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Migration und Integration in Deutschland

Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Studie

Jeder dritte türkische Akademiker sieht seine Zukunft in der Türkei

Türkische Akademiker fühlen sich in Deutschland zu Hause, doch trotzdem will jeder dritte nach dem Studium lieber in der Türkei arbeiten, so eine neue Studie. Grund: Sie fühlen sich nicht richtig anerkannt.

Aus einer Untersuchung des Instituts futureorg, die von der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung präsentiert wurde, geht hervor, dass 36 Prozent der jungen türkischstämmigen Akademiker ihre Zukunft in die Türkei sehen und nicht in Deutschland. 41 Prozent von ihnen geben als Grund ein fehlendes Heimatgefühl in Deutschland an. Diese Begründung geben insbesondere männliche Befragte an, deren Eltern die deutsche Sprache nicht beherrschen.

Bei den weiblichen Jungakademikern und Studierenden stehen berufliche Gründe im Vordergrund. Sie versprechen sich auf dem Arbeitsmarkt in der Türkei größere Chancen als in Deutschland.

Die Türkei bietet gute Aussichten in vielerlei Hinsicht: Aufgrund der Mehrsprachigkeit sind die Chancen auf einen Arbeitsplatz größer. Auch dürften die mehr als 2000 Niederlassungen deutscher Firmen in der Türkei den Sprung angenehm überleiten. Schließlich – kein unwesentlicher Faktor, wie die Studie ebenfalls offen legt – können Türken das bedrückende Gefühl der Benachteiligung und die damit verbundene Unsicherheit ablegen.

Denn viele Akademiker mit türkischem Migrationshintergrund fühlen sich in Deutschland wegen ihrer Abstammung zurückgewiesen. Nicht ohne Grund: Das Zentrum für Türkeistudien hat identische Bewerbungen an Unternehmen geschickt – mit türkischem und mit deutschem Namen. Das Ergebnis: Bewerber mit deutschem Namen wurden zehnmal häufiger zum Vorstellungsgespräch eingeladen als diejenigen mit türkischem Namen.

Einer Schätzung des Zentrums für Türkeistudien nach liegt die Arbeitslosenquote unter türkischstämmigen Akademikern hierzulande dreimal so hoch wie bei originär deutschen Akademikern.

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47 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. AB sagt:

    @ Johanna

    Ich glaube, wir reden über zwei verschiedene Dinge. Vielleicht sollten wir erst mal klären, was
    “You can’t have the cake and eat it, too!”

    bedeutet: Man kann nicht alles haben.

    Und meine Frage war: Warum sollte es nicht möglich sein, dass man als Deutsch-Türkin in Deutschland „in Ruhe“ seinen Wegen geht. Ich würde gerne in D leben, aber das ist nicht einfach.

    Ich habe keine Probleme mit Deutschland, aber ich bin es allmählich nach 30+ Jahren Leid, immer ausgegrenzt und in irgendwelche Schubladen geschoben zu werden, bevor man mich kennt.

    „Außerdem muss ich nicht jeden Menschen mögen.“
    Was ist denn das für ein Kommentar? Ist dies differenziertes Diskutieren? Es verlangt auch niemand, dass Sie jeden Menschen mögen, aber wenn das Nicht-Mögen darauf basiert, dass der andere ein Ausländer ist, dann ist das traurig.

    Es geht hier in dieser Diskussion darum, dass Bewerber mit türkischen Namen es schwieriger haben, einen Job zu landen.

    Wenn Deutschland für Erwachsene ist, dann sollten sich die Deutschen auch erwachsen benehmen. Es sei denn, man benimmt sich als Erwachsener so.

