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Immer mehr ausländische Pfleger in Deutschland (Symbolfoto)

Werben um Akzeptanz

Bundesländer suchen Fachkräfte in Indien und Zentralasien

Brandenburg setzt bereits indische Pflegekräfte ein, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern planen Kooperationen in Indien und Zentralasien. Der Fachkräftemangel trifft aber auf eine politische und gesellschaftliche Stimmung, die internationale Arbeitskräfte abschrecken kann. Minister wirbt um Akzeptanz.

Mittwoch, 01.07.2026, 13:10 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 01.07.2026, 13:10 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Mehrere Bundesländer suchen ihre Fachkräfte längst nicht mehr nur im Inland. Mecklenburg-Vorpommern blickt nach Usbekistan und Kirgisistan, Thüringen nach Indien und Brandenburg setzt indische Pflegekräfte bereits ein. Der Grund ist überall derselbe: Der Arbeitsmarkt altert schneller, als Nachwuchs nachrückt.

Besonders deutlich wird das in Pflege, Gesundheitswesen und im Handwerk. In mehreren Ländern gehen in den nächsten Jahren zehntausende Beschäftigte in den Ruhestand. Zugleich wächst der Bedarf an Pfleger, Betreuer und qualifizierten Arbeitern. Die Länder reagieren darauf mit Kooperationen und Pilotprojekten.

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MV sucht in Usbekistan und Kirgisistan

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts-Staatssekretär Jochen Schulte reist deshalb in diesen Tagen nach Usbekistan und Kirgisistan. Die Landesregierung will dort Möglichkeiten zur Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften ausloten. Vorgesehen sind nach Angaben des Wirtschaftsministeriums Gespräche mit Regierungsvertretern, Bildungseinrichtungen und Wirtschaftsvertretern.

„Die Sicherung von Arbeits- und Fachkräften ist eine der zentralen Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes“, erklärte der SPD-Politiker. „Neben der Aktivierung eigener Potenziale brauchen wir dafür auch internationale Kooperationen.“

Dabei soll es nach Angaben des Ministeriums nicht um schnelle Lösungen gehen, sondern um tragfähige Strukturen. Thema der Gespräche sind unter anderem Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einwanderung zu Erwerbszwecken. Dazu gehören Sprachkenntnisse, Qualifizierung, die Zusammenarbeit mit Bildungsträgern und die enge Einbindung von Unternehmen sowie wirtschaftsnahen Organisationen.

Thüringen setzt auf Zusammenarbeit mit Indien

Auch Thüringen richtet den Blick ins Ausland. Wenige Tage nach einer Indien-Reise von Regierungsvertretern gab es in Thüringen einen Gegenbesuch von Vertretern der zentralen indischen Organisation zur Förderung beruflicher Qualifizierung und Fachkräfteentwicklung. Nach Angaben des Arbeitsministeriums sollen erste Vereinbarungen zur Zusammenarbeit bei Ausbildung und Fachkräftegewinnung vorbereitet werden.

Es gehe darum, die nächsten konkreten Schritte zu vereinbaren, sagte Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD). Ziel sei es, Fachkräfte für Thüringen zu gewinnen und ihnen zugleich faire Perspektiven für Ausbildung, Arbeit und langfristige Integration zu bieten.

Im Mittelpunkt stehen vor allem das Thüringer Gesundheitswesen und das Handwerk. Eine Interessenbekundung wurde nach Angaben des Ministeriums mit der Arbeiterwohlfahrt geschlossen. Auch mit Vertretern des Handwerks gab es Gespräche. Bei einem Rundgang durch ein Berufsbildungszentrum erhielten die Gäste Einblicke in Ausbildungs- und Werkstattstrukturen sowie in die praktische Qualifizierung im Thüringer Handwerk.

In Thüringen gehen in den kommenden Jahren zehntausende Arbeitnehmer in den Ruhestand. Nach Prognosen können die offenen Stellen nicht allein durch Nachwuchs aus Thüringen und Deutschland besetzt werden.

Indische Pfleger bereits in Brandenburg

In Brandenburg ist aus der Suche nach Fachkräften bereits ein konkretes Projekt geworden. Gesundheitsminister René Wilke (SPD) begrüßte schon Ende Mai in Schwielowsee im Landkreis Potsdam-Mittelmark fünf qualifizierte Pflegekräfte aus Indien. Die Frauen sollen helfen, die Pflegelücke im Land zu schließen.

Brandenburg steht dabei besonders unter Druck. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 65 Jahre alt. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt von Jahr zu Jahr. Gleichzeitig erreichen immer mehr Beschäftigte in der Pflege das Rentenalter. Auch dort könne der Bedarf perspektivisch nicht mehr allein aus dem eigenen Nachwuchs gedeckt werden.

Die fünf Frauen wurden aus 22 Bewerberinnen für das Pilotprojekt „German Nursing Certificate“ ausgewählt. Sie haben ein Pflege-Zertifikat erworben und erfüllen damit die Berufsanforderungen, um als qualifizierte Altenpflegehelferinnen eingesetzt werden zu können. In 120 Stunden glichen sie Unterschiede zur indischen Altenpflegehilfeausbildung aus. Zudem wurden ihnen Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 vermittelt.

Minister wirbt um Akzeptanz

Entscheidend wird nach Einschätzung von Minister Wilke nicht nur sein, Menschen zu gewinnen, sondern auch, ob sie bleiben wollen. Dafür brauche es Engagement auf beiden Seiten. Die Offenheit der Menschen, die nach Deutschland kommen, sei ein wichtiger Punkt. „Und auch eine Bereitschaft von der Gesellschaft hier, das zuzulassen und anzunehmen, ist sicherlich ein Faktor.“

Hier stehen insbesondere ostdeutsche Bundesländer vor einem gemeinsamen Problem: Sie werben um Menschen aus dem Ausland in einem politischen und gesellschaftlichen Umfeld, in dem die AfD vielerorts hohe Umfragewerte erzielt und ausländerfeindliche Einstellungen weiterhin stärker verbreitet sind als im Westen.

Studien und Erfahrungsberichte zeigen, dass Rassismus, fehlende Willkommenskultur und Diskriminierung am Arbeitsplatz Menschen davon abhalten können, nach Deutschland zu kommen – oder sie dazu bewegen, das Land wieder zu verlassen. Besonders deutlich wird das in Berufen mit engem Kontakt zu Menschen, etwa in der Pflege, wo international angeworbene Fachkräfte immer wieder von rassistischen Erfahrungen berichten. (dpa/mig) Aktuell Panorama

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