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Frau und Jugendlicher gehen in eine Synagoge (Symbolfoto) © KI-generiert

Antisemitismus

Umfrage: Jüdische Gemeinden fühlen sich Unsicher

68 Prozent der jüdischen Gemeinden nehmen Deutschland als unsicherer wahr. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor. Der bitterste Befund liegt im Alltag: Wer Davidstern oder Kippa verbirgt, schafft sich Schutz durch Unsichtbarkeit.

Sonntag, 03.05.2026, 13:35 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 03.05.2026, 13:35 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Mehr als zwei Drittel der jüdischen Gemeinden nehmen Deutschland seit dem Angriff der Hamas auf Israel und dem anschließenden Krieg Israels im Gazastreifen als unsicherer wahr und viele vermissen dabei die Solidarität der Mehrheitsbevölkerung. Das ist ein Ergebnis einer inzwischen dritten Befragung der Gemeinden durch den Zentralrat der Juden in Deutschland, die am Freitag veröffentlicht wurde.

68 Prozent der befragten Führungspersonen aus Gemeinden gab dabei an, Deutschland sei seit dem Krieg in Gaza unsicherer geworden. Nur gut ein Drittel (35 Prozent) von ihnen nimmt in der angespannten Lage Unterstützung aus der Zivilgesellschaft wahr. Beobachter führen das auch auf den umstrittenen Krieg im Gazastreifen zurück, wo zehntausende Zivilisten durch israelische Bomben getötet wurden. Menschen würden das Geschehen im Nahen Osten oder die Politik der rechten israelischen Regierung auf das Leben in Deutschland projizieren.

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Das zeigt sich auch in den Zahlen. Bei der Erhebung vor rund einem Jahr waren das noch 39 Prozent, bei der Befragung unmittelbar nach dem Hamas-Angriff sogar 62 Prozent. Die damalige Unterstützung sei spürbar geschwunden, hieß es. „Wo mehr Zivilcourage nötig wäre, sehen wir einen Rückgang“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster.

Schuster: Gefühl der Gefahr führt zu Verdrängung aus Öffentlichkeit

Den Umgang der Sicherheitsbehörden mit der Lage bewerten die jüdischen Gemeinden indes positiv: 91 Prozent sind der Umfrage zufolge zufrieden mit der Zusammenarbeit mit der Polizei. An der Umfrage beteiligten sich den Angaben zufolge 102 jüdische Gemeinden. Befragt wurden sie im März dieses Jahres.

Das Unsicherheitsgefühl von Jüdinnen und Juden bleibt mit 68 Prozent auf einem hohen Niveau, ist aber im Vergleich zum vergangenen Jahr gesunken. Damals sagten 82 Prozent der Befragten, Deutschland sei für Jüdinnen und Juden unsicherer geworden. Der Zentralrat erklärt den Befund damit, dass viele Jüdinnen und Juden mit dem Rückzug aus dem öffentlichen Raum für sich ein subjektives Sicherheitsempfinden geschaffen haben.

Zentralratspräsident Josef Schuster sagte, diese „Anpassung“ der Gemeinden und ihrer Mitglieder an eine „neue Normalität“ führe zu einer Verdrängung jüdischen Lebens aus dem öffentlichen Raum. „Jüdische Symbole werden versteckt und die eigene Identität verheimlicht, gerade bei Kindern und Jugendlichen“, sagte er.

Iran-Krieg verschlechtert Sicherheitslage

Die Umfrage zeigt auch, dass Konflikte im Nahen Osten, wie der jüngste Krieg gegen den Iran, das Sicherheitsgefühl der Gemeinden verschlechtern – 62 Prozent der Befragten empfanden das so. Nur eine Minderheit (18 Prozent) findet dagegen, dass sich Entspannungen wie der im Oktober vereinbarte Waffenstillstand in Gaza positiv auf das Sicherheitsgefühl hierzulande auswirken. Dies zeige, dass der Krieg im Nahen Osten „immer nur ein Vorwand, niemals ein Grund für antisemitische Übergriffe und Hetze in Deutschland“ gewesen sei, sagte Schuster.

Das Sicherheitsempfinden führt der Umfrage zufolge bei Jüdinnen und Juden auch zu einem pessimistischen Blick in die Zukunft. Gefragt nach der Perspektive für jüdisches Leben in Deutschland sind nur zwölf Prozent „eher“, ein Prozent „sehr“ optimistisch. Bei einem Blick auf den eigenen Wohnort fällt die Prognose etwas positiver aus: 24 Prozent sind hier grundsätzlich optimistisch. (epd/mig) Aktuell Gesellschaft

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