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Besucher im NS-Konzentrationslager Auschwitz © Michela Simoncini @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

„Atmosphärische Veränderungen“

NS-Gedenkstätten verzeichnen mehr Störungen von rechts

Viele Gedenkstätten für NS-Opfer verzeichneten im vergangenen Jahr steigende oder konstante Besuchszahlen. Doch nicht alle kommen freiwillig: Rechte Jugendliche empfinden den Besuch als Zumutung – und zeigen das.

Von Montag, 26.01.2026, 10:36 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 26.01.2026, 10:36 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Der „Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ (27. Januar) erinnert seit 2005 weltweit an die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung sowie an die Opfer anderer Minderheiten. Das Datum bezieht sich auf den 27. Januar 1945, als sowjetische Truppen das Vernichtungslager Auschwitz in Polen befreiten. Heute ist der Tatort eine Gedenkstätte.

Heute gibt es mehrere solcher Gedenkstätten. Das Interesse hält an, viele von ihnen verzeichneten im vergangenen Jahr konstante oder steigende Besuchszahlen im Vergleich zum Vorjahr, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressediensts ergab. In einigen Gedenkstätten gingen die Zahlen jedoch zurück. Zugleich berichteten viele Gedenkorte von mehr politisch motivierten Vorfällen.

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Mithilfe eines anonymisierten und automatischen Zählsystems hat die KZ-Gedenkstätte Dachau erstmals ihre Besuchszahlen genau erfasst. Demnach haben im Jahr 2025 exakt 1.013.203 Menschen die Gedenkstätte besucht. Für 2024 hatte Dachau diese Zahl mit „mehr als 900.000“ angegeben.

Plus in Ravensbrück und Neuengamme

In Brandenburg blieben die Besuchszahlen der Gedenkstätte Sachsenhausen mit rund 500.000 gleich, die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück verzeichnete mit 74.000 Besuchen ein Plus von 1,4 Prozent. Eine Zunahme von knapp 3,5 Prozent auf 113.800 Besucherinnen und Besucher verbuchte auch die Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Das ehemalige KZ Osthofen bei Worms zählte 2025 mit mehr als 20.000 Besucherinnen und Besuchern eine Zunahme von 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Gedenkstätte Hadamar in Hessen verzeichnete mit 23.000 eine konstante Besuchszahl.

Konstant blieben die Besuchszahlen in den beiden großen Thüringer Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Wie die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora dem epd mitteilte, besuchten rund 350.000 Menschen Buchenwald und etwa 50.000 die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora.

Weniger Besuche in Berlin

Die meisten Berliner Gedenkstätten zählten hingegen weniger Besucher als im Vorjahr. Im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors waren es den Angaben zufolge mit rund 1,575 Millionen Besuchern etwa drei Prozent weniger. Auch die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand zählte 2025 rückläufige Besuchszahlen. In den vier Einrichtungen wurden insgesamt 191.052 Personen gezählt (Vorjahr: 211.912).

Nahezu konstant blieben die Zahlen der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Sie zählte in der Ausstellung im „Ort der Information“ unter dem Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals 309.800 Besucherinnen und Besucher (minus 150). Im Stelenfeld selbst werden keine Besucherzahlen ermittelt.

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen teilte mit, sie verzeichne für das vergangene Jahr einen geringfügigen Rückgang auf etwa 205.000 Besucherinnen und Besucher. Dies sei möglicherweise auf eine bestehende Baustelle zurückzuführen, der Bereich für Sonderausstellungen sei derzeit geschlossen.

Dachau verzeichnet „Bandbreite von Störungen“

Bei Einträgen in den Gästebüchern in Flossenbürg wurde nach den Worten des Sprechers der Gedenkstätte sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Zunahme an Beiträgen festgestellt, „die sich im Grenzbereich zwischen antisemitischen und israelfeindlichen Inhalten befinden“. Dazu gehörten etwa Vergleiche zwischen der Situation der Bevölkerung in Gaza und der Situation der KZ-Häftlinge.

Auch die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora verzeichnete eine Zunahme politisch motivierter Vorfälle. Während bis etwa 2020 im Durchschnitt alle vier Wochen ein Vorfall bei der Polizei angezeigt werden musste, sei inzwischen nahezu wöchentlich eine Anzeige erforderlich, teilte ein Stiftungssprecher mit. Das Spektrum der Vorfälle reichte von E-Mails mit Todesdrohungen oder Hitlergrüßen über das widerrechtliche Befahren des Buchenwalder Mahnmals mit Motocross-Motorrädern bis zu rechtsextremen Schmierereien am Ehrenfriedhof in Nordhausen.

Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück teilte mit, sie nehme „deutliche atmosphärische Veränderungen“ in der Gruppenbetreuung wahr. „Jugendliche mit rechten Orientierungen zeigen deutlicher, dass sie den Gedenkstättenbesuch als Zumutung begreifen“, hieß es, mitunter würden rechte Parolen geäußert. Im Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster, während der NS-Zeit Sitz der Ordnungspolizei, seien Schmierereien im Gästebuch an der Tagesordnung, beklagte dessen Leiter Stefan Querl. (epd/mig) Aktuell Panorama

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