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Geflüchteter im Flüchtlingsheim (Archiv) © John MacDougall/AFP

Studie

Alarmierende Lücken bei Versorgung von traumatisierten Geflüchteten

Viele Geflüchtete sind traumatisiert – doch fallen sie oft durchs Raster. Hilfe gibt es oft erst nach Monaten oder gar nicht. Eine neue Studie zeigt, wie groß die Lücken sind.

Mittwoch, 14.01.2026, 12:57 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 14.01.2026, 12:57 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Trotz Krieg, Gewalt und Folter kommen viele traumatisierte Geflüchtete nach Einschätzung der baden-württembergischen Landesärztekammer zu kurz bei der psychischen Versorgung. Ein großer Teil von ihnen leide unter Depressionen, Angstzuständen oder schweren Erinnerungen an das Erlebte, heißt es in einer Studie des Verbands. Fachleute gehen demnach davon aus, dass etwa jeder Dritte dringend psychologische Hilfe bräuchte – aber nur die wenigsten bekommen sie.

„Es bestehen weiterhin Versorgungslücken“, kritisiert der Menschenrechtsbeauftragte der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg, Erik Nordmann. Betroffene würden nach erfahrener Gewalt und psychischen Traumata zu lange allein gelassen.

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Das System bremst aus

Denn wer als Geflüchteter psychisch krank sei, stoße schnell auf Probleme, weil das System durch Bürokratie und fehlende Ressourcen bremse, heißt es unter anderem im „Versorgungsbericht Traumatisierte Flüchtlinge“. In den ersten drei Jahren gebe es oft keinen festen Anspruch auf Therapie. Jeder Antrag auf Psychotherapie muss einzeln beantragt werden – oft mit Ablehnung und Wartezeiten durch strenge Sozialämter. In dieser Zeit verschlimmerten sich viele Erkrankungen.

Sprachbarrieren machten es schlimmer: Dolmetscher würden selten finanziert, Familien übersetzten oft ungeeignet. ​Ohne gemeinsame Sprache sei eine Therapie aber kaum möglich.

Psychosoziale Zentren als Rettung

Wichtige Anlaufstellen sind die sogenannten Psychosozialen Zentren (PSZ). Dort arbeiten Fachleute, die sich auf Geflüchtete spezialisiert haben und auch mehrsprachig helfen. Neun Zentren dieser Art gibt es laut Studie in Baden-Württemberg. Dort wurden 2024 mehr als 2.500 Geflüchtete aus Afghanistan, Syrien oder der Ukraine mit Therapie, Beratung und Dolmetschern unterstützt.

Finanznot und Überlastung

Doch die Kapazitäten reichen laut Landesärztekammer bei Weitem nicht aus: 2024 konnten die Zentren im Südwesten nur rund zwei Prozent der besonders schutzbedürftigen Menschen versorgen. Die Wartezeit beträgt 3,8 Monate. Die Teams sind von den Schicksalen selbst belastet und brauchen regelmäßige Aufsicht, kritisiert der Versorgungsbericht.​

Ein Kernproblem ist laut Versorgungsbericht die Finanzierung. Die Zentren müssen ihr Geld aus vielen Töpfen vom Land, vom Bund, von Kommunen und aus zeitlich begrenzten Förderprogrammen zusammensuchen. Langfristige Planung sei kaum möglich. Der Bericht warnt: Unbehandelte Traumata führen zu chronischen Leiden, zu höheren Kosten und gescheiterter Integration.

Was sich ändern muss

Die Autoren der Studie fordern klare Schritte wie eine verlässliche Finanzierung der Zentren, Dolmetscher als feste Leistung im Gesundheitssystem und einen schnelleren Zugang zu Therapien. Ihre zentrale Botschaft: Frühe Hilfe verhindert schlimme Folgen – für die Betroffenen und für die Gesellschaft insgesamt.

„Wir sollten die Behandlung von Traumafolgen als Prävention begreifen“, sagt auch Robin Maitra, der Menschenrechtsbeauftragte der Landesärztekammer. Würden psychische Traumafolgen nicht behandelt, steige das Risiko der Eigen- und Fremdgefährdung. „Die rechtzeitige Behandlung von traumatisierten Geflüchteten kann umgekehrt also das Risiko für Suizide und auch für aggressive Handlungen gegen andere senken.“ (dpa/mig) Leitartikel Panorama

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