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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Türkische Presse Europa

14.07.2009 – Islamophobie, Böhmer, Visafreiheit

Die Europaausgaben der türkischen Zeitungen berichten heute unter anderem über wirksame Methoden zur Bekämpfung der Islamophobie in Deutschland. Weitere Themen sind der Besuch der Integrationsbeauftragten Maria Böhmer an der Sternenhimmel-Grundschule sowie ihr Aufruf für mehr Bildung, uvm.

Grünen-Gesetzesentwurf zur Lockerung der Visumspflicht wurde abgelehnt
Die ZAMAN berichtet über einen Gesetzesentwurf der Grünen-Fraktion, in der Joseph Winkler und seine Partei die Aufhebung der Visumspflicht für türkische Bürger bei kurzzeitigen Einreisen in die Bundesrepublik forderten. Darüber habe man bemängelt, dass für viele Berufsgruppen mit Ausnahme der Lkw-Fahrer eine Visafreiheit gelte und dies nicht hinnehmbar sei. Zudem müsse klargestellt werden, wer bei Gruppen wie beispielsweise Künstlern und Wissenschaftlern darüber entscheide, ob sie ein Visum benötigen.

Die Unionsparteien haben den Entwurf mit der Begründung, es könne eine Zuwanderungswelle geben, abgelehnt, so die ZAMAN. Eine Reisefreiheit könne maßgeblich negative Folgen mit sich ziehen. Die SPD unterstütze grundsätzlich das Vorhaben in großen Teilen, halte den Inhalt des Gesetzesentwurfs allerdings für schwach. So müssten die Grünen insbesondere konkreter definieren, was sie unter kurzzeitigen dienstleistenden Reisen verstehen. Während die Linkspartei die Umsetzung des Soysal-Entscheids unverzüglich fordere, sei sie gegen die Visafreiheit bei längeren Einreisen nach Deutschland. Die FDP sei der Meinung, dass es keine Visafreiheit für Touristen geben dürfe.

Nazi-Wächter Demjanjuk soll in Deutschland verurteilt werden
Die ZAMAN berichtet über John Demjanjuk, der in der Nazi-Zeit im Konzentrationslager Sobibot im heutigen Polen als Wächter gedient habe. Er werde damit beschuldigt, bei der Ermordung von 27.900 Menschen mitgeholfen zu haben. Insgesamt seien in dem Konzentrationslager 870.000 Juden ums Leben gekommen. Laut Ärzteberichten könne der heute 89-Jährige Demjanjuk zwar vor das Gericht ziehen, eine Verhandlung müsse aber täglich zwei Mal mit 90 Minuten begrenzt sein. Demjanjuk wurde von der USA an Israel ausgeliefert und dort zur Todesstrafe verurteilt. In der Berufung wurde die Todesstrafe allerdings aufgehoben und Demjanjuk wieder zurück in die Vereinigten Staaten versandt. Der 89-Jährige bestreite die Vorwürfe und behaupte, dass er zu der Zeit sowjetischer Gefangener gewesen sei.

Der Islamophobie muss in den Medien angekämpft werden
Die ZAMAN berichtet ausführlich über die Islamophobie in Deutschland und ihr Auftreten innerhalb der Gesellschaft und führt einige Kommentare aus dem Internet auf, die die Islamophobie vor Augen führten. So könne man dieses Phänomen keinesfalls auf physische Übergriffe auf Muslime wie beispielsweise in Dresden beschränken sondern müsse auch die sozialen, gesellschaftlichen und politischen Ebenen des Problems betrachten. Die Medien würden in den letzten Jahren häufig Schlagwörter wie „Ghettobildung“, „Parallelgesellschaften“, „Ehrenmorde“, „schleichende Islamisierung“ und „Terror“ mit dem Islam in Verbindung bringen und somit eine negative Atmosphäre für die Muslime in Deutschland schaffen.

Dies habe zur Folge, dass die Gesellschaft die Muslime als die „Fremden“, die „Anderen“ betrachte und diese zunehmend ausstoße und diskriminiere. Es stelle keine Seltenheit dar, wenn Muslime aufgrund ihrer Kleidung und ihrer islamischen Identität nicht bei einer Arbeit aufgenommen werden, bei der Wohnungssuche Schwierigkeiten haben und bei der Streichung von Arbeitsplätzen meist als Erste in Anbetracht gezogen werden.

