
Anerkennungsverfahren
Fachkräftemangel erzwingt Abbau von Hürden für ausländische Ärzte
Deutschland will ausländische Abschlüsse in medizinischen Berufen schneller anerkennen. Der Bundestag hat eine Reform beschlossen, die Verfahren verkürzen soll – nicht aus Großzügigkeit, sondern wegen des wachsenden Fachkräftemangels in Praxen und Kliniken.
Montag, 30.03.2026, 14:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 30.03.2026, 14:28 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Dringend benötigte Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland sollen in Deutschland künftig schneller arbeiten können. Der Bundestag hat am Donnerstagabend ein Gesetz beschlossen, das die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen in den Heilberufen beschleunigen soll. Bevor die Reform in Kraft treten kann, muss allerdings noch der Bundesrat zustimmen.
Kern der Neuregelung ist, dass Ärztinnen und Ärzte mit Abschlüssen aus Drittstaaten sich künftig in der Regel direkt einer Kenntnisprüfung unterziehen können. Das bisher oft langwierige Verfahren, bei dem umfangreiche Unterlagen aus dem Herkunftsland beschafft, übersetzt und auf Gleichwertigkeit geprüft werden mussten, soll damit deutlich an Bedeutung verlieren. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sind zudem einheitlichere Standards, digitale Verfahren und frühere Sprachprüfungen vorgesehen. Vergleichbare Vereinfachungen gelten auch für Zahnärztinnen und Zahnärzte, Apothekerinnen und Apotheker sowie Hebammen.
Ärztemangel: hoher Handlungsdruck
„Anerkennungsverfahren von Berufsqualifikationen dürfen nicht länger der Flaschenhals bei der schnellen Integration von qualifizierten Fachkräften in unseren Arbeitsmarkt sein“, erklärte Gesundheitsministerin Nina Warken. Die Reform solle Länderbehörden und Antragstellende gleichermaßen von Bürokratie entlasten und den Einstieg in den Arbeitsmarkt beschleunigen.
Was primär klingt, wie eine Änderung zugunsten ausländischer Ärztinnen und Ärzte, hat in Wahrheit einen anderen Grund: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatten 2024 rund 13 Prozent oder 64.000 der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland keine deutsche Staatsangehörigkeit. Zugleich weist die Bundesärztekammer darauf hin, dass bereits 23 Prozent der berufstätigen Ärzteschaft älter als 60 Jahre sind und in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden werden. Die Reform ist damit eine Reaktion auf den wachsenden Personalmangel im Gesundheitswesen. In ländlichen Gebieten haben Ärztekammer bereits den Notstand ausgerufen.
Beschleunigung doch möglich
Kritisch wird in diesem Zusammenhang gesehen, dass die Appelle und Hilferufe ausländischer Ärztinnen und Ärzte in Deutschland nach Verfahrensvereinfachung und -beschleunigung lange Zeit nicht erhört wurden. Begründet wurde dies regelmäßig mit der Sicherung gleichwertiger Qualifikationen, ausreichender Sprachkenntnisse und dem Schutz der Patientensicherheit.
Dass nun ausgerechnet vor dem Hintergrund des zunehmenden Ärztemangels eine deutliche Beschleunigung möglich werden soll, dürfte die Debatte darüber verstärken, ob frühere Hürden tatsächlich zwingend waren oder politisch in Kauf genommen wurden. In Erinnerung geblieben ist so das Bild des Arztes, der seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer verdient, weil seine medizinische Qualifikation nicht anerkannt wird.
Bundesärztekammer begrüßt und pocht auf Qualitätssicherung
Die Bundesärztekammer unterstützt das Ziel schnellerer Verfahren zwar grundsätzlich, pocht aber darauf, Qualität und Patientensicherheit nicht aufzuweichen. Beschleunigung und Vereinfachung müssten mit verlässlichen Prüfstandards einhergehen, erklärte die Kammer.
Falls der Bundesrat zustimmt, würde das Gesetz nach Angaben des Gesundheitsministeriums am 1. November in Kraft treten. (dpa/mig) Aktuell Politik
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