Geschichte
100 Jahre Kolonialverbrechen an Herero und Nama
Vor mehr als einem Jahrhundert ermordeten deutsche Kolonialtruppen Zehntausende Angehörige der Herero und Nama im heutigen Namibia. Historiker bezeichnen diese Gräueltaten auch als "ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts".
Mittwoch, 21.11.2018, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 21.11.2018, 17:55 Uhr Lesedauer: 1 Minuten |
Aus existenzieller Not heraus erhoben sich im einstigen Deutsch-Südwestafrika von 1904 bis 1908 die Herero gegen die Kolonialmacht. Unter Generalleutnant Lothar von Trotha schlug eine rund 15.000 Soldaten umfassende Streitmacht die Rebellion der Einheimischen innerhalb weniger Monate militärisch nieder.
So ließ der deutsche Befehlshaber in der „Schlacht am Waterberg“ einen Großteil der Herero einkesseln und töten. Zudem ließ er die wasserlose Omaheke-Wüste abriegeln, in die Tausende Herero geflohen waren. Die Flüchtlinge verdursteten. Später gab von Trotha den Vernichtungsbefehl: „Innerhalb der deutschen Grenzen wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr erschossen.“
Insgesamt sollen dabei mindestens 65.000 Menschen umgekommen sein. Im Oktober 1904 erhoben sich auch die Nama gegen die Kolonialherren. Die deutschen Truppen gingen hier ebenfalls rücksichtslos vor und töteten rund 10.000 Nama. Hinzu kamen Tausende, die in Konzentrationslager gesteckt oder vertrieben wurden.
Das Warten auf eine Entschuldigung
Am 9. Juli 1915 endete die rund 30-jährige Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika mit der Niederlage der deutschen Kolonialtruppen gegen die südafrikanische Armee. Deutsch-Südwestafrika, die Region des heutigen Namibias, war 1884 unter deutsche Kolonialherrschaft gekommen.
Im August hat sich die Bundesregierung erstmals an der Rückgabe menschlicher Gebeine aus der deutschen Kolonialzeit an Namibia beteiligt. Ein begleitender Gedenkgottesdienst, den die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Rat der Kirchen in Namibia (CCN) gestalteten, fand in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin statt. Namibias Kulturministerin Katrina Hanse-Himarwa erklärte, dass sich das namibische Volk eine Entschuldigung für den Genozid an den Herero und Nama im Rahmen eines offiziellen Bekenntnisses der Bundesregierung gegenüber dem Volk und der Regierung Namibias wünsche. (epd/mig) Aktuell Politik
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