo denn auf der Welt?
    Aber machen Sie sich keine größeren Gedanken: für jeden Christen und jeden Muslim gilt unweigerlich das Gleiche:
    Jeder hat nur sein einzelnes Leben und das ist definitiv endlich.
    Man kann jetzt als Christ z.B. nach Afghanistan oder Irak reisen, um dort dafür zu sorgen, dass die Muslime so leben, wie wir meinen, dass es sich gehört. Man kann auch als Christ zuschauen, wie Christen z.B. in Bosnien ethnische Säuberungen durchführen, ebenso, wie es dem Christen und sonstwem nicht schwerfällt zuzuschauen, wie sich ein paar Mio. Schwarzafrikaner gegenseitig massakrieren.
    Wer bestimmt die Zukunft?

  8. municipal sagt:

    @ Andreas Scholz

    „…wie blind muß man eigentlich sein, um wirklich zu glauben oder wenigstens zu behaupten, dass die Muslime die Zukunft bestimmen könnten? “

    Schon die Versuche es anzustreben machen „der Welt“ erhebliche Probleme, und es ist ihnen mit aller Kraft entgegenzuwirken.

  9. @municipal
    welche Versuche können Sie denn benennen?
    Die Probleme der Welt liegen wohl eher in anderen Dingen, als in der Gefahr einer religiösen Vorherrschaft.

  10. municipal sagt:

    @ Andreas Scholz

    Ich hoffe ( mit Blick auf Ihre Reputation), das diese Frage von Ihnen rhetorisch gestellt wurde.

    Die Antworten darauf würden den (hier bei MIGAZIN) möglichen Rahmen sprengen.

    „Die Probleme der Welt liegen wohl eher in anderen Dingen, als in der Gefahr einer religiösen Vorherrschaft.“

    Die Welt hat immer mehr Probleme. Ein nicht zu unterschätzender Auslöser einiger davon ist das (offensichtlich von Ihnen negierte) Streben nach religiöser Vorherrschaft.Und darum:

    Schon die Versuche es anzustreben machen “der Welt” erhebliche Probleme, und es ist ihnen mit aller Kraft entgegenzuwirken.


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