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Kellnerin bei der Arbeit (Archiv) © de.depositphotos.com

Keine falschen Erwartungen

Forscher: Geflüchtete Ukrainer werden zunächst einfache Jobs ausüben

Arbeitsmarktforscher Brücker warnt angesichts der Einwanderung aus der Ukraine vor falschen Erwartungen am Fachkräftemarkt. Mangels Sprachkenntnissen oder vergleichbarem Qualifikationsniveau würden viele vermutlich zunächst in einfachen Jobs arbeiten.

Von Mittwoch, 08.06.2022, 17:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 09.06.2022, 6:16 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Geflüchtete aus der Ukraine können nach Ansicht des Arbeitsmarktforschers Herbert Brücker in Deutschland meistens nicht sofort in ihrem angestammten Beruf arbeiten. „Viele werden nicht auf demselben Qualifikationsniveau arbeiten können, etwa aufgrund fehlender Sprachkenntnisse oder weil die Ausbildung anders ist“, sagte der Migrationsexperte vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg (IAB) dem „Evangelischen Pressedienst“. Daher sei zu erwarten, dass viele Geflüchtete zunächst in der Gastronomie, in Reinigungsberufen oder haushaltsnahen Dienstleistungen Arbeit fänden.

Insgesamt sei das Qualifikationsniveau unter den Neuankömmlingen aber sehr hoch. „Wir gehen davon aus, dass ein sehr hoher Anteil der Geflüchteten, hauptsächlich sind es Frauen, eine akademische Ausbildung hat“, sagte Brücker, der mittelfristig gute Jobaussichten für die Geflüchteten sieht. So könnten Firmen Ukrainerinnen und Ukrainer mit deutschen Sprachkenntnissen einstellen, die wiederum Wissen und Fertigkeiten an ihre Landsleute ohne Sprachkenntnisse vermittelten. Der Bedarf an Sprachvermittlern steige, sagte Brücker. „2015 gab es das auch schon, dass Geflüchtete mit guten Sprachkenntnissen dort integriert wurden.“

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Hohe Selbständigkeitsrate erwartet

Der Arbeitsmarktforscher erwartet zudem, dass langfristig ein vergleichsweise hoher Anteil der Geflüchteten aus der Ukraine in selbstständigen Berufen arbeiten wird. Üblicherweise seien in den ersten Jahren nach Ankunft nur ein bis drei Prozent der Migranten selbstständig. Nach zehn bis 15 Jahren steige der Anteil auf rund zehn Prozent: „Unter Migrantinnen und Migranten, die länger hier sind, gibt es eine leicht höhere Selbstständigkeitsquote als in der deutschen Bevölkerung.“ Das liege auch daran, dass viele Zugewanderte auf dieser Basis Waren oder Dienstleistungen für die eigene Community anböten.

Allerdings seien Unternehmensgründungen nicht einfach und würden nicht über Nacht geschehen. „Selbstständigkeit ist für viele nicht der erste Schritt in die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland – sondern wahrscheinlich erst der zweite“, sagte Brücker. (epd/mig)

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