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Das Seenotrettungsschiff "SOS Humanity 1"

Mittelmeer

Bundesregierung treibt Seenotrettung in Finanznot

Mehr als tausend Tote oder Vermisste, keine staatliche Rettungsmission und nun auch noch Geldnot bei SOS Humanity: Dass Hilfe im Mittelmeer ins Wanken gerät, ist nicht bloß Pech – sondern Ergebnis politischer Entscheidungen.

Mittwoch, 22.04.2026, 14:15 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 22.04.2026, 14:15 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Seenotrettungsorganisation SOS Humanity sieht ihre Einsätze im Mittelmeer wegen Finanznot in Gefahr. Eine wachsende Finanzierungslücke setze die Rettungsaktivitäten zunehmend unter Druck, erklärte die Organisation am Mittwoch in Berlin. Der Betrieb des Rettungsschiffs „Humanity 1“ sei für die zweite Jahreshälfte nicht abgesichert. Hintergrund seien unter anderem die Streichung öffentlicher Mittel in Höhe von 785.000 Euro sowie deutlich gestiegene Einsatzkosten.

„Unsere Rettungseinsätze stehen auf der Kippe“, erklärte Geschäftsführer Till Rummenhohl. Ein Ende „wäre angesichts von bereits über eintausend Toten im Mittelmeer in diesem Jahr eine Katastrophe“. Falle die zivile Seenotrettung weg, würden noch deutlich mehr Menschen ertrinken. „Das ist kein unumgängliches Schicksal, sondern eine konkrete Folge politischer Entscheidungen“, betonte Rummenhohl. SOS Humanity, 2015 in Berlin gegründet, hat in den vergangenen zehn Jahren nach eigenen Angaben fast 40.000 Menschen im zentralen Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet.

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Bundesregierung nicht unbeteiligt an der Finanznot

Nach Angaben von SOS Humanity beläuft sich die Finanzierungslücke auf rund 2 Millionen Euro und ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: „Die neue Bundesregierung hat im vergangenen Jahr die vom Deutschen Bundestag beschlossene Unterstützung für zwei Jahre gestrichen. Gleichzeitig reduzieren allgemeine Preissteigerungen die Spendeneinnahmen, während operative Kosten – insbesondere für Treibstoff, zuletzt auch durch den Krieg im Iran – deutlich gestiegen sind. Zudem mussten Partnerorganisationen Fördersummen reduzieren“, heißt es in einer Erklärung von SOS Humanity.

Auch die Behinderungspolitik der italienischen Regierung belastet laut der zivilen Seenotrettungsorganisation ihre Finanzen. Seitdem die ultrarechte Regierung von Giorgia Meloni im Amt sei, werde den Schiffen der Nichtregierungsorganisationen weit im Norden gelegene Häfen für die Ausschiffung der aus Seenot Geretteten zugewiesen, was den Treibstoffverbrauch um ein Vielfaches erhöhe.

Schon über 1.000 Tote und Vermisste in diesem Jahr

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Geflüchtete und Migranten stechen in häufig nicht seetauglichen Booten aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen und Tunesien in See in der Hoffnung, Europa zu erreichen. Eine staatlich organisierte Rettungsmission gibt es nicht. Lediglich die Schiffe privater Seenotretter halten Ausschau nach in Not geratenen Menschen.

Seit Beginn des Jahres wurden laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits mehr als 1.000 Tote oder Vermisste bei Versuchen, das Mittelmeer zu überqueren, gemeldet. Mit Blick auf den Jahresanfang war es laut IOM in diesem Jahr die höchste Opferzahl seit 2014. Seit 2014 wurden – bei vermutlich hoher Dunkelziffer – insgesamt mehr als 34.700 Tote und Vermisste im Mittelmeer gemeldet. (epd/mig) Aktuell Panorama

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