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Deutschland feiert die Weltmeisterschaft 2014 © jikatu @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Selbst schuld?

Interesse an WM nur mit deutscher Beteiligung

Nach dem Ende der Gruppenphase ist klar: Das Interesse an der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ist so gering wie noch nie. Offenbar hat dazu auch die kritische Berichterstattung von ARD und ZDF beigetragen.

Von Sonntag, 04.12.2022, 20:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 04.12.2022, 11:25 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Nach dem erneuten Vorrunden-Aus der deutschen Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft (WM) gibt es auch bei ARD und ZDF lange Gesichter: Bleibt das eigene Team auf der Strecke, geht das Interesse vor dem Fernseher erfahrungsgemäß stark zurück. Dabei hatten die Zuschauerzahlen gerade erst ein aus Sicht der Sender einigermaßen zufriedenstellendes Niveau erreicht. Nun sieht es jedoch so aus, als sei das Turnier in Katar nicht nur die „umstrittenste WM aller Zeiten“, sondern auch die erfolgloseste.

Offenbar sind ARD und ZDF Opfer ihrer eigenen kritischen Vorberichterstattung geworden. Wochenlang hatte das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Dokumentationen und Reportagen auf die Missstände in Katar hingewiesen: Mutmaßlich mehrere tausend Arbeitsmigranten sind beim Bau der Stadien umgekommen, Frauen werden unterdrückt, Homosexuelle verfolgt. Menschenrechtsorganisationen protestierten gegen die Übertragung der Spiele und riefen zum Boykott auf. All das spiegelt sich in den Zuschauerzahlen wider.

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Interesse an WM nur mit deutscher Beteiligung

Obwohl sich gerade im Ersten in den vergangenen zwei Wochen bis zu 14 Stunden lang alles um Fußball drehte, wollte der Funke nicht überspringen. Im Vergleich zur WM in Russland 2018 sei das Zuschauerinteresse deutlich verhaltener, räumt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky auf Anfrage des „Evangelischen Pressedienstes“ ein. Damals hätten alle von der ARD übertragenen Vorrundenspiele im Schnitt knapp 9 Millionen Zuschauer gehabt, in diesem Jahr seien es nur knapp 5 Millionen. Die ZDF-Quoten waren ähnlich niedrig. Die ereignisarme Eröffnungspartie zwischen dem Gastgeber und Ecuador hatte zwar 6 Millionen Zuschauer, aber auch das war deutlich weniger als bei bisherigen Auftaktspielen.

Die Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Japan trug auch nicht dazu bei, Begeisterung zu entfachen. Das Spiel sorgte zwar mit 9,26 Millionen Zuschauern (Marktanteil: 59,7 Prozent) für eine erste Rekordmarke, aber die Resonanz lag deutlich unter den Zahlen des deutschen Turnierauftakts bei der WM 2018 gegen Mexiko (25,97 Millionen, 81,6 Prozent). Das Unentschieden gegen Spanien hatte 17,05 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 49,3 Prozent) – endlich schienen die Deutschen im Turnier angekommen zu sein, in Katar wie auch daheim. „Mit in der Spitze fast 20 Millionen Zuschauern wurde deutlich, dass WM-Fußball mit deutscher Beteiligung weiter große Zugkraft hat“, freute sich ZDF-WM-Teamchef Christoph Hamm.

Spitzenwert bereits erreicht?

Das letzte deutsche Spiel gegen Costa Rica am Donnerstagabend dürfte mit 17,44 Millionen Zuschauern im Ersten (Marktanteil: 53,7 Prozent) den Spitzenwert des Turniers gesetzt haben. Bei der WM 2018 in Russland, als Deutschland ebenfalls nach der Vorrunde ausschied, lag selbst das Finale deutlich unter den Zahlen der deutschen Partien. Damals hatten die deutschen Spiele im Schnitt mehr als 26 Millionen Zuschauer.

Erfreulich ist aus Sicht der Sender nur, dass die Livestream-Angebote deutlich stärker genutzt wurden als vor vier Jahren. Am Tag des ersten Gruppenspiels gegen Japan verzeichnete die ARD rund 12,5 Millionen Livestream-Abrufe, an den weiteren WM-Tagen bewegten sich diese Zahlen zwischen 4 und 6 Millionen.

Zuschauerzahlen in Europa nicht rückläufig

Dennoch stimme ihn die Entwicklung der Zuschauerzahlen „natürlich nachdenklich“, sagte Balkausky: „Unser Eindruck ist, dass diese Fußball-WM zumindest in Deutschland sehr speziell betrachtet wird.“ Erste Zahlen aus den europäischen Nachbarländern hätten gezeigt, „dass es dort keinen derartigen Rückgang bei den Einschaltquoten gibt“. Der ARD-Sportkoordinator macht neben dem Austragungszeitpunkt des Turniers in der Vorweihnachtszeit „die schwierigen Begleitumstände bei dieser WM inklusive der Kritik am Gastgeberland und an der FIFA“ für diesen Rückgang verantwortlich. Auch Hamm spricht von einer „besonderen Herausforderung“, da das Turnier „den Spagat zwischen der Aufbereitung der kritischen Themen und der Übertragung der Fußballspiele erfordere“.

Bei aller Kritik an der FIFA und dem Gastgeberland bleibt aber auch festzuhalten, dass der Weltfußballverband und der Veranstalter vor Ort rund um die Spiele für spektakuläre Bilder gesorgt haben. Dass kritische Momente, etwa ein „Flitzer“ mit Regenbogenfahne während des Spiels Portugal gegen Uruguay, vom sogenannten Weltbild nach Möglichkeit ausgespart werden, gehört bei großen Turnieren längst zur Realität. (epd/mig)

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