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Familie in drei Generationen © 123rf.com

„Ageismus“

Antidiskriminierungsstelle beklagt Vorurteile über ältere Menschen

Eine neue Studie zeigt, wie verbreitet in Deutschland Vorurteile gegen Ältere sind. Gegen fragwürdige Klischees und negative Stereotype hilft laut Antidiskriminierungsstelle nur eins: mehr Aufklärung. Befragte mit und ohne Migrationsbiografie haben leicht unterschiedliche Vorstellungen vom Alter.

Donnerstag, 15.12.2022, 15:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 15.12.2022, 12:55 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Ferda Ataman, beklagt weit verbreitete Vorurteile über ältere Menschen. Es gebe eine Vielzahl negativer Stereotype und fragwürdiger Rollenklischees gegenüber Seniorinnen und Senioren, sagte sie bei der Vorstellung der Studie „Ageismus – Altersbilder und Altersdiskriminierung in Deutschland“ am Donnerstag in Berlin. „Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel ist es wichtig, dass wir hier stärker aufklären.“

Laut der Untersuchung, die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle von der Medical School Berlin erarbeitet wurde, stimmt rund ein Drittel der Befragten der Aussage zu, dass alte Menschen „Platz machen“ sollten für die jüngere Generation, indem sie wichtige berufliche und gesellschaftliche Rollen aufgeben (32 Prozent). 51 Prozent sind demnach für eine Regelung, wonach „Menschen nur bis zu einem bestimmten Alter, wie etwa bis 70 Jahre, politische Ämter haben dürfen“.

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Ataman beklagt „Ageismus“

Grundlage ist eine repräsentative telefonische Umfrage bei 2.000 Menschen ab 16 Jahren im Januar dieses Jahres. 40 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger sagten, dass junge von alten Menschen bei der Bewältigung des Klimawandels im Stich gelassen würden. Und: 53 Prozent stimmten der Aussage zu, ältere Menschen trügen nicht entscheidend zum gesellschaftlichen Fortschritt bei.

Für Ataman zeigt die Erhebung, „dass es bei Themen wie politischer Beteiligung und Klimaschutz großes Spannungspotenzial zwischen den Generationen gibt“. Pauschale Aussagen wie „ältere Menschen sind zu wenig leistungsfähig“ „nicht anpassungsfähig“ oder „nicht fit genug“ bezeichnen Expertinnen und Experten als „Ageismus“, ein Begriff, der in Deutschland noch kaum bekannt ist. Ataman: „Ageismus führt im Alltag und Berufsleben oftmals zu Diskriminierungen.“

Niedrigere Altersgrenzen bei Migranten

Zwar seien Diskriminierungen wegen des Lebensalters im Arbeitsleben sowie bei Alltagsgeschäften grundsätzlich verboten, sagte die Beauftragte. Doch um ein politisches Zeichen gegen Altersdiskriminierung zu setzen, müsse der Begriff „Lebensalter“ in Artikel 3 des Grundgesetzes aufgenommen werden. Diskriminierung aufgrund des Alters sei inakzeptabel.

Wie aus der Erhebung hervorgeht, haben Befragte mit Einwanderungsbiografie eine niedrigere persönliche Altersgrenze und eher ein Altersbild, das durch gesundheitliche Einschränkungen und Einsamkeit gekennzeichnet ist als Befragte ohne Migrationsgeschichte. Migranten haben dem Bericht zufolge zudem eine leicht negativere Einstellung gegenüber Älteren. Schlussfolgerungen ziehen die Studienautoren aus diesen Befunden aufgrund der „äußerst diversen Kategorie der Migrationserfahrung“ nicht. (epd/mig)

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