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Migration und Integration in Deutschland

[Es würde im Interesse der deutschen Arbeiter liegen, wenn wir sie zu Fachkräften ausbilden.] Dafür müssen wir natürlich dann die relativ primitiveren Arbeiten … von ausländischen Arbeitskräften besorgen lassen.

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, NWDR-Interview vom 9. April 1954

Türkische Presse Europa

31.07.2009 – Jugendamt, Islamfeindlichkeit, Islamunterricht

Die Europaausgaben der türkischen Zeitungen berichten heute vornehmlich über Themen rund um den Islam: Die islamischen Organisationen in Bremen beklagen die zunehmende Islamfeindlichkeit in Deutschland, Hessen plant einen runden Tisch für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts und Frankreich diskutiert über ein Burkaverbot. Weitere Themen sind u.a. das erschütternde Versagen der Jugendämter und das Schattenkabinett von Steinmeier.

Erschütterndes Versagen der Jugendämter
Die ZAMAN berichtet über das Schicksal der 13-jährigen Jennifer aus Brandenburg, die neun Jahre lang zu Hause versteckt wurde, ohne dass das Jugendamt einschritt. Das geistig und körperlich behinderte Mädchen aus dem Uckerland-Ortsteil Lübbenow wurde nie zur Schule geschickt.

Die Bürgermeisterin von Uckerland, Christine Wernicke habe erklärt, dass der Gemeinde schon vor vier Jahren aufgefallen sei, dass ein Mädchen aus der Familie nicht eingeschult wurde. Das Jugendamt in Prenzlau sei damals informiert worden. Der Landrat sprach von einem schweren Fehlverhalten innerhalb des Jugendamtes. Die Situation sei dem Jugendamt seit 2006 bekanntgewesen, sagte auch Landrat Klemens Schmitz. Er wolle nun Untersuchungen einleiten. Das Schicksal und die schweren Versäumnisse im Jugendamt hätten die Kinderschutz-Debatte neu entfacht. Experten sind über Fehler der Behörden entsetzt und der Kreis prüft personelle Konsequenzen.

Islamfeindlichkeit in Deutschland
Die MILLIYET räumt der Erklärung der islamischen Organisationen in Bremen zur zunehmenden Islamfeindlichkeit in Deutschland breiten Raum ein. „Mit großer Besorgnis beobachten wir einen immer stärker werdenden antiislamischen Rassismus in unserer Gesellschaft, in der die ganze Palette antiislamischer Ressentiments zum Ausdruck kommen“, beklagt die Schura Bremen. Noch größer sei aber die Sorge über die Tatsache, dass dem „Vorfall weder in der Berichterstattung noch in der Wahrnehmung der Politik und der Gesellschaft, die notwendige Bedeutung zuteil wurde.”

Steinmeier stellt Schattenkabinett vor
Der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat am 30. Juli in Potsdam sein so genanntes Kompetenzteam vorgestellt, berichtet die TÜRKIYE. Der zunächst reservierte Platz für die SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt blieb frei. Sie muss zum Einsatz und Diebstahl ihres Dienstwagens im spanischen Alicante erst noch “ihre Fakten präsentieren”, so Steinmeier. Die Präsentation des Schattenkabinetts ist der Abschluss einer zweitägigen Klausur der SPD-Führungsspitze in Potsdam. Ab der kommenden Woche geht er auf Wahlkampftour.

Hessen plant runden Tisch für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts
Der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) will mit einem landesweiten Runden Tisch die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an Schulen vorantreiben, berichtet die MILLIYET. “Es wird im August, September einen Runden Tisch geben zum Thema Vorbereitung des muslimischen Religionsunterrichts”, sagte der stellvertretende Ministerpräsident.

Die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) werde nicht an dem Treffen teilnehmen, ergänzte Hahn: “Das Verwaltungsgericht hat vor wenigen Jahren festgeschrieben, dass die IRH keine Religionsgemeinschaft ist, und deshalb werden sie auch von mir nicht eingeladen.” Nach dem Runden Tisch sei für die konkrete Umsetzung des islamischen Religionsunterrichts das Kultusministerium verantwortlich.

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2 Kommentare
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  1. DDD sagt:

    „zunehmende Islamfeindlichkeit in Deutschland“

    Ich beklage die immer weiter zunehmende Inländerfeindlichkeit der Blockparteien oder der vielen Einwanderer.

  2. municipal sagt:

    …….Sorge über die Tatsache, dass dem „Vorfall weder in der Berichterstattung noch in der Wahrnehmung der Politik und der Gesellschaft, die notwendige Bedeutung zuteil wurde.”

    WER setzt fest, was in Deutschland „die notwendige Bedeutung“ darstellt? Doch wohl nicht die Schura Bremen, oder?



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