Es wird aufgeführt, dass die Medien diesbezüglich eine große Verantwortung tragen. Als Beispiel wird ein Bericht der „Welt“ zu den Aussagen Aiman Mazyeks gezeigt, der von Kanzlerin Merkel die Bekämpfung der offenen sowie geheimen Islamophobie forderte. Auch die Leserkommentare, die zum Teil zitiert werden, würden offensichtlich gegen den Islam hetzen.

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15 Kommentare
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  1. Boli sagt:

    Was passiert ist, ist schlimm. Nur das Folgende gibt auch nicht Hoffnung auf Besserung. Und nur zur Klarstellung. Solche „Vorkommnisse“ sind seit Jahren Gang und Gebe in Ägypten und islamischen Ländern.

    http://www.idea.de/nc/nachrichten/detailartikel/artikel/aegypten-orthodoxe-kirche-niedergebrannt.html

    Es mögen die Muslime in Deutschland auch nicht gerne hören. Nur sie müssen begreifen, das sie in der Gesellschaft nicht nur anhand ihres eigenen Verhaltens in Deutschland sondern auch am Umgang von Christen in vornehmlich muslimischen Ländern gemessen werden. Sie mögen denken das sie das nichts angeht. Was richtig ist, das sie direkt gesehen nichts dafür können, nur sie selbst sind doch aus solchen Ländern mit SOLCHEN Ansichten nach Deutschland und Europa gekommen. Das Problem ist also nicht die Einwanderung an sich sondern das was die Menschen in ihren Köpfen mitbringen. Die Indoktrinierung so zu sagen mit welchen Glaubensgrundsätzen und Ansichten sie erzogen wurden. Das ist es was immer mehr Menschen bei der Religion Islam komplett ablehnen. Es mag auch richtig sein, das sich Rassisten unter dem Deckmantel der Ablehnung des Islam versuchen eine legitime Basis ihrer Agitationen zu verschaffen. Nur das trifft mit Sicherheit nicht auf die Mehrheit der islamophoben Menschen in Europa zu.
    Nur was ist das dann für eine Aussage von Erdogan, der es als Beleidigung ansieht, den Islam in „weichgespülter“ Form sehen zu wollen und einfach sagt „Islam ist Islam, es gibt keinen moderaten Islam!!“
    Ich meine was sollen den die Europäer davon halten?? Wenn der Islam nicht änderbar ist, steht er somit im vollen Widerspruch zur westlichen Lebensweise und wird somit doch auch der Logik folgend so stark abgelehnt das es letztendlich zumindest bei Leuten mit zusätzlichen rassistischen Neigungen zu solch einem Fall wie oben kommen kann.
    Man mag den Deutschen und Europäern Rassismus vorwerfen, der dazu führt das Dinge wie in Dresden passiert sind auch geschehen. Nur was ist mit der Gewalt gegen Christen in besagten Ländern?? Was ist mit der steigenden Gewalt gegen Christen in Europa?? Für manchen Muslim braucht es offenbar nicht einmal eines Rassismus um gewalttätig zu werden. Und es ist letztendlich auch völlig egal auf welcher Grundlage diese Gewalt versucht sich zu legitimieren. Sie sieht letztlich gleich hässlich aus.
    Also es muss auch einmal gesehen werden, was zum Beispiel folgender Mensch für Sorgen und Ängste hat und er hat diese schon jahrelang und absolut berechtigt!!
    Was passiert ist, ist schlimm. Nur das Folgende gibt auch nicht Hoffnung auf Besserung. Und nur zur Klarstellung. Solche „Vorkommnisse“ sind seit Jahren Gang und Gebe in Ägypten und islamischen Ländern.

    […]

  2. BiKer sagt:

    weshalb werden millionen von muslime in deutschland an taten einzelner extremisten aus anderen fernen Ländern gemessen? ist das richtig? es leben über eine milliarde muslime auf der erde. weshalb soll ich mich an denen messen lassen, die eine kirche angezündet haben? gibt es idioten nicht überall?

    wohin würde die diskussion hinführen, wenn man gegenbeispiele aufführen und einheimische an den taten christlicher extremisten messen würde? es werden auch moscheen von christen angezündet. was sagt das über christen aus?

    pauschalisierung ist gefährlich!

  3. municipal sagt:

    @ BiKer

    Moscheen ? Angezündet ? Von Christen? Unter Duldung der Polizei ? Ohne Strafverfolgung?

    WO,bitte ?

  4. BiKer sagt:

    im irak, in palästina, in kosovo, in bosnien …. alles anschläge ohne strafverfolgung und unter duldung staatlicher macht, die teilweise meinten, im namen gottes zu handeln, wenn sie wissen, wen ich meine.

    wer darauf aus ist, mit solchen beispielen menschen bestimmter religionszugehörigkeit pauschal zu verurteilen, findet viel. die frage ist, ob der richtige weg ist um auf missstände aufmerksam zu machen. ich bin der meinung, dass man so probleme schafft. zunächst in den köpfen, dann in der realität.

    erfreuen wir uns lieber an unserem andersglaubenden nachbar, der keine kirchen/moschee/synagogen anzündet und sonst nichts mit extremisten am hut hat als uns an extremisten an anderen ländern zu stören. wenn man sich doch mal kühl gedanken macht, erkennt man doch wie bescheuert es ist, den nachbar mit argwohn zu betrachten wegen einem idioten aus einem fernen land.

  5. municipal sagt:

    @BiKer

    Und darum ist es wichtig, darauf ein Auge zu haben, das nicht irgendwann jemand „ein Auge“ auf den lieben Nachbarn wirft, um ihn für seine „Zwecke“ zu instrumentalisieren. Das tun nämich Religionen (und aus leidiger Erfahrung besonders der Islam) gerne. Z.B. die islamischen Vereine/Verbände jedweder Couleur. DITIB für die Interessen des türkischen Staates, Milli Görüs für …. ? Na, geben Sie sich die Antwort selber.

  6. BiKer sagt:

    ich meine, dass der kontakt, egal welchem verband der nachbar auch angehört – die mehrheit gehört keinem verband an – auch diese vorbehalte abbauen hilft. der gespräch muss allerdings erst einmal stattfinden. anschließend hat man sich wovon auch immer überzeugt, man respektiert die meinung des anderen und geht trotzdem gemeinsam fussball spielen oder man meidet sich. was auch immer. der gespräch muss zunächst einmal stattfinden!

    die art, wie boli (s.o) aber vorgeht, baut mauern und verhindert diese gespräche weil es argwohn und vorurteile aufbaut. daran krankt meiner meinung nach die gesamte diskussion. es werden künstliche barrieren aufgebaut, die es nicht gebe, wenn man einfach nur mal aufhören würde zu pauschalisieren. menschen sind in der regel individiuen, keine lemminge!

  7. Teleprompter sagt:

    „… weshalb werden millionen von muslime in deutschland an taten einzelner extremisten aus anderen fernen Ländern gemessen?“

    Einfache Frage, einfache Antwort:

    Weil der Koran für den unbefangenen Leser die ideologische Rechtfertigung für diese Taten liefert.

  8. Hans Schneter sagt:

    „im irak, in palästina, in kosovo, in bosnien “

    Quelle?

  9. BiKer sagt:

    der koran ist – wie jede quelle auch – im historischen kontext auszulegen. die meisten verse, die von ihresgleichen gerne zitiert werden, stammen aus kriegszeiten und haben entsprechende geltung auch nur in kriegszeiten. sie haben in nur dem geschichtlichen kontext geltung und das auch nur, wenn es sich um religionskriege handelt.

    merken sie, wie billig ihre argumente allein mit den grundlegensten regeln der auslegung bereits wirken? hören sie auf menschen gegeneinander zu hetzen mit derart plumpen ausführungen! sie schaden sich selbst, indem sie ihrer eigene umgebung falsch informieren.

  10. BiKer sagt:

    ich glaube, sie haben nicht verstanden, wen ich meine und auf was sich meine beispiele beziehen. die sind aber auch zweitrangig und nur rhetorischer gründe wegen aufgeführt. wichtiger ist die auseinandersetzung mit der pauschalisierung.


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