
Rassismus an Schulen
Bildungsforscher: Lehrkräfte sollen konsequent eingreifen
Beleidigt wegen der Hautfarbe, geschmäht wegen der Herkunft: Auf deutschen Schulhöfen sind Jugendliche einer Vielzahl an Diskriminierungen ausgesetzt. Bildungsforscher Eric Angermann ruft die Lehrkräfte auf, konsequent dagegen einzuschreiten.
Von Michael Grau Montag, 13.04.2026, 12:57 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 13.04.2026, 12:57 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Der Potsdamer Bildungsforscher Eric Angermann hat die Lehrkräfte an Schulen dazu aufgefordert, aktiv einzuschreiten, wenn Kinder oder Jugendliche dort von anderen rassistisch oder sexistisch diskriminiert oder beleidigt werden. „Lehrkräfte müssen Haltung zeigen, sie dürfen so etwas nicht ignorieren“, sagte er dem „Evangelischen Pressedienst“ am Rande einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg zum Extremismus an Schulen: „Sie haben die berufliche Pflicht dazu, denn sie haben auf das Grundgesetz geschworen.“
Lehrerinnen und Lehrer müssten deutlich machen, dass es beim Verhalten an den Schulen auch Grenzen gebe, sagte der Bildungsforscher. Grundsätzlich müssten alle Schülerinnen und Schüler gleich behandelt werden und gleiche Chancen haben. „Es muss klar sein: Hier wird niemand abgewertet oder ausgegrenzt, weil er eine andere Hautfarbe hat, woanders geboren ist, anders liebt oder glaubt oder eine Behinderung hat.“ Eric Angermann ist Politikwissenschaftler und Historiker sowie langjähriger Mitarbeiter im Projekt „Starke Lehrer:innen – starke Schüler:innen“ an der Universität Potsdam.
Diskriminierungen nimmt zu
Landauf, landab beobachte er eine Zunahme von Diskriminierungen sowie extrem rechten Einstellungen und Gruppen an den Schulen, sagte der Wissenschaftler. Dies gelte für Ost- und Westdeutschland. Er sei „besorgt, bei manchen Regionen sogar sehr besorgt“. Diskriminiert und beleidigt werde auf dem Schulhof und über WhatsApp im Klassenchat. Mitunter würden äußerst rechte politische Einstellungen, Verschwörungserzählungen und religiöser Fundamentalismus auch direkt im Unterricht vertreten.
Immer wieder würden Schüler wegen ihrer Hautfarbe und sozialen Herkunft angegriffen, auch queerfeindliche Übergriffe auf homosexuelle oder non-binäre Schüler häuften sich. Auf Schulbänke und Fensterbretter würden Hakenkreuze eingeritzt oder entsprechende Sticker geklebt. Mal fielen einzelne Schüler durch ein solches Verhalten auf, mal seien es Gruppen von fünf oder sechs Jugendlichen. Angermann warnte aber davor, alle Schulen über einen Kamm zu scheren: „Jede Schule ist anders.“
Sanktionen manchmal unumgänglich
Hintergrund solcher Vorkommnisse seien oft strukturelle Probleme, sagte der Forscher. Viele Kinder oder Jugendliche hätten oft selbst die Erfahrung der Abwertung gemacht und suchten dann Sündenböcke. Dabei seien feste Einstellungen vor allem bei älteren Schülern zu beobachten, während jüngere Schüler diskriminierende Einstellungen oft unbewusst von Eltern oder „Peer-Groups“ übernähmen. „In der Regel ist hier pädagogisches Handeln gefragt“, betonte Angermann: „Das sind Menschen im Werden. Sie können durch die Schule noch in eine demokratische Richtung geprägt werden.“
Manchmal seien allerdings Sanktionen unumgänglich. Wenn es um strafbare Handlungen wie Gewalttaten gehe oder der Hitlergruß gezeigt werde, müsse dies zur Anzeige gebracht werden. (epd/mig) Aktuell Panorama
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