
Flughafenhilfe
Abgeschoben nach Deutschland
Jährlich kommen Hunderttausende Auswanderer nach Deutschland zurück. Manche werden aus anderen Ländern abgeschoben. 2025 betreute der Sozialdienst am Frankfurter Flughafen 124 deutsche Rückkehrer.
Von Renate Haller Montag, 24.08.2026, 16:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 24.08.2026, 16:00 Uhr Lesedauer: 4 Minuten |
„Dankbar“, fällt Jana Südhoff als Erstes ein, fragt man sie nach der Stimmung, in der deutsche Rückkehrer an Deutschlands größtem Verkehrsflughafen in Frankfurt am Main vor ihr stehen. Die Sozialarbeiterin gehört zum Team des Kirchlichen Sozialdienstes für Flugpassagiere. Am Flughafen Frankfurt kommen regelmäßig Menschen an, die Deutschland vor vielen Jahren verlassen haben und aus einer Notlage heraus zurückkommen.
Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden sind 2025 rund 295.000 Deutsche ausgewandert. Bei vielen ist klar, dass sie aus beruflichen oder familiären Gründen nur befristet im Ausland leben, rund 200.000 kommen jährlich zurück. Nicht erfasst wird laut einer Sprecherin des Auswärtigen Amtes, wie hoch die Zahl derjenigen ist, die zurückkommen, weil sie medizinische oder anderweitige Hilfe benötigen, und zwar schon bei ihrer Ankunft am Flughafen.
Rückkehrer, die niemand abholen kommt
Der Kirchliche Sozialdienst am Frankfurter Flughafen hilft, wenn jemand ein Problem mit Ticket, Pass oder Visa hat, verwirrt ist, die Orientierung verloren hat oder sich in einer sonstigen psychosozialen Notlage befindet. Und das Team aus drei Frauen begrüßt Menschen, deren Ankunft von einer der deutschen Botschaften im Ausland oder über das Auswärtige Amt in Berlin angekündigt wird. Menschen, die nach Jahren im Ausland niemanden haben, der oder die sie abholen kann oder ihnen weiterhilft.
Simone Roßbach, die Leiterin des Angebots der Diakonie Frankfurt und Offenbach, erinnert sich an eine ältere Dame, die seit Jahrzehnten in Ghana lebte. Von dort aus wollte sie in Malaysia Freunde besuchen. In Malaysia fiel allerdings auf, dass die Über-80-Jährige kein Visum für das südostasiatische Land hatte, also schickten die Behörden die Deutsche zurück in ihr Herkunftsland – nach Deutschland und nicht nach Ghana. „Sie war verwirrt und unglücklich, und es ging ihr gar nicht gut“, erzählt Roßbach. Nach einigem Hin und Her kam sie schließlich in Frankfurt ins Krankenhaus. Sie hoffe, fügt Roßbach hinzu, dass die Dame es zurück nach Ghana geschafft hat, denn dort hatte sie ein Haus und ihr soziales Umfeld.
Alles ist besser als Abschiebehaft in Thailand
Eine andere Frau war in Thailand straffällig geworden und wurde abgeschoben. Sie wollte auf keinen Fall zurück zu ihrer Familie und musste eine Weile am Flughafen bleiben, bis eine Notunterkunft frei wurde. Ihr habe das nichts ausgemacht, sagt Roßbach. „Alles besser als Abschiebeknast in Thailand“, habe sie gesagt und von überfüllten Zellen und einem einzigen Hofgang täglich erzählt.
Im Idealfall erfährt das Helferrinnenteam einige Tage im Voraus von der Ankunft eines Rückkehrers. „Wir versuchen dann etwa in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt schon Beratungstermine auszumachen oder suchen eine Notunterkunft“, erklärt Roßbach. Einige seien allerdings so gebrechlich, dass sie direkt einen Arzt oder einen Pflegeplatz bräuchten.
Wenn die Menschen angekommen sind, mitunter nur mit ein paar Tüten in der Hand, können sie vom Sozialdienst bei Bedarf ein paar Kleidungsstücke bekommen, einen Koffer, ihre Geschichte erzählen oder sich ausruhen. Nach der Erstversorgung bekommen sie ein Ticket und fahren weiter nach Frankfurt oder in eine andere Stadt.
Anstieg der Heimkehrer aus den USA
68 Heimkehrer hat der Sozialdienst im Jahr 2024 in Frankfurt in Empfang genommen, 124 waren es im vergangenen Jahr. Woran der Anstieg liegt, ist nicht klar. Aufgefallen ist dem Team allerdings, dass im vergangenen Jahr mehr Menschen aus den USA abgeschoben worden seien.
Sozialarbeiterin Südhoff erzählt von einem jungen Mann, dessen Eltern mit ihm als Baby in die USA ausgewandert waren. Dort hatten sich die Eltern jedoch nicht um die amerikanische Staatsangehörigkeit für ihren Sohn gekümmert. Erst als er als Erwachsener mit dem Gesetz in Konflikt geriet, fiel auf, dass der junge Mann nur die deutsche Staatsbürgerschaft besaß. Er sei dann in ein Flugzeug in Richtung Frankfurt gesetzt worden. Der junge Mann war noch nie in Deutschland und sprach kein Wort Deutsch.
Normalerweise erfahren die Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes nicht, was aus den Menschen wird, die sie in Frankfurt begrüßt haben. Bei dem Mann aus Amerika war das anders: Er besuchte das Team nach sechs Wochen noch einmal am Flughafen und bedankte sich. Er habe ganz stolz seinen deutschen Pass gezeigt und erzählt, dass er jetzt einen Platz in einem Deutschkurs bekommen habe. (dpa/mig) Aktuell Panorama
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