UNHCR
85 Prozent der Flüchtlinge aus dem Südsudan Frauen und Kinder
Im Südsudan herrscht seit Jahren Bürgerkrieg. Über die Situation vor Ort und die Lage der Flüchtlinge in dem seit 2013 andauernden Konflikt sprach der Koordinator des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR für den Südsudan, Arnauld Akodjenou, mit Mey Dudin.
Von Mey Dudin Dienstag, 19.06.2018, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 20.06.2018, 19:25 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Sie sind einmal im Monat im Südsudan. Was sehen sie dort?
Arnauld Akodjenou: Ein völlig verwüstetes Land. Es gibt mehr als 60 Milizen. Kämpfe können innerhalb von Minuten wegen Nichtigkeiten ausbrechen – ein bis dahin ruhiger Ort wird schlagartig zum Schlachtfeld. Von zwölf Millionen Menschen ist ein Drittel in Bewegung – aus den eigenen Häusern geflohen oder vertrieben. Resignation ist sichtbar, die den Menschen ins Gesicht geschrieben steht. Ich weiß nicht, ob es Menschen gibt, die noch Hoffnung haben. Ihr Land ist zwar unabhängig, aber sie haben nicht das Leben, wofür sie gekämpft haben. Sie wollen Frieden.
Es ist nach UN-Angaben das gefährlichste Land für humanitäre Helfer weltweit. Wie arbeiten Ihre Kollegen?
Akodjenou: Sie können aus Sicherheitsgründen nach 19 Uhr nicht auf die Straße gehen und bewegen sich meist von einer geschützten Anlage zur nächsten. Auch UN-Mitarbeiter haben Familien in Flüchtlingslagern und übernachten selbst in Siedlungen, die von Blauhelmsoldaten geschützt werden.
Wohin fliehen die Menschen?
Akodjenou: Es gibt zwei Millionen Binnenvertriebene im Sudan. 2,5 Millionen Flüchtlinge sind in sechs Nachbarländern, gut eine Million in Uganda, rund 800.000 im Sudan, mehr als 400.000 in Äthiopien und noch mehrere Hunderttausend in Kenia, dem Kongo und der Zentralafrikanischen Republik. Die Länder nehmen bis heute Flüchtlinge auf, die aber in Regionen unterkommen, die abgelegen und ohnehin schon vernachlässigt sind. Dort sind die Menschen aus dem Südsudan dann auf die Hilfe der lokalen Bevölkerung angewiesen. Deshalb muss die internationale Gemeinschaft die Nachbarländer unbedingt stärker unterstützen. Doch die Region wird nach wie vor kaum berücksichtigt.
Unter welchen Umständen leben die Flüchtlinge?
Akodjenou: Es fehlt an allem: an Essen, an Unterkünften, an Wasser, an Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Heute wären eigentlich 1,5 Milliarden US-Dollar nötig, um die Flüchtlinge allein in den Nachbarländern mit dem Notwendigsten zu versorgen. Bislang haben wir nur einen Bruchteil dieser Summe zur Verfügung. Im Übrigen sind mehr als 85 Prozent der Flüchtlinge Frauen und Kinder – mehr als 63 Prozent sind Kinder. Es ist eine Tragödie.
Jetzt hat der UN-Sicherheitsrat eine Frist für einen Waffenstillstand bis Ende Juni gesetzt – sonst drohen Sanktionen. Wie wirkt sich das aus?
Akodjenou: Diese Entscheidung ist ein großer Schritt, denn jetzt passiert endlich etwas: Es gibt eine Pendel-Diplomatie, viele Treffen und Mediationen. Aber die verschiedenen Parteien im Südsudan müssen sich selbst an den Verhandlungstisch setzen, eine politische Lösung wollen. Eine militärische Lösung gibt es nicht. Aktuell Ausland
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