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Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Studie

Türken in Deutschland werden durch deutsche Fernsehsender kaum erreicht

Im Rahmen des EU-Projekts „European Media And Cultural Studies (EMCS)“ finden an der Fachhochschule und Universität Potsdam Workshopreihen zum Thema „Mediale Darstellung von Türken in Deutschland“ statt. Die Assoc. Professorin Dr. Süheyla Schröder von der Bahcesehir Universität Istanbul, derzeit Gastdozentin an der Universität Potsdam, und Umut Karakas, Geschäftsführerin des Berliner Marktforschungsinstitut Data 4U, gehören zu den teilnehmenden Experten.

„Fernsehen spielt eine entscheidende Rolle im Leben der Türken in Deutschland, ist Brücke zur Heimat“, erläutert Umut Karakas1 die Ergebnisse ihrer Untersuchungen, „die fast 3 Millionen Türken in Deutschland schauen zumeist türkischsprachige Fernsehprogramme, die sie über Satellit oder Breitbandkabel empfangen.“ Messungen der Data 4U zeigen, dass der Marktanteil der türkischen Programme bei über 75% liegt. In den Top 10 der beliebtesten TV-Sender sind neben türkischen Programmen nur die Privatsender Super RTL (Platz 7), RTL (Platz 9) und Pro7 (Platz 10) zu finden, ARD und ZDF fehlen.

Die Darstellung von fremden Kulturen in Fernsehberichten hat einen entschiedenen Einfluss auf die Integration. Prof. Dr. Süheyla Schröder2 berichtet: „Populäre Medien tendieren dazu Vorurteile und stereotypische Bilder zu nutzen um Andere in kulturellen Kontexten darzustellen.“ Die Auswertung der Berichterstattung zeigt, Deutsche kommen in der Türkei kaum besser weg, als Türken bei uns.

Die Beachtung kultureller Unterschiede ist wichtig, um türkische Zielgruppen zu erreichen. Umut Karakas erklärt: „Emotionen sind wichtig. Vor allem Soaps und Liebensgeschichten werden gesehen. Die Sender sind bunt und bieten Entertainment pur. Die deutschen Programme dagegen sind kühl und emotionslos, wirken sachlich und distanziert.“ Einen weiterer Defizitpunkt: Nach aktuellen Untersuchungen besitzen fast 50% der Bevölkerung in Deutschland einen Migrationshintergrund, in den Medien sind es aber lediglich 5% der Journalisten.

„Es ist ein sehr wichtiges Thema im deutschen und türkischen, aber auch im europäischen, Kontext. Eine gemeinsame interdisziplinäre und multikulturelle Perspektive wird benötigt“, erklärt Prof. Dr. Süheyla Schröder, „gemeinsam mit den deutschen Universitäten wird die Bahcesehir Universität einen Ansatz finden, der den verschiedenen Kulturen helfen soll im Dialog zu bleiben, statt sich gegenseitig zu diskriminieren.“ Um die akademische Zusammenarbeit auszubauen wird die Istanbuler Bahcesehir Universität ein Büro in Berlin eröffnen.

  1. Umut Karakas ist Markt- und Meinungsforscherin spezialisiert auf ethnische Zielgruppen. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin der DATA 4U – Gesellschaft für Kommunikationsforschung mbH. Seit fast 20 Jahren erforscht das Institut die Türken in Deutschland aber auch andere Migrationsgruppen wie Polen, Russen oder die Balkan-Staaten. Mehr Informationen unter www.data4u-online.de  []
  2. Assoc. Prof. Dr. Süheyla Schröder von der Bahcesehir Universität Istanbul/Türkei lehrt als Gast-Professorin an der Universität Potsdam. Sie ist Koordinatorin des EU-Projekts „EMCS“ in Potsdam. Ihr Fachgebiet türkische Medien und kulturelle Identität. Mehr Informationen unter http://emcs.bahcesehir.edu.tr  []
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37 Kommentare
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  1. Krause sagt:

    „Emotionen sind wichtig. Vor allem Soaps und Liebensgeschichten werden gesehen. Die Sender sind bunt und bieten Entertainment pur. Die deutschen Programme dagegen sind kühl und emotionslos, wirken sachlich und distanziert.” Einen weiterer Defizitpunkt: Nach aktuellen Untersuchungen besitzen fast 50% der Bevölkerung in Deutschland einen Migrationshintergrund,“

    Dieser ganze Multi-Kulti-Kram treibt immer seltsamere Blüten. Jetzt ist es schon ein Defizit, dass die deutschen Programme sachlich und distanziert sind. Ich sehe, dass gerade als einen Vorteil an. Im übrigen 50% Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund ist dann doch etwas viel – vielleicht in 20 Jahren. Und von diesen „50%“ möchten sicher nicht alle Fernsehen alla Turca sehen.

  2. Kosmopolit sagt:

    Keine andere Gruppe von Migranten schottet sich so ab wie die der Türken:
    „Fernsehen spielt eine entscheidende Rolle im Leben der Türken in Deutschland, ist Brücke zur Heimat, erläutert Umut Karakas die Ergebnisse ihrer Untersuchungen.“

    Sind die Türken nur Gast bei uns und partizipieren von unseren sozialen und wirtschaftlichen Errungenschaften? Mein Fazit: Aufgrund religiöser und kulturellen Eigenheiten, wird sich die sogenannte Parallelgesellschaft mit der Zunahme von Moscheen und den angeschlossenen Koranschulen weiter vertiefen. So kann Integration nicht funktionieren, da diese auch nicht gewollt ist. Dafür stehen sich die Wertesysteme diamentral gegenüber.
    Ein Grund ist auch die Vorstellung, einer überlegenen Religion anzugehören. Zum Wesen des Islam gehört, dass nur ein Muslim Vollbürger in einem ihrer Staatswesen sein kann. Manifestiert wird diese Aussage, wenn man einen Blick in die islamische Welt wirft und die Religionsfreiheit anspricht.

  3. Boli sagt:

    Nun es ist schon komisch. Wenn viele Türken sich Ihrer Heimat näher fühlen, indem Sie türkisches „Fernsehen einschalten muss ich mich aber schon fragen wieso sie dann nicht einfach das volle Heimatgefühl im Herkunftsland geniessen. Es ist schizophren. Auch dieses Thema zeigt auf das es nicht einfach mal nur mit „die Deutschen wollen uns nicht“ abgetan werden kann. Und kein Mensch hat etwas dagegen, wenn man auch mal Fernsehen in der Muttersprache anschaut. NUR eben nicht ausschließlich! Mein griechischer Kumpel schaut völlig ohne irgendwelchen Emotionsduseleien mal deutsches Fernsehen und eben auch mal griechisches Fernsehen. Da gibt es kein „es ist meine patriotische Pflicht dieses oder jenes Fernsehen“ an zu sehen. Und sorry, wenn den Türken das deutsche Fernsehen zu emotionslos ist. Es gibt neben Türken auch noch 100te andere Nationen die durchaus auch andere Mentalitäten haben als die Deutsche. Und gibt es deswegen irgendwelche Berichte oder bekannte Probleme?? Kommt verdammt nochmal endlich von eurem egomanischen Roß herunter!!! Wem es hier gefällt und er konstruktiv mitwirken will, schön. Wem es nicht gefällt, soll bitte ein anderes Land als Heimat aufsuchen.

  4. Teleprompter sagt:

    „Türken in Deutschland werden durch deutsche Fernsehsender kaum erreicht“. Weil sie gar nicht „hier“ sind. Weil die Türken in Deutschland sich für die deutsche Gesellschaft nicht im geringsten interessieren. Und jetzt? ARD in türkisch? Bakschisch für ZDF-Gucken?

  5. Karl Kees sagt:

    Meine Schwester wanderte vor 40 Jahren mit ihrem deutschen Gatten nach Canada aus. Als erstes buchte sie dort einen Englisch-Sprachkurs, zuhause läuft dort nur das canadische Fernsehen und alle ihrer vier Kinder sind mit nicht-deutschstämmigen verheiratet.

    Merken Sie etwas was bei uns schiefgeht bei Selbstverständlichkeiten? Wie Gegengesellschaften bei uns etabliert sind?

  6. U.Schulte sagt:

    Ich kann dem Artikel nur zustimmen. Letztlich kann es nur darum gehen, was auch Maria Böhmer, Staatsministerin für Integration, mehrfach betont hat: Die Medien sind ein zentraler Katalysator für Integration. Es ilt, nicht nur „migrationstypische“ Themen sondern jedes Alltagsthema genauso vor dem Hintergund der Migrationserfahrung darzustellen wie aus der Sicht der „Bio-Deutschen“: Eine Rede des Innenminsters kann dirch Migrationserfahrung anders interpretiert werden als nach einer Sozialisation innerhalb einer familie, die seit 4 Generationen in Deutschland lebt.
    Ebenso wie jeder 5. Einwohner in der BRD inzwischen Migrationshintergrund hat, sollte dies auch in den Berichten sich widerspiegeln. Leider hat nur jeder 50. Journalist Migrationshintergrund.
    Deshalb hier mein Hinweis, der hierim Migazin auch schon erwähnung gefunden hat:
    Das BildungsWerk in Kreuzberg startet ein Projekt, das auf direkten Hinweis von Frau Prof. Dr. Böhmer in enger Kooperation mit hohen Vertretern der Bundes- und Landesadministrationen, der Medien und der Agentur für Arbeit in Lebens gerufen wurde.

