Brand, Brandanschlag, Feuer, Holz
Brand (Symbolfoto) © Alexas_Fotos @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Saarlouis

Prozess wegen Brandanschlag auf Geflüchtetenunterkunft gestartet

30 Jahre nach dem rassistisch motivierten Brandanschlag auf eine Geflüchtetenunterkunft in Saarlouis hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Er muss sich unter anderem wegen Mord verantworten. Eine Podcast-Reihe beleuchtet die Hintergründe.

Mittwoch, 16.11.2022, 19:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 17.11.2022, 6:00 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Mehr als 30 Jahre nach dem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Saarlouis mit einem Toten hat am Mittwoch der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Vor dem Koblenzer Oberlandesgericht muss sich der 51-jährige Peter S. verantworten. Die Generalbundesanwaltschaft wirft ihm vor, in der Tatnacht vom 18. auf den 19. September 1991 mit einem Kanister Benzin das Wohnheim für Asylbewerber aufgesucht zu haben, um dann aus rassistischer Gesinnung einen Brand zu legen. Der Angeklagte war am 4. April festgenommen worden. Er bestreitet laut Gericht die Vorwürfe. Fortsetzungstermine für den Prozess sind zurzeit bis Mitte Februar geplant.

Bei dem Anschlag auf die Asylbewerberunterkunft in Saarlouis-Fraulautern kam der damals 27-jährige Ghanaer Samuel Kofi Yeboah ums Leben. Zwei weitere Menschen retteten sich durch Sprünge aus dem Fenster und erlitten Knochenbrüche. Den übrigen 18 Bewohnern gelang es, sich unverletzt in Sicherheit zu bringen. Die bei der Justiz im Saarland geführten Ermittlungen waren damals eingestellt worden, nachdem ein Täter nicht ermittelt werden konnte. Vor rund zwei Jahren hatte die Bundesanwaltschaft wegen neuer Erkenntnisse den Fall übernommen.

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Nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters hatte sich der saarländische Landespolizeipräsident Norbert Rupp im Namen des Landespolizeipräsidiums dafür entschuldigt, „dass offensichtlich auch Defizite in der damaligen Polizeiarbeit zur Einstellung der Ermittlungen geführt haben“. Im August 2020 hatte er eine Arbeitsgruppe zur Untersuchung der damaligen Sachbearbeitung eingerichtet. Nach ersten Erkenntnissen wurden Defizite bei Erhebung, Bewertung und Weitergabe von Informationen festgestellt.

Podcast beleuchtet Hintergründe

Passend zum Start des Gerichtsprozesses beleuchtet die Podcast-Reihe „Der Fall Yeboah – Rassismus vor Gericht“ in der ARD-Audiothek die Hintergründe der Tat. „Im Podcast geht es um Überlebende des Brandanschlags, die endlich Gerechtigkeit fordern“, teilte der Saarländische Rundfunk (SR) mit. Es gehe um Polizeiversagen und um die politische Dimension dieses Mordes.

Die ersten drei Folgen handelten vom Saarlouis der 1990er-Jahre: „Wer war Samuel Yeboah? Was wissen wir über den Mensch hinter dem Fall? Was ist damals genau passiert und warum hat die Polizei die Akte so schnell geschlossen?“ Ab der vierten Folge gehe es um den Prozess in Koblenz, während dessen Verlaufs weitere Folgen veröffentlicht werden sollen. (epd/mig)

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