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Migration und Integration in Deutschland

Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Diskriminierung und Chancenungleichheit

UN-Sonderberichterstatter rügt Deutschland

Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stellte fest, dass Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland häufig Benachteiligungen ausgesetzt würden, sei es in der Schule, auf öffentlichen Plätzen oder bei der Suche nach einer Wohnung.

Muigai sagte, die Bundesregierung setze sich deutlich gegen Rassismus ein. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006 bezeichnete Muigai als „Meilenstein“. Es seien aber Nachbesserungen notwendig. Die in dem Gesetz verankerte Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist nach Ansicht des Sonderberichterstatters zu weit von lokalen Problemen entfernt. Die Stelle müsse stärker in die Kommunen hineinwirken, um örtlichen Rassismus besser zu erfassen. Ferner müsse die Stelle die Gerichte anrufen können, „wenn berechtigte Klagen bekannt werden“. Die von Dr. Martina Köppen geleitete Stelle kann laut Gesetz in Diskriminierungsfällen nur die Beteiligten um Stellungnahmen ersuchen und Beratung für die Opfer anbieten.

Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund
Muigai gab in seiner Abschlusskundgebung am Mittwoch in Berlin zu bedenken, dass Menschen mit Migrationshintergrund häufig benachteiligt werden, sei es in der Schule, auf öffentlichen Plätzen oder bei der Suche nach einer Wohnung. Außerdem würden Schulen den Bedürfnissen von Migrantenkindern oft nicht gerecht. Er empfahl, das mehrgliedrige Schulsystem flexibler zu gestalten. Der Kenianer kritisierte, dass Migranten auch der Zugang zu einer höheren Bildung oftmals erschwert werde. So habe er Probleme beim Zugang zu Hochschulen und bei der Anerkennung von Diplomen und anderen Abschlüssen, die im jeweiligen Heimatland erworben worden seien, festgestellt. Muigai warnte, ohne Chancengleichheit für junge Migranten würden „Probleme verewigt“, mit Folgen für den späteren Zutritt zum Arbeitsmarkt. Laut einem Bericht der „Zeit“ kritisierte Muigai auch das Kopftuchverbot. Das Tragen religiöser Symbole schmälere in Deutschland die Chancen bei der Jobsuche, sagte Muigai. Er forderte die Gleichbehandlung aller religiösen Symbole.

UN-Sonderberichterstatter fordert stärkere Partizipation von Migranten
Die Politik müsse Migranten eine noch stärkere Teilhabe ermöglichen, forderte der Universitätsprofessor Muigai. Menschen mit Migrationshintergrund seien im politischen Alltag unterrepräsentiert, „sowohl als Wähler als auch als Abgeordnete“, meinte Muigai und schlug den Parteien vor, mit mehr Eigeninitiative auf deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund zuzugehen. Personen mit Migrationshintergrund seien auch in wichtigen Institutionen, wie Polizei und Gerichte, stark unterrepräsentiert. Muigai forderte die Bundesregierung auf, „besondere Maßnahmen zu ergreifen, um eine angemessene Vertretung von Personen mit Migrationshintergrund in den staatlichen Institutionen, vor allem in den Bereichen Beschäftigung, Bildung und öffentlicher Dienst, zu gewährleisten.

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14 Kommentare
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  1. ibo sagt:

    ich kann auf jedenfall den Bericht des UN-Sonderberichterstatters bestätigen…

    Eine simple Angelegenheit wie die Wohnungssuche ist schon manchmal anstregend…
    Beispiel: Ich gebe meinen echten Namen an, die Wohnung ist vergeben. Ich rufe am nächsten Tag nochmal an, gebe mich als Josef Winkler aus und schwupps darf ich die Wohnung besichtigen.

    Leider sind diese Themen nicht präsent genug in den Medien, da es einfach ignoriert wird, man will sich ja nicht selber kritisieren, man kritisiert lieber andere.

    Man muss sich auch mal selber auf die Finger schauen und nicht in anderen Nasen popeln.

  2. Teleprompter sagt:

    Der Herr Sonderberichterstatter arbeitet im Auftrag des sogenannten „Menschenrechtsrat der Vereinten Nation“, der sich für Menschenrechtsverletzungen eigentlich nur dann interessiert, wenn sie in westlichen Staaten vorkommen.

    „Auch nach der Reform des Rates gelangten Länder wie Algerien, Aserbaidschan, Bangladesch, China, Kuba, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien und Tunesien in den Besitz einer Stimme im Menschenrechtsrat, da sich jedes UN-Mitgliedsland ohne Auswahlkriterien für den Rat bewerben kann und die Mitglieder durch die UN-Vollversammlung gewählt werden. Dies wird von Kritikern als zynisch und paradox bezeichnet, da diese Staaten dafür bekannt sind, zahlreiche von der UN als verbindlich angesehenen Menschenrechte ihrer eigenen Bevölkerung in unterschiedlichem Maße vorzuenthalten.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/UN-Menschenrechtsrat

  3. Johanna sagt:

    >Der Herr Sonderberichterstatter arbeitet im Auftrag des sogenannten “Menschenrechtsrat der Vereinten Nation”, der sich für Menschenrechtsverletzungen eigentlich nur dann interessiert, wenn sie in westlichen Staaten vorkommen.>

    Wahre Worte, wenn man bedenkt, wer dort vertreten ist;)

    Schon bei Durban II in Genf wurde versucht, jegliche Kritik am Islam zu unterbinden., daher auch der Boykott vieler Staaten.

    Hätten die dort vertretenen Länder dieselben „social benefits“ für die „Beladenen dieser Welt“ und die Menschenrechte, dann könnten wir weiter diskutieren. Da das nicht so ist, ist diese Organisation lediglich ein Ärgernis.

  4. Gäbe es keine Diskriminierungen in Deutschland, gäbe es keinen Bericht, egal für wen Herr Muigai arbeitet.

    Diskrimierungen sind in Deutschland ‚deutsch-legal‘ deshalb von Deutschen nicht wahrgenommen.
    Zum Beispiel versteht man in diesem Land nicht, dass sogenannte „Integrationsschulen“ nichts anderes sind als „Ausländerschulen“, die weil sie nicht reindeutsch sind, Kinder ihren Namen schreiben und bis 500 zählen, zu lernen brauchen. Auch bei einem hohen Anteil an Ausländer hat Frankreich ein solches Schulsystem nicht.

    Da Deutschland – und seine Bürger – kein Land ist wie (sic) Algerien, Aserbaidschan, Bangladesch, China, Kuba, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien und Tunesien (sic) wird es sich sofort an die Arbeit ranmachen.
    Damit es keinen neuen Bericht bedarf, egal ob von der UN, von der (EU) Kommission oder vom (EU) Parlament.

    Der Bericht ist Formsache.
    Die (System bedingten) Diskriminierungen sind Grundsache.
    mfg
    Olivier Karrer
    CEED Paris

  5. Hans Schneter sagt:

    Ich habe selten ein Volk erlebt, dass so rassistisch ist, wie die Franzosen. Nur die Katalanen haben sie noch übertroffen. Von daher brauchen Sie nicht mit den Franzosen anfangen.

    Diskriminierungen wird es immer geben, solange es Mehr- und Minderheiten gibt. Preussen werden in Bayern diskriminiert, Deutsche in der Türke, Türken in Europa, US-Amerikaner in Frankreich, Behinderte unter *Normalos* Popper unter Rockern und so weiter. Dieser Bericht ist Mumpitz.

    Aber was genau ist Diskriminierung? Wenn der Deutschtürke in Antalya das dreifache zahlt wie der Einheimische? Wenn der Deutsche beim Bäcker in Orange nicht bedient wird? Wenn man blöd angeschaut wird? Wenn man eine Wohnung nicht bekommt, weil man einen ausländischen Namen hat und nicht Hans Huber heisst? Wenn Engländer von Spaniern verspottet werden ob ihrer verbrannten Haut und ihnen damit das Gefühl geben, Fremde zu sein?

  6. […] fordert kommunales Wahlrecht für Drittstaatler Die HÜRRIYET und ZAMAN berichten über die Deutschlandreise des vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen beauftragten Sonderberichterstatte… über Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und verwandte Formen von Intoleranz, Githu Muigai, vom 21. […]

  7. […] das Verbot eine Signalwirkung in die Gesellschaft habe. Ähnlich äußerte sich jüngst auch der UN-Sonderberichterstatter über Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und verwandte Formen von Intoleranz. Die Sinus-Milieustudie […]

  8. Mariotti sagt:

    Meine Heimat ist Italien. Trotzdem bei der Arbeitssuche bin ich auch immer diskriminiert worden. Am stärksten fühle ich diese Diskriminierung hier in Köln. Ich überlege mir,sogar ob ich die Stadt Köln vor der Europäische Gerichtshof klagen soll. Es ist nicht normal, dass drei ledige Männer, eine Arbeit bei der Oper Köln gekriegt haben, während ich als Alleinerziehende Mutter und Ausländerin der Laufpass gekriegt habe. Damals machte ich die egoistische Arbeitgeber klar,dass für mich und meinem Sohn die Stelle sehr wichtig war. Aber er bevorzugte die drei ledige junge Männer. Man fühlt sich am Ende wie ein Mensch zweite Klasse,aber wenn man viele Deutsche hört,heißt es immer, dass die Ausländer faul,kriminell, Terroristen und nicht integriert sind. Es sind nur Lügen um immer wieder jemand zu finden,die sie kaputt machen können, ,damit sie sich wichtiger und besser als uns fühlen. Ich hoffe es wird bald eine Ende haben diese unwürdige Mentalität. Wir sind alle Menschen!

  9. Mehmet sagt:

    Das ist eine gute Rechtfertigung für Diskriminierungen. Machen wir doch alle mit!!

  10. Mehmet sagt:

    Systembedingt!! Gut auf den Punkt gebracht!


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