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Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

Türkische Presse Europa

28. und 29.06.2009 – Islamkonferenz, Celik, Türkisch

Die Europaausgaben türkischer Tageszeitungen berichten ausgiebig über den Besuch des türkischen Staatsministers Faruk Celik in Wien und Köln. Außerdem ist die Frühjahrskonferenz der Integrations-, Migrations- und Ausländerbeauftragten Thema und weitere kleinere Meldungen mit und über Türken in Deutschland.

DATUM29. Juni 2009

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RESSORTTürkische Presse Europa

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28.06.2009

Staatsminister Celik: Wir müssen uns gegenseitig unterstützen
Die TÜRKIYE leitet mit den Worten des türkischen Staatsministers Faruk Celik sein Besuch in Wien ein und berichtet, dass er sich während eines privaten Besuchs auch mit türkischen Zivilorganisationen getroffen hat. Celik habe die Vertreter dazu aufgerufen, zusammen zu arbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen. HÜRRIYET zufolge habe Celik zwei große Probleme der Türkei eingeräumt. Die erste sei das Problem mit den Kurden und die zweite das Problem mit den Aleviten. Die SABAH gibt zu dem wieder, dass Celik weiter nach Köln gereist sei.

Frühjahrskonferenz der Integrations-, Migrations- und Ausländerbeauftragten
HÜRRIYET, SABAH und MILLIYET berichten in aller Kürze über die Frühjahrskonferenz der Integrations-, Migrations- und Ausländerbeauftragten. HÜRRIYET titelt: „Integration der Migranten unter der Lupe“ und geht insbesondere auf die Gesundheitssituation von Migranten ein. Die MILLIYET und SABAH titeln ähnlich und berichten ausführlicher über die 28 Indikatoren, mit der die Integration gemessen werden soll.

Migranten mehr Vertrauen schenken
Der Hamburger Linkspolitiker Mehmet Yildiz habe gemeinsam mit Wählern in einer Diskussionsrunde eine Bilanz der letzten zwölf Monate gezogen. Hierüber berichtet die TÜRKIYE. Yildiz habe die Bildungspolitik in Hamburg moniert und die Regierungskoalition beschuldigt, Politik für reiche zu machen. Migranten werde das Leben zunehmend erschwert.

Bundestagswahlen
Die SABAH und MILLIYET räumen dem jüngsten Vorstoß der CDU, die Mehrwertsteuer nicht erhöhen und das Kindergeld anheben zu wollen kritisch Raum ein und stellt die SPD-Frage, wie das funktionieren soll.

29.06.2009

Faruk Celik in Köln
Der für die Auslandtürken zuständige Staatsminister Faruk Celik kam gestern in Köln mit türkischen Vertretern von Nichtregierungsorganisationen zusammen. Hierüber berichten alle Zeitungen ausführlich. Die HÜRRIYET und MILLIYET legen den Schwerpunkt auf die Probleme beim Grenzübertritt in Bulgarien, die von den Türkeireisenden an der Grenze ein ärztliches Attest haben wollen, dass die Reisenden keine Schweinegrippe haben. Celik habe das mit den Worten kommentiert, dass diese Vorgehensweise einem EU-Land unwürdig sei. Laut HÜRRIYET habe Celik außerdem die DITIB besucht.

Die SABAH, ZAMAN und TÜRKIYE hingegen verkünden, dass die Türkei eine neue Direktion schaffen werde, die sich um die Belange der Auslandstürken kümmern solle. Celik habe viele Einzelprobleme erörtert und Besserung in Aussicht gestellt.

Islamkonferenz
Die vorerst vierte und letzte Islamkonferenz ist Thema in den heutigen Europaausgaben türkischer Tageszeitungen. So räumt die ZAMAN Bekir Albogas (DITIB) und Ali Kizilkayas (Islamrat) Worten Raum ein, die die türkischstämmigen unabhängigen Islamvertreter kritisiert hätten. Einerseits würden manche Teilnehmer der Islamkonferenz angeblich für Muslime sprechen und andererseits den Islam schlecht machen. Deren Ziel sei es nicht, Rechte einzufordern sondern Rechte unmöglich zu machen.
Die MILLIYET hingegen lässt Ali San Hizli (AADB) zu Wort kommen, der sich darüber beschwert habe, dass für die sunnitischen Muslime viele Vertreter eingeladen worden seien aber für die Aleviten nur die AABF. Der Staat solle bitte die AABF nicht im Name aller Aleviten sprechen lassen.

Frank-Walter Steinmeier
Außenminister Frank-Walter Steinmeier habe auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung eingeräumt, dass Deutschland viel zu wenig für Migranten getan hätte. Deutschland habe zu spät erkannt, dass es ein Einwanderungsland ist und Schröder sei der erste gewesen, der dies gesagt habe. Migranten seien ein untrennbarer Teil dieser Gesellschaft.

„Unterschreibe auch Du für Türkisch“, „Kampagne für Türksich“
Unter diesen Schlagzeilen teilen die MILLIYET und SABAH eine Unterschriftenaktion der Föderation der Vereine türkischer Elternbeiräte in Württemberg für den Erhalt des Zusatzunterrichts in Türkisch und der türkischen Kultur begonnen. 250 türkische Lehrer seien in Deutschland für rund 30 000 türkische Schüler des muttersprachlichen Zusatzunterrichts beauftragt. Die Arbeitserlaubnis dieser Lehrer laufe jedoch Ende des Jahres 2009 aus. So werde die Zahl der Lehrer für den muttersprachlichen Unterrichts stetig abnehmen. Gülten Aysel, Vorsitzende der Föderation habe an ihre türkischen Landsleute appelliert, die Protestaktion zu unterstützen. Die Aktion werde von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) unterstützt.

Frühjahrskonferenz der Integrations-, Migrations- und Ausländerbeauftragten
Die TÜRKIYE berichtet heute ausführlich über die Frühjahrskonferenz der Integrations-, Migrations- und Ausländerbeauftragten (siehe 28.06.2009) und teilt mit, dass die 28 Kriterien, mit der der Intergrationsfortschritt gemessen werden soll, jährlich aktualisiert werden solle. Allerdings sei laut Armin Laschet in nur in 16 Kriterien eine Einigung erzielt worden. Über die übrigen zwölf seien sich die Beauftragte noch nicht einig.

Doppelte Standards bei Mord
Die Vorsitzende der KIMUS (Kontakt- und Informationszentrale für Muslime), Sema Kuzucu, werfe laut TÜRKIYE der deutschen Presselandschaft in der Mordsache „Büsra“ Doppelmoral vor. Laut Kuzucu haben deutsche Medien den Mordfall dafür benutzt, den Islam und die Türken anzugreifen. Der Vater der getöteten Büsra habe laut deutschen Zeitungsberichten die Tochter getötet weil sie kein Kopftuch tragen wolle oder ein Freund gehabt habe. Dass der Vater aufgrund einer psychischen Krankheit handlungsunfähig war, sei untergegangen. Als in Österreich ein Familienvater die Tochter über viele Jahre hinweg im Keller eingesperrt und vergewaltigt habe, habe niemand in der Türkei daraus Rückschlüsse auf das Christentum geschlossen.

Ekin Deligöz über Ausgrenzung in Schulen
Die SABAH räumt einem Interview der Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz (Die Grünen) Raum ein und berichtet über Erlebnisse Deligöz‘ aus ihrer Schulzeit. Sie habe im Interview erzählt, dass man in Schulen die Fluren mit einer Wand getrennt hätte, damit sich türkische und deutsche Kinder nicht begegnen.

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5 Kommentare
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  1. Krause sagt:

    „Die SABAH räumt einem Interview der Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz (Die Grünen) Raum ein und berichtet über Erlebnisse Deligöz‘ aus ihrer Schulzeit. Sie habe im Interview erzählt, dass man in Schulen die Fluren mit einer Wand getrennt hätte, damit sich türkische und deutsche Kinder nicht begegnen.“

    Stimmt dies, was Deligöz dort erzählt oder erzählt sie nur, was man in der Türkei hören will. Man kennt dies ja auch von anderer Seite, dass auf Türkisch andere Geschichten erzählt werden als auf Deutsch. Von Deligöz hätte ich dies allerdings nicht erwartet.

    VN:F [1.4.7_740]

  2. Ekrem Senol sagt:

    Die SABAH räumt einem Interview von Deligöz Raum ein. D.h., dass die SABAH das Interview nicht geführt hat. Es handelt sich um ein dpa-Interview. Insofern hat Deligöz nicht die Türken in der Türkei angesprochen. Auch erzählt sie von ihrer eigenen Schulzeit. Anscheinend wurde die Flur getrennt. Was werfen Sie ihr nun vor?

  3. D. E. sagt:

    „Unterschreibe auch Du für Türkisch“, „Kampagne für Türksich“

    Diese DITIB + türkische Religionsministerium in Ankara sollte nicht erlaubt werden sich in sprachliche Bildungsangelegenheiten für türkischen jugendlichen an deutschen staatlichen schulen einzumischen.

    Angeblich hat der türkische Staat kein Geld für Türkischunterricht sowie türkische Lehrkräfte an staatlichen schulen in Deutschland, aber im selben Moment sind für Religionsunterricht sowie Moscheebauten usw. in EU-Ausland genügend finanzielle Mittel sowie Personal vorhanden.

    [ akil oyunlari derler buna: din dersleri türkce verilsin, ama türkce dersleri verilsin demiyorlar –
    gedankenspiele: religion soll in türkischer sprache unterrichtet werden, aber sie sprechen nicht von türkisch-unterricht.]

    Die deutschen Parteien sollte sich nicht allzu viel von den DITIB Moscheevertretern als auch vom deren DITIB-Vorstand vereinnahmen lassen. Die DITIB, darf man nicht trauen, weil diese erst recht den Türkischunterricht an deutschen schulen die komplette Abschaffung vorantreiben und stattdessen nur noch Religion (Islam) unterrichten wollen.

    Auf das Hürriyet-Artikel v. 25.05.09 (Hızlan: Edebiyat’ta ayrım olmaz) wird hingewiesen:
    http://hurriyet.de/haberler/gundem/347908/hizlan-edebiyatta-ayrim-olmaz

  4. G.Keldermann sagt:

    @ Ekrem Senol

    Hier ,zur Klärung des angesprochenen Sachverhaltes, die Stellungnahme von Frau Deligöz:

    Sehr geehrter Herr ,

    in der Tat ist es mir in den ersten Jahren meiner Schulzeit in Deutschland so ergangen. 1979 kam ich in eine türkische Klasse mit einem türkischen Lehrer. Sogar die Pausenhöfe der türkischen und deutschen Schülerinnen und Schüler waren getrennt. Die türkischen Kinder hatten lediglich drei Stunden in der Woche Deutsch. Es war also gar nicht vorgesehen, dass wir die deutsche Sprache erlernten. Ich wollte dies unbedingt und bin meinen Weg gegangen, trotz der damaligen Schulpolitik. Die getrennten Klassen wurden übrigens 1983 aufgelöst. Seitdem hat sich viel geändert, aber noch immer gibt es große Defizite bei der Förderung von Migrantenkindern im Bildungssystem. Um dies zu ändern, mache ich grüne Politik.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ekin Deligöz

    http://www.abgeordnetenwatch.de/ekin_deligoez-650-5764–f198157.html#q198157



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