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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Deutsches Schulsystem

Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz übt scharfe Kritik

Die „Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz“ des Europarates (ECRI) hat gestern ihren aktuellen Deutschlandbericht veröffentlicht. Der Europarat bezeichnet darin den Kampf gegen Rassismus in Deutschland als unzureichend. In dem Bericht wird auch das Kopftuchverbot für Lehrerinnen kritisiert.

Hauptkritikpunkt des Europarates ist die enge Auslegung des Begriffs „Rassismus“. Vor deutschen Gerichten gelte häufig nur derjenige als Rassist, der Kontakt zur rechtsextremen Szene habe, meint die Kommission. Das bestätigt auch das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR). Zur Veröffentlichung des 4. Deutschland-Berichtes der Europarats-Kommission gegen Rassismus und Intoleranz erklärt der Direktor des DIMR, Heiner Bielefeldt, dass es „hierzulande eine Tendenz besteht, den Begriff Rassismus eng – zu eng – zu fassen und im Wesentlichen mit Rechtsextremismus gleichzusetzen.“ Dass ethnische und kulturelle Minderheiten in Deutschland – abgesehen von rechtsextremistisch motivierten Attacken – alltägliche und strukturelle Formen von Diskriminierung, zum Beispiel auf dem Wohnungsmarkt, im Arbeitsleben oder innerhalb des Schulsystems erlebten, komme aufgrund der zu engen Problemdefinition nicht angemessen in den Blick.

So hätten vor allem bei regionalen Wahlen rassistische und antisemitische Ansichten und Positionen einen Zulauf erfahren. Kritisiert wird auch, dass Asylbewerber, Juden, Schwarze, Sinti und Roma und Muslime im täglichen Leben weiterhin diskriminiert und rechtsextremistische Straftaten oft nicht als solche identifiziert und verfolgt würden. Die Kommission schlägt daher vor, rassistisch motivierte Straftaten strenger zu bestrafen.

Scharfe Kritik übt die Europaratskommission gegen Rassismus auch am deutschen Schulsystem. Kinder mit Migrationshintergrund hätten deutlich geringere Chancen auf schulischen Erfolg als andere Kinder, heißt es in dem Bericht. Besonders bedenklich sei mit Blick auf das dreigliedrige Schulsystem, dass manche Lehrer muslimische Schüler diskriminierten und ihnen deshalb keine Empfehlung fürs Gymnasium gäben. Die Europakommission gibt ferner zu bedenken, dass seit dem Kopftuchverbot für Lehrerinnen in mehreren Bundesländern es für Kopftuchträgerinnen auch im Privatsektor schwieriger geworden sei, einen Arbeitsplatz zu finden. Die Verbote hätten eine Signalwirkung. Die Kommission stellt ferner fest, dass nur wenige Muslime hochrangige Positionen in den politischen Parteien innehaben und nur sehr wenige in den Bundestag gewählt bzw. als Kandidaten aufgestellt werden.

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20 Kommentare
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  1. elimu sagt:

    Tja… Rassistische Äußerungen und Diskriminierungen kommen auch oft von der Lehrerseite.
    Ich war überrascht, als meine Nichte (zur Zeit in der 8. Klasse an einer Realschule) mir einige Details aus dem Unterricht erzählt hat. Ich war sehr empört, denn von einer Vorbildsperson erwartet man doch eine andere Einstellung.
    Ich finde das unmöglich und habe daher auch meiner Schwester angeraten, mal mit diesen alteingesessenen Lehrern und Lehrerinnen ein Wörtchen zu reden. Vieles wird dann natürlich runtergespielt und „war doch nicht so gemeint“ etc…. Viele der Eltern von Migrantenkindern kann sich ja eh nicht gegen das deutsche Schulsystem wehren! Wie Schade… denn es steckt wirklich viel Potenzial in diesen Kindern.

  2. Bekir Altas sagt:

    @ Elimu

    Können Sie Ihre Aussage vielleicht etwas konkretisieren und und die Details nennen? Zu diesem Thema werden wir in Kürze einen Beitrag von Dr. Gomolla veröffentlichen. Sie hat mehrere Studien zur sogenannten institutionellen Diskriminierung im Bildungswesen durchgeführt. Die Feststellung des Problems ist jedoch nicht ausreichend. Es müssen Lösungsvorschläge und entsprechende Taten folgen. Diese wollen wir hier diskutieren. Dafür brauchen wir auch Ihre Hilfe.

    MfG

  3. Hugo (München) sagt:

    Voreingenommene (ich verwende bewusst nicht das Wort: Rassistisch!) Äußerungen seitens Lehrkräften ist durchaus kein aktuelles Problem. Darüber könnte ich mehrfach berichten. Würde hier allerdings den Rahmen sprengen. Nur soviel: Hauptproblem ist meiner Meinung nach, dass sich die Eltern des betroffenen Kindes a) nicht damit auseinandersetzen/es mangels Sprachkenntnisse nicht können, b) nach dem Motto „was der Lehrer(in) sagt und tut ist schon Richtig; du bist selbst schuld“ das eigene Kind quasi übergehen und damit vernachlässigen und c) sich mit einer minderen Ausbildung der Kinder abgefunden haben. Dies soll allerdings keine Entschuldigung für das befremdliche Verhalten einiger Lehrkräfte sein. Ein Beispiel: Die Nichte (türkisch) meiner Frau besucht die 4. Grundschulklasse und kann (wird) auf Grund ihres Notendurchschnittes nächstes Schuljahr das Gymnasium besuchen. Ihre Klassenlehrerin hat nichts unversucht gelassen um dies zu verhindern. Angefangen von nachweislich! benachteiligter Benotung über öffentliche Demütigung bishin zu Verleumdung und Unterstellungen. Mehrfache Konfrontationen und letztlich auch die Einbeziehung des Kultusministeriums hatte nur zur Folge, dass besagte Lehrkraft alles abstreitete, verdrehte und sogar versuchte den Spieß umzudrehen. So, hier kommt jetzt meine Theorie ins Spiel: Beide Eltern sind Akademiker und sprechen sehr gut deutsch und haben ein älteren Sohn, der auch das Gymnasium besucht. Nur ein Beispiel von (leider) sehr, sehr vielen…..

  4. elimu sagt:

    Ja natürlich.. Am besten wäre es sogar, wenn meine Nichte es selbst formuliert und ihre Sichtweise schildert. An diesem Wochenende werde ich sie darauf ansprechen und die nötigen Details notieren und hier im Forum darüber schreiben.

  5. Deutscher Staatsbürger sagt:

    Ihr seid keine Demokraten, denn ihr ertragt keine Meinungsfreiheit. Wir werden euch bald aus Deutschland wieder in eure Heimat schicken, da könnt ihr euren Rassismus gegen Deutsche ungestört ausleben.

  6. Non-EU-Alien sagt:

    Ich teile zwar nicht 100%ig die Meinung aller Postings hier, aber Ihr Posting ist ja schon dreist!!!

    Rassistische und antisemitische Positionen stecken Sie in die Kategorie „Meinungsfreiheit“?
    Und Sie nennen sich einen Demokraten?
    Wissen Sie, Herr Deutscher Staatsbürger, überhaupt was Demokratie ist bzw. bedeutet? –> Bestimmt nicht das, was Sie hier propagieren…

    Und was soll diese Drohung „Wir werden euch bald aus Deutschland wieder in eure Heimat schicken…“? –>Ist das die Willkommenskultur von der ich in letzter Zeit so viel höre?

    Wieso massen Sie sich nicht an, den Bericht der Europäischen Komission zu kritisieren, anstatt die Poster hier über „ihren“ Kamm zu scheren, von welchen einige so traurige Erfahrungen machen mussten? Der Bericht wird sich ja auf irgendwelche Fakten stützten, oder glauben Sie nicht?

  7. elimu sagt:

    Nehmen Sie es dem “deutschen staatsbürger“ nicht übel… Er hat warscheinlich auch viel erleiden müssen. […]
    Theoretisch gesehen, würde ich auf einen blonden bis mittelbraunen hellen Typen zwischen 17 und 25 Jahren tippen, der in seiner Kindheit oft gedemütigt und unterdrückt wurde. Sei es durch Schule, Eltern oder durch “Freunde“ […] Er liebt es auf anderen rumzuhacken und zu mobben, denn es gibt ihm ein Gefühl der Befriedigung. Solche Exemplare gibt es in Hülle und Fülle. Nichts neues in einer Gesellschaft, welches schwache Menschen besonders unter Druck setzt.

    Wie gesagt, man braucht keine Kommentare über solche Postings machen. Es ist zwecklos. Verlorene Seelen gibt es leider Gottes sehr viel in Deutschland.

  8. Hans Schneter sagt:

    „Wie gesagt, man braucht keine Kommentare über solche Postings machen. Es ist zwecklos. Verlorene Seelen gibt es leider Gottes sehr viel in Deutschland. “

    Wie wahr, wie wahr.

  9. delice sagt:

    Bundespolizei soll afrikanischen Studenten misshandelt haben

    Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,627410,00.html

  10. Johanna sagt:

    Die Schauergeschichten kennt man inzwischen.

    >Steffen Zaiser, Sprecher der Bundespolizei in Stuttgart, widerspricht B.s Darstellung in wesentlichen Punkten und sagte SPIEGEL ONLINE: „Der Student hat sich trotz mehrfacher Aufforderung geweigert, sich auszuweisen und versucht, sich der Kontrolle zu entziehen.“ An den Armen habe man ihn deshalb auf die Wache geführt. „Dort leistete er massiven Widerstand, trat und schlug um sich.“

    B. habe die Polizisten zudem als „Mörder“ bepöbelt und bespuckt. „Er musste mehrmals beruhigt und festgehalten werden“, erklärt Zaiser. Man habe Unterstützung von der Landespolizei angefordert. Insgesamt seien sechs Beamte nötig gewesen, um den Afrikaner zu bändigen. Drei davon hätten Prellungen und Kratzwunden, einer der Beamten gar eine Kapselverletzung an der Hand erlitten.

    Die Bundespolizei habe bei der Staatsanwaltschaft Heidelberg gegen den Kameruner wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte sowie Körperverletzung Anzeige erstattet.

    „Einer der Beamten soll die Fraktur verursacht haben“, sagt Zaiser. „Ich kann nicht bestätigen, dass es eine Fraktur gibt. Wir schließen aber auch nicht aus, dass es eine Verletzung in Folge des Widerstandes ist. Deshalb wird der Vorfall derzeit intern untersucht.“<

    Warten wir also die Untersuchung ab.

    Ich musste einmal zwischen einem total aggressiven Afrikaner und einem Schaffner der DB vermitteln, der behaupte, der Schaffner hätte ihn einen „Nigger“ genannt, was natürlich nicht stimmte. Erwollte lediglich seinen Fahrschein sehen, den er aber nicht vorweisen konnte.

    Jede dieser angeblichen Übergriffe von deutschen Stellen nehme ich immer mit einer Prise Salz.


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