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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

SPD

„Gemeinsam, nicht getrennt“

Kurz vor der Entscheidung des Senats, an welchem Termin der Volksentscheid zum Wahlpflichtfach Ethik/Religion stattfinden wird, verschärft sich die Auseinandersetzung. Der SPD-Parteichef Michael Müller stellt das Plakat „Gemeinsam, nicht getrennt“ vor. In den nächsten Tagen sollen weitere kleinere Plakaten in den Geschäftsstellen der SPD ausgehängt werden. Der Plakat, soll eine sachliche Information betonen und der erste inhaltliche Aufschlag in der öffentlichen Auseinandersetzung werden.

Müller weist darauf hin, dass der Ethik-Unterricht ein Mehr an Werteerziehung bedeutet und der Ethik-Unterricht ein zusätzliches Angebot sein soll. Der Religionsunterricht, sei in Berlin seit Jahrzehnten bekannt und wird keineswegs abgeschafft. Als Ergänzung solle Ethik hinzugekommen. Warum man in Berlin einen verbindlichen Ethikunterricht brauche, begrüdet der Fraktionsvorsitzender mit Toleranz Gewaltfreiheit, Gleichberechtigung und Demokratie.

„Berlin ist eine internationale Stadt. Das spiegelt sich auch in unseren Schulen wider. Die Berliner Schülerinnen und Schüler sind unterschiedlicher Herkunft, sind von verschiedenen Traditionen und Religionen geprägt. Angesichts dieser Vielfältigkeit ist es entscheidend, dass sie Gelegenheit haben, miteinander ihre religiösen und weltanschaulichen Vorstellungen zu diskutieren, Unterschiede kennen zu lernen, aber vor allem auch gemeinsame Werte festzustellen“ sagte Müller.

Der Fraktionsvorsitzender führt weiter aus, dass die Rot-Rote Koalition zum Schuljahr 2006/2007 das Fach Ethik ab der 7. Klasse eingeführt habe und die Praxis der ersten beiden Jahren vielversprechend gewesen seien und als Erfolg gewertet werden können. Ein Virtel von den Berliner Oberschülern hätten im letzen Jahr am Religions- oder Weltanschauungsunterricht teilgenommen.

Der SPD Fraktionsvorsitzender lehne das Volksbegehren ab, weil beim Wahlpflichtfach die Kinder individuell entscheiden müssten, ob sie getrennt voneinander Ethik, evangelischen, katholischen, islamischen oder jüdischen Religionsunterricht besuchen. Dies sei aber in der Metropole Berlin nicht der richtige weg. „Gerade bei diesem so wichtigen Unterricht sollten wir die Schülerinnen und Schüler nicht nach Religionszugehörigkeit separieren und die Klasse spalten. Nein, nicht Moslems für sich, Christen für sich, Juden für sich – nicht jeder für sich allein. Gemeinsam muss die Auseinandersetzung erfolgen über die Grundüberzeugungen und Werte, die unsere Gesellschaft überhaupt zusammenhalten. Ich meine damit Werte wie Toleranz, Gewaltfreiheit, Gleichberechtigung und Solidarität. Unser aller Ziel sollte sein, dass alle jungen Menschen mit einem ausgeprägten demokratischen Grundverständnis und dem Respekt vor anderen Weltanschauungen die Schule verlassen“.

Die SPD habe bereits bei Einführung des Ethikunterrichts in den Oberschulen eine enge Kooperation mit den Angeboten der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gefordert und unterstützt. „Wir begrüßen das Engagement insbesondere der evangelischen Kirche in diesem Bereich und wollen die Kooperationen weiter ausbauen. Aus unserer Sicht ist dies der richtige Weg, einen gemeinsamen Werteunterricht aller Schülerinnen und Schüler durch die wichtigen Beiträge der Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften zu bereichern“.

Nach Müller soll Ethikunterricht die Integration fördern und nicht als ein Beginn eines Kulturkampfes gesehen werden. Bei diesem Unterricht ging es gerade darum, dass sich Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen kulturellen Hintergründen untereinander austauschen und miteinander reden und nicht übereinander. Es sei auch ein wichtiges Anligen, dass man Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften in den Ethikunterricht einbezieht.

Dadurch könne man eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung fördern, die perspektivisch die Voraussetzung für ein friedliches Miteinander sei. In Berlin gäbe es Schulen, in denen die große Merheit islamischen Glauben sei. Die Schule soll die Aufgabe haben, diese Schülerinnen und Schüler auch über den christlichen oder jüdischen Galuben zu informieren. Es sei auch wichtig, dass Katholiken und Protestanten mehr über die anderen in der Stadt vertretenen Religionen erfahren.

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