
MIA-Jahresbericht
Schleswig-Holstein: Antiziganismus nimmt deutlich zu
Rund ein Viertel mehr Fälle: Die antiziganistischen Vorfälle im nördlichsten Bundesland haben 2025 zugenommen. Dabei geht fast jede zweite Diskriminierung von Menschen mit offizieller Funktion aus.
Donnerstag, 25.06.2026, 14:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 25.06.2026, 14:28 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) hat im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein deutlich mehr Angriffe auf Sinti und Roma erfasst. 2025 meldeten Betroffene 83 antiziganistische Vorfälle, berichtete MIA-Mitarbeiterin Hannah Lohmann bei der Vorstellung des Jahresberichts auf der Landespressekonferenz in Kiel. Das entspreche einem Anstieg von rund 25 Prozent im Vergleich zu 2024, als 66 Fälle gemeldet wurden.
„Da uns einige Vorfälle erst nach Ende unserer Datenerfassung für das Jahr 2025 erreicht haben, konnten diese Vorfälle nicht mehr in die offizielle Statistik auf Landes- und Bundesebene mit eingehen“, sagte Lohmann. Mit diesen Nachmeldungen läge die inoffizielle Gesamtzahl für Schleswig-Holstein bei 90. Zudem bestehe weiterhin ein großes Dunkelfeld.
In 37 Fällen handelte es sich um Diskriminierung. „Das heißt, es handelt sich ganz konkret um Vorfälle, bei denen sich nicht nur antiziganistische Einstellungen gezeigt haben, sondern wo Betroffene aktiv Benachteiligungen erfahren haben oder ausgegrenzt wurden“, erklärte Lohmann. Noch häufiger als Diskriminierungen wurden nur verbale Stereotypisierungen und Herabwürdigungen gemeldet – insgesamt 42 Fälle.
Großer Teil der Vorfälle mit Menschen in offiziellen Funktionen
„Insgesamt wurden die meisten antiziganistischen Vorfälle in Schleswig-Holstein aus den Lebensbereichen Bildung, Wohnen und der Interaktion mit Behörden gemeldet“, führte Lohmann aus. Im Bildungsbereich (26 Fälle) ereigneten sie sich vor allem in Schulen – vorwiegend durch Benachteiligung seitens Lehrkräften oder der Schulleitung. Nur wenige Meldungen betrafen Mobbing oder Beleidigungen unter Mitschülern, hieß es.
„Hinsichtlich der verantwortlichen Täterinnen und Täter von Antiziganismus zeigt sich, dass circa 43 Prozent der im Kontext antiziganistischer Vorfälle erfassten Personen in offiziellen Funktionen handelten, beispielsweise als Sachbearbeiterin und Sachbearbeiter oder als Lehrkraft“, sagte die MIA-Mitarbeiterin. Zudem geschah etwa die Hälfte aller Vorfälle in Schleswig-Holstein (42 Fälle) im direkten Kontakt mit Betroffenen.
Die Zahl der in Schleswig-Holstein lebenden Sinti und Roma wird auf rund 5.000 bis 6.000 geschätzt, erklärte Rolf Schlotter, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma. Er betonte: „Die Auseinandersetzung mit Antiziganismus ist vor dem Hintergrund einer über Jahrhunderte währenden Geschichte von Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung von grundlegender Bedeutung.“ Antiziganistische Denkmuster seien bis in die Gegenwart hinein in der Gesellschaft verankert. (dpa/mig) Aktuell Gesellschaft
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