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EU-Grenzschutzagentur Frontex © de.depositphotos.com

Frontex-Zahlen

Weniger Ankünfte von Geflüchteten, mehr Tote an Außengrenzen

Die Zahl der Einreisen ohne gültige Einreisedokumente in die EU ist im Januar und Februar erneut deutlich gesunken. Doch der menschliche Preis steigt: In diesem Winter kamen mehr als 1.000 Menschen im Mittelmeer ums Leben, darunter viele Kinder – wie zuletzt wieder vor Lampedusa.

Sonntag, 15.03.2026, 12:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 15.03.2026, 12:22 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Die Zahl der irregulären Grenzübertritte in die Europäische Union ist zu Jahresbeginn deutlich zurückgegangen. Nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex sank sie im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 52 Prozent. Insgesamt wurden demnach fast 12.000 irreguläre Grenzübertritte registriert.

Gleichzeitig steigt der menschliche Preis der Migration. Nach Angaben der International Organization for Migration (IOM) kamen in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 fast 660 Menschen im Mittelmeer ums Leben. Die Zahl der Toten in diesem Winter wird auf mehr als 1.000 geschätzt. Viele der Unglücke ereigneten sich demnach bei schweren Wetterbedingungen.

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Flüchtlingsboot vor Lampedusa gesunken: Kind vermisst

So ist wieder am Wochenende kurz vor Erreichen der italienischen Insel Lampedusa ein Boot mit mehreren Dutzend Geflüchteten an Bord im Mittelmeer gesunken. 64 Menschen konnten gerettet werden, wie die Küstenwache mitteilte. Ein Kind aus dem westafrikanischen Staat Sierra Leone werde noch vermisst. Die Chancen, es noch lebend zu finden, werden als äußerst gering beurteilt.

Lampedusa gilt seit vielen Jahren als einer der Brennpunkte der Fluchtbewegung aus Afrika übers Mittelmeer nach Europa. Auf der Überfahrt mit oft kaum seetüchtigen Booten kommen immer wieder Menschen ums Leben. An Italiens Küsten wurden in den vergangenen Tagen mehrfach Leichen angeschwemmt.

Naher Osten als möglicher neuer Migrationsfaktor

Der Krieg im Nahen Osten könnte nach Einschätzung von Frontex in den kommenden Monaten neue Vertreibungen in der Region auslösen. Bisher habe dies jedoch keine spürbaren Auswirkungen auf die Flüchtlingssituation an den EU-Außengrenzen. Die Behörde beobachte die Entwicklungen weiterhin genau.

Auch der Migrationsforscher Gerald Knaus erwartet keine große Fluchtbewegung nach Europa, da Staaten wie die Türkei ihre Grenzbefestigung stark ausgebaut hätten. „Wenn wir Grenzen haben, an denen Soldaten stehen, die einen Schießbefehl haben, dann können auch die am meisten verzweifelten Menschen der Welt ihr Land nicht verlassen“, erklärte Knaus im Deutschlandfunk. Der Fokus müsse stattdessen auf der humanitären Lage im Iran liegen, sagte Knaus, der als einer der Architekten des Flüchtlingsabkommens von 2016 mit der Türkei gilt. „Auch wenn es Menschen nicht schaffen, in großer Zahl zu fliehen, bedeutet das nicht, dass ihre Lage im Land nicht katastrophal sein kann“, sagte so der Forscher.

Die meisten kommen weiter aus Afghanistan

Die am häufigsten registrierten Staatsangehörigkeiten der in die EU Geflüchteten waren Afghanen, Bangladescher und Algerier. Die zentrale Mittelmeerroute von Libyen oder Tunesien in der Regel nach Italien bleibt derzeit die meistgenutzte Migrationsroute in die EU und macht laut Frontex fast 30 Prozent aller irregulären Einreisen aus. Auf der westafrikanischen Route, die durch den Atlantik zu den Kanarischen Inseln verläuft, gab es demnach den stärksten Rückgang: Dort sank die Zahl der registrierten Fälle im Vergleich zu den ersten beiden Monaten 2025 um 83 Prozent.

Mit „illegaler“ oder „irregulärer“ Migration werden im politischen Sprachgebrauch irreführend auch Fluchtbewegungen von Menschen bezeichnet, die Schutz suchen. Weil sichere und legale Fluchtwege oft fehlen, bleibt vielen keine andere Möglichkeit, als Grenzen zunächst ohne gültige Dokumente zu überqueren, um ihr international garantiertes Recht auf Asyl geltend zu machen. Juristisch ist das keine „illegale“ Handlung, sondern die Wahrnehmung eines verbrieften Rechts. (epd/dpa/mig) Aktuell Panorama

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