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Das Bundeskanzleramt in Berlin © michael.berlin @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

„Round Table“ im Kanzleramt

Ukraine Flüchtlinge werden wohl länger bleiben

Sozialverbände gehen davon aus, dass viele Ukraine-Flüchtlinge länger bleiben werden. Bei der Integration gibt es viele Baustellen: Sprachkurse, Jobs, Kita- und Schulplätze. Der Lehrerverband fordert unkomplizierte Hilfe. Im Kanzleramt gab es einen ersten „Round Table“.

Montag, 25.04.2022, 20:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 26.04.2022, 5:53 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Sozialverbände begrüßen die Initiative der Bundesregierung, mit Ländern, Kommunen und Zivilgesellschaft die Lage der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland zu verbessern. Dazu gab es am Montag im Kanzleramt einen ersten „Round Table #Ukraine – gutes Ankommen vor Ort“. Ulrich Lilie, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege sagte, „wir sehen uns in der Pflicht, die Versorgung und Integration der geflüchteten Menschen zu unterstützen“. Das aber sei nur gemeinsam mit den Akteuren auf allen politischen Ebenen möglich.

Innenministerin Nancy Faeser (SPD) sprach von einem „engen Schulterschluss zwischen Bund, Ländern, Kommunen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Kirchen, Gewerkschaften und Helfern überall in unserem Land“. Man habe binnen weniger Tage für eine unbürokratische Aufnahme in der gesamten EU gesorgt. Integrations- und Sprachkurse seien unmittelbar geöffnet worden, um ein schnelles und gutes Ankommen zu ermöglichen.

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Alabali-Radovan: Rückkehr ungewiss

Reem Alabali-Radovan (SPD), Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, die gemeinsam mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu dem Treffen eingeladen hatte, sagte: „Viele Geflüchtete wollen so schnell wie möglich zurück in ihre Heimat, doch wann das möglich sein wird, ist ungewiss.“ Daher sollten alle die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Diesem Ziel diene der Round Table.

Im Mittelpunkt des Treffens stand nach ihren Angaben der Austausch mit ukrainischen und russischsprachigen Organisationen, Verbänden, Kirchen und Religionsgemeinschaften. Dabei sei es um vier spezielle Handlungsfelder gegangen: Die Aufnahme, Verteilung und Unterbringung der Menschen, den Umgang mit besonders hilfebedürftigen Personengruppen, den Arbeitsmarkt sowie die schulische Bildung der geflohenen Kinder und die Aufnahme von Studenten an deutschen Unis.

Lehrerverband fordert unkomplizierte Hilfe

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, plädiert für eine unbürokratische Hilfe für ukrainische Flüchtlingskinder an deutschen Schulen. „Vor Ort müssen wir flexibel sein“, sagte er dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. Das könne bedeuten, Kinder und Jugendliche auch in Regelklassen zu integrieren, „in denen sie dann am Musik- und Sportunterricht und allen Themen teilnehmen können, in denen sie nicht perfekte Deutschkenntnisse brauchen“. Zusätzlich müsse separater Deutsch-Unterricht angeboten werden.

Deