
Holocaust als Meme
Bildungsstätte warnt: Algorithmen belohnen Fakes
Auf Social-Media-Plattformen werden nach Angaben der Bildungsstätte Anne Frank massenhaft geschichtsverfälschende Posts verschickt. Die Politik dürfe die Jugend damit nicht allein lassen, fordern die Fachleute.
Mittwoch, 21.01.2026, 15:27 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 21.01.2026, 15:27 Uhr Lesedauer: 1 Minuten |
Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main fordert ein Einschreiten gegen Holocaust-relativierende Inhalte auf Social-Media-Plattformen. Historisch gesicherte Fakten zum Nationalsozialismus würden im Netz durch eine Flut an geschichtsverfälschenden KI-Fakes und eine Masse an Propaganda-Inhalten überlagert, sagte die Co-Autorin des Digitalreports „Der Holocaust als Meme“, Eva Berendsen, am Mittwoch.
Anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar müsse die Politik die großen Tech-Konzerne in die Pflicht nehmen, ihre Plattformen von verfälschenden Inhalten zum Holocaust zu befreien.
In dem Report beschreiben die Autorinnen und Autoren, dass Holocaust-Leugnung häufig nicht offen, sondern in Codes und Chiffren verbreitet werde. So würden etwa Zahlenkombinationen genutzt, um die Zahl der ermordeten Jüdinnen und Juden in Zweifel zu ziehen oder herunterzuspielen. Dahinter stehe oft eine Strategie, die Grenze zwischen provokanter „Meme“-Kultur und strafrechtlich relevanten Inhalten zu verwischen – und so Reichweite zu erzeugen.
Belohnung von Holocaust-Leugnung und antisemitische Hetze
Als Beispiel nennen die Fachleute ein auf TikTok verbreitetes Video, das sich über die finanzielle Unterstützung der Stiftung Auschwitz-Birkenau lustig mache. In den Kommentarspalten seien dabei nicht nur zynische Wortspiele zu finden, sondern auch offene Holocaust-Leugnung und antisemitische Hetze. Besonders problematisch sei aus Sicht der Bildungsstätte, wenn solche Inhalte bei Suchanfragen nach seriösen Begriffen wie „Auschwitz-Stiftung“ auf der Plattform prominent ausgespielt würden.
Auf TikTok, Instagram und anderen Plattformen stießen immer jüngere Nutzerinnen und Nutzer auf etwa rechtsextreme Influencer, erklärte Berendsen. Rechtsextreme Memes, die Nazi-Größen verherrlichten, würden millionenfach geteilt, Holocaustleugnung werde in Emojis oder bestimmten Zahlenkombinationen verschlüsselt. Neben der Regulierung der Social-Media-Plattformen müsse der Schulunterricht Jugendliche befähigen, problematische Inhalte zu erkennen, forderte Berendsen. (epd/mig) Aktuell Panorama
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