    Die „Bikulturelle Crossmediale Fortbildung für Migranten und Migrantinnen“ hat das Ziel, der signifikanten Unterrepräsentation von Journalisten mit Migrationshintergrund entgegen zu arbeiten und ihnen die Chance zu geben, sich im Berufsbereich des Journalismus zu etablieren.
    Wir werden ein 15-monatiges Seminar durchführen, gefördert durch Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit und verschiedener weiterer Finanzierungsmöglichkeiten. 9 Monate sind für ein sehr praxisnahes Theorie- und Projektseminar geplant, 6 Monate finden als Praktikum bei unseren Partnern statt:

    Anadolu Ajansi
    Hakki Akduman

    Der Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration
    Günter Piening

    Bundesministerium für Bildung und Forschung
    Dr. Catrin Hannken

    Deutsches Institut für publizistische Bildungsarbeit
    Journalisten-Zentrum Haus Busch
    Jürgen Dörmann

    dpa
    Türkisch-deutsche Redaktion
    Ingo Bierschwale

    Hürriyet
    Ahmet Külahci

    Metropol FM
    Tamer Ergün

    Neue Deutsche Medienmacher
    Marjan Parvand
    Prof. Dr. phil. U. Pätzold

    RBB Rundfunk Berlin-Brandenburg
    Der Tagesspiegel
    Ferda Ataman, Gerd Nowakowski

    taz
    Peter Unfried

    Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer (TD-IHK)
    Holger Hey

    ZDF
    Dunja Hayali

    Demokratie-Spiegel.de
    Franziska Sylla

    Neben dem Seminar findet über die 15 Monate hinaus ein Mentorenprogramm statt, in dessen Verlauf hochrangige Vertreter aus Politik und Medien unsere Teilnehmer an die Gesellschaft und die Medienunternehmen heranführen um ihnen den nachhaltigen Einstieg in diesen Broterwerb zu gewährleisten.
    Außerdem sind die Inhalte modularisiert, so dass auch einzelne Teile gebucht werden können, sollte das Gesamtpaket individuell nicht angemessen sein.
    Als Dozenten konnten wir neben Herrn Jürgen Dörmann, Haus Busch/Hagen, Herrn Prof. Dr. Pätzold, Herrn Prof. Hagener auch Medienvertreter/innen wie Frau Dunja Hayali, ZDF-HEUTE, Frau Marjan Parvand, ARD-Tagesschau, Herrn Peter Unfried, taz, Herrn Gerd Nowakowski, Tagesspiegel, sowie andere erfahrene Personen aus der Praxis gewinnen.
    http://www.bwk-berlin.de

  7. ibo sagt:

    witzig wieder die Ansichten von einigen hier…

    Nur weil man keine dt. Sender guckt oder nur einige schottet man sich ab oder was?

    Steigt endlich von eurem hohen Ross runter und akzeptiert, dass Türken nun mal Ihre Kultur niemals vergessen.

    Wir sprechen eure Sprache, wir zahlen Steuern und wir gucken verdammt nochmal den Sender an, den wir sehen wollen.

  8. Krause sagt:

    @ IBO

    Grundsätzlich haben Sie natürlich recht. Es gibt aber einen sehr hohen Prozentsatz von Türken, die vornehmlich ihr Türkentum pflegen, sehr schlecht Deutsch sprechen, deshalb keine gute Ausbildung machen, keine Job kriegen und in der Sozialhilfe landen. Mit Verlaub, es geht mir ziemlich auf die Nerven, dass Sie und ich solche Menschen durchfüttern müssen.

    P.S. Ob diese Einstellung jetzt rechts ist oder nicht ist mir vollkommen egal.

  9. emire sagt:

    Es ist vielmehr das Problem des Deutschen Fernsehens,das Marcel Reich-Ranitzki treffend Formulierte..
    Ist es nicht genug das die GEZ die Bürger abzockt,müssen wir diese gräßlichen Programme anschauen,die den guten Geschmack arg Beuteln.

    Ich finde es ebenfalls abnorm wie das Deutsche Fernsehen schon gewisse Mitschreiber geschädigt hat.

    Es fehlt ebenfall der Satz:“Türken die kein Deutsches Fernsehen empfangen wollen ,haben in der EU nichts zu suchen.“

  10. Teleprompter sagt:

    @emire:
    „In den Top 10 der beliebtesten TV-Sender sind neben türkischen Programmen nur die Privatsender Super RTL (Platz 7), RTL (Platz 9) und Pro7 (Platz 10) zu finden, ARD und ZDF fehlen.“

    Das deutet ja nun nicht darauf hin, dass es an der Qualität liegt. Eher auf das Gegenteil.


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