    „Nach Deutschland hingegen kamen Arbeiter. Die Nähe Deutschlands zur Türkei lässt auf ewig zwei Herzen in der Brust eines Türken oder Deutschen türkischer Abstammung schlagen, während Amerika weit weg ist. Von dort fliegt man nicht mal “eben so” in die Türkei.“

    Sie überschätzen die Affinität zur Türkei der in Deutschland geborenen Türken. Ich möchte ja gar nicht in die TR, sondern mich in meiner Heimat Deutschland niederlassen. Ich möchte hier in Ruhe leben können, ich möchte nicht ständig ausgegrenzt werden. Warum muss man mir ständig vorhalten, ich sei Türkin? (Wenn Sie jetzt glauben, ich würde Kopftuch tragen, hätte traditionelle Ansichten, würde kein Schweinefleisch essen und kein Alkohol trinken etc., was einen gewissen „Gegenwind“ verursachen würde, dann irren Sie sich.)

    Ich möchte, dass mir eine Chance gibt. Ich bin in die USA, weil ich hier keinen Job gekriegt habe.

    „Vielleicht sollte ein Jeder einmal in sich gehen, der sich laufend über Deutschland beschwert, und sich fragen, ob es vielleicht an ihr/ihm selbst liegt, wenn er auf Gegenwind stößt.“
    Warum jetzt dieser Kommentar? Ich kriege Gegenwind bei den Bewerbungen, weil mein Name türkisch ist. Ich habe gar nicht die Möglichkeit, mich unbeliebt zu machen!

    Vielleicht sollten Sie sich ja mal die Ansichten der ausgewanderten Deutschen über Deutschland hören.

    PS Was die Sozialleistungen betrifft, die bringen mir gar nichts, da ich keine kriege, weil ich die letzten Jahre in den USA gearbeitet habe. Sehr viele deutsche Naturwissenschaftler gehen in die USA, weil sie hier in D nicht die Chancen haben.

  2. AB sagt:

    @ Daniel Lee

    Danke für die Info.

    „Das Konzept der nationalen Identität gilt mit Sicherheit nicht nur für Deutschland. Europäer (auch Türken ;-)), Afrikaner oder Amerikaner hätten beispielsweise in Korea dieselben Probleme bzw. Hürden zu bewältigen.“

    Ihre Beispiele mögen richtig sein, aber es geht hier nicht um Ausländer, die zugezogen sind, sondern um in Deutschland Geborene. (In den USA bin ich ein „legal alien“. 🙂 ) Wenn man in D geboren ist, warum gilt man nach 40-50 Jahren immer noch als Migrant? Von wo bin ich migriert? Warum soll Türkei meine Heimat sein und Türkisch, das ich kaum spreche (und auch noch mit Akzent), meine Muttersprache?
    (Übrigens, Sie hätten es in den USA weitaus einfacher.)

    „5. Vielen Unternehmen sind die Inhalte des AGG nicht bekannt. Auch der politische Druck scheint mir in diesem Punkt nicht sehr hoch zu sein.
    Leider kennen viele Betroffene das AGG ebenfalls nicht.“

    Da ist wohl Nachholbedarf.

    Vielen Dank.

    Gruß
    ab

  3. Johanna sagt:

    >Und meine Frage war: Warum sollte es nicht möglich sein, dass man als Deutsch-Türkin in Deutschland “in Ruhe” seinen Wegen geht. Ich würde gerne in D leben, aber das ist nicht einfach.“Außerdem muss ich nicht jeden Menschen mögen.”
    Was ist denn das für ein Kommentar? Ist dies differenziertes Diskutieren? Es verlangt auch niemand, dass Sie jeden Menschen mögen, aber wenn das Nicht-Mögen darauf basiert, dass der andere ein Ausländer ist, dann ist das traurig.Es geht hier in dieser Diskussion darum, dass Bewerber mit türkischen Namen es schwieriger haben, einen Job zu landen.Wenn Deutschland für Erwachsene ist, dann sollten sich die Deutschen auch erwachsen benehmen. Es sei denn, man benimmt sich als Erwachsener so.Sie überschätzen die Affinität zur Türkei der in Deutschland geborenen Türken. Ich möchte ja gar nicht in die TR, sondern mich in meiner Heimat Deutschland niederlassen. Ich möchte hier in Ruhe leben können, ich möchte nicht ständig ausgegrenzt werden. Warum muss man mir ständig vorhalten, ich sei Türkin? (Wenn Sie jetzt glauben, ich würde Kopftuch tragen, hätte traditionelle Ansichten, würde kein Schweinefleisch essen und kein Alkohol trinken etc., was einen gewissen “Gegenwind” verursachen würde, dann irren Sie sich.)Ich möchte, dass mir eine Chance gibt. Ich bin in die USA, weil ich hier keinen Job gekriegt habe.Ich kriege Gegenwind bei den Bewerbungen, weil mein Name türkisch ist. Ich habe gar nicht die Möglichkeit, mich unbeliebt zu machen!Vielleicht sollten Sie sich ja mal die Ansichten der ausgewanderten Deutschen über Deutschland hören.PS Was die Sozialleistungen betrifft, die bringen mir gar nichts, da ich keine kriege, weil ich die letzten Jahre in den USA gearbeitet habe. Sehr viele deutsche Naturwissenschaftler gehen in die USA, weil sie hier in D nicht die Chancen haben.< Ja, in Ihrem Fall verstehe ich das. Ich konnte auch nie welche in Deutschland in Anspruch nehmen, außer als ich kurz vor dem Renteneinstieg arbeitslos wurde. PS: Ich höre oft Klagen von Türken darüber, dass sich Deutsche erkundigen, wie lange sie schon in Deutschland leben usw. Das ist doch nett gemeint und zeugt von Interesse an den Personen. Mir erging es in den USA und Japan nicht anders. Durch meine Größe (176 cm) wurde ich in Japan wie das 8. Weltwunder angestarrt;) Ach ja, mein Zahnarzt ist übrigens Vietnamese - ich nehme jedoch an, dass er inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit hat. Natürlich war ich erstmal überrascht ihn zu sehen und fragte ihn, woher seine Eltern kämen usw. Das ist ***freundlich und interessiert*** gemeint! Meine Freunde leben in aller Herren Länder, und mir liegt nichts ferner als ein Schubladendenken. Was mir jedoch so "enorm auf den Geist geht", ist das generelle Gejammer und Klagen von vielen Türken, wie benachteiligt sie doch seien. Wie oft habe ich schon gelesen: "Deutsche Staatsbürgerschaft um der Vorteile willen annehmen, aber sich ja rückversichern, dass man jederzeit in die Türkei kann".

  4. AB sagt:

    @ Johanna
    „Was mir jedoch so “enorm auf den Geist geht”, ist das generelle Gejammer und Klagen von vielen Türken, wie benachteiligt sie doch seien. Wie oft habe ich schon gelesen: “Deutsche Staatsbürgerschaft um der Vorteile willen annehmen, aber sich ja rückversichern, dass man jederzeit in die Türkei kann”. “

    Das machen nicht nur die Türken. Wenn Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft erlauben würde, hätten meine deutschen Freunde in den USA diese längst beantragt.

    Einige haben die amerikanische angekommen und durften die deutsche behalten, das geht in einigen Fällen.

    Die Kinder wurden auf die deutschen Schulen geschickt. Zu Hause musste Deutsch gesprochen werden. Einige hatten auch eine Satellitenschüssel auf ihrem Dach, um deutsche Sender empfangen zu können. Einige beklagten sich nur über Amerika; und eine meinte, sie wolle nicht, dass ihre Kinder amerikanisch werden würden (was immer auch das bedeutet). Einige sehnten sich wieder nach ihrer Familie, und einigen gefielen die Staaten.

    Diese „Rückversicherung“ würde jeder machen, wenn er/sie könnte, nicht nur die Türken. Es ist eben eine unsichere Situation für die Türken.

    Nun denn. Ich verabschiede mich an dieser Stelle, weil es wohl so aussieht, dass ich wieder in die USA gehe, diesemal für immer (dies ist bereits mein 2. Anlauf, mich hier wieder niederzulassen, und man sollte den gleichen Fehler nicht dreimal machen 🙂 ).

    Noch frohes (hoffentlich differenziertes) Diskutieren.

  5. Klaus sagt:

    Man kann niemanden zwingen hier zu bleiben. Das ist natürlich eine fatale Entwicklung, wenn die gut ausgebildeten auswandern, und die Schulversager hierbleiben. Umgekehrt könnte man sich damit abfinden.

  6. Daniel Lee sagt:

    @AB
    Nun, auch wenn Ausländer in Korea geboren werden, so befürchte ich, werden diese Menschen trotzdem als Nicht-Koreaner betrachtet. Dies würde sich erst ändern, würde sich Korea bzw. würden sich die Koreaner selbst als Einwanderungsland sehen.

    „Wenn man in D geboren ist, warum gilt man nach 40-50 Jahren immer noch als Migrant? Von wo bin ich migriert?“

    Das sind sehr gute Fragen. Das Problem ist doch folgendes: Spricht man von einem Deutschen, denkt man doch automatisch an einen Mitteleuropäer. Wenn man mich sieht, würde man doch nie auf die Idee kommen, ich sei ein Deutscher. Weder die Deutschen, noch die anderen Migranten, noch die Koreaner selbst.
    Man kann mich allein vom Äußeren nicht von einem Koreaner unterscheiden, der hier auf Geschäftsreise ist oder von einem Studenten, der nur wegen dem Studium nach Deutschland gekommen ist.

    Ich bin in der Tat hier in Deutschland geboren. Also bin ich selbst natürlich nicht aus dem Ausland eingewandert. Aber aufgrund meiner „Hautfarbe“ trage ich das Erbe meiner Eltern solange mit mir rum, bis die „Hautfarbe“ als Merkmal der Andersartigkeit keine Rolle mehr spielt.

    „Übrigens, Sie hätten es in den USA weitaus einfacher.“

    Als „Asiate“ habe ich es hier wesentlich leichter als beispielsweise ein türkischstämmiger Migrant, sagt mir mein Gefühl. 😉

  7. guest sagt:

    ‚Die AKP hat das ganze System infiltriert, sie geht gegen Regimekritiker vehement vor. Anstatt, dass sich die Regierung um die Wirtschaft kümmert, kümmert sie sich um das Kopftuchthema, das eigentlich ad acta ist.‘

    Als Geisteswissenschaftlerin solltest Du auch in Deinem Bereich bleiben und nicht ueber Wirtschaft sprechen. Seitdem die AKP an der Macht ist hat sich die Wirtschaft mehr als gut entwickelt.

  8. Johanna sagt:

    @AB

    >Nun denn. Ich verabschiede mich an dieser Stelle, weil es wohl so aussieht, dass ich wieder in die USA gehe, diesemal für immer <

    Viel Glück!

    Kürzlich wurde in der englischen Ausgabe der „Hürriyet“ über eine Umfrage unter jungen Türken berichtet. Die meisten von ihnen wollen „nichts wie weg“ (aus der Türkei).

    Leider kann ich den Link nicht mehr finden.

  9. HL sagt:

    Die türkischen Studenten sollten nach der erworbenen Qualifikationen und abgeschlossenem Studium wieder in ihre Heimat zurückkehren. Mit dem in Deutschland erworbenen Know-how werden diese Menschen dann zum weiteren Aufbau der Türkei effektiv beitragen.
    Kein Türke, kein Ausländer hat das arrogante Gehabe von so manchen Deutschen nötig.
    Die Türkei braucht solide Wissenschaftler und Akademiker und davon haben wir unter den türkisch Stämmigen Studenten genug.

  10. Krause sagt:

    @ Johanna

    „Kürzlich wurde in der englischen Ausgabe der “Hürriyet” über eine Umfrage unter jungen Türken berichtet. Die meisten von ihnen wollen “nichts wie weg” (aus der Türkei).“

    Merkwürdig, wenn manche Kommentare liest, hat man den Eindruck die Türkei sei das gelobte Land. Kann es sein, dass die Türken – ähnlich wie die Deutsche – ein Jammergen haben. Dies würde auch erklären, dass wir uns nicht verstehen – weil – zumindest teilweise – zu ähnlich.


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