Deportation, Geschichte, Juden, Nationalsozialismus, Antisemitismus
Die erste Deportation von Juden © Sezene aus YouTube-Video

Historikerin

Kinder aus Migrantenfamilien in NS-Gedenken einbeziehen

Die Vermittlung historischen Wissens ist nach Überzeugung der Historikerin Christina Morina hervorragendes geeignet, um Integration zu fördern. Zugleich warnt sie davor, historische Gedenken für aktuelle politische Ziele zu vereinnahmen.

Von Montag, 23.01.2023, 16:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 23.01.2023, 9:38 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |  

Die Bielefelder Historikerin Christina Morina hält es für wichtig, Kindern und Jugendlichen aus zugewanderten Familien gleichberechtigt historisches Wissen über die NS-Zeit zu vermitteln. Historisches Wissen, Heranwachsenden nahegebracht, sei „ein hervorragendes Feld, um Integration zu fördern“, sagte die Professorin der Universität Bielefeld dem „Evangelischen Pressedienst“. „Auch und gerade wenn Kinder und Jugendliche durch ihre Herkunft nicht persönlich betroffen sind, ist dies eine wichtige pädagogische Aufgabe.“

Die Neugier und Offenheit von Kindern gelte es zu fördern, um historische, aber auch über die Geschichte hinausführende Erkenntnisse zu vermitteln, sagte Morina. „Gerade auch in einer sich rasant verändernden Gesellschaft sind grundsätzliche Fragen wichtig wie: Wann schlägt Diskriminierung in Gewalt um?“

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Die Historikerin unterstrich die Bedeutung von Gedenktagen wie dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar oder auch dem Tag der Reichspogromnacht am 9. November 1938: „Jedes Gedenken braucht Rituale, den Moment des Innehaltens, das auch eine gewisse Würde hat.“ Inhaltliche Fragen könnten sein: „Welche gesellschaftlichen Voraussetzungen haben die nationalsozialistischen Verbrechen ermöglicht? Was hat das für Folgen – bis heute?“ Lokalgeschichtliche Erinnerungen am jeweiligen Ort könnten dabei hilfreich sein.

Vorsicht vor historischen Analogien

Morina warnte jedoch davor, das historische Gedenken für aktuelle politische Ziele zu vereinnahmen, wenn es etwa darum gehe, vorrangig für heute „als marginalisiert wahrgenommene Gruppen oder bestimmte politische Programme“ Partei zu ergreifen. Auch historische Analogien verwischten und vernebelten sowohl die geschichtlichen als auch die aktuellen Sachverhalte meist, erklärte sie. Die historische Forschung könne dennoch zur „gesellschaftlichen Selbstverständigung“ beitragen.

Die Wissenschaftlerin betonte zugleich: „Das öffentliche Gedenken wandelt sich immer, es ist nicht statisch und nie abgeschlossen. Das ist aus historischer Sicht völlig natürlich.“ (epd/mig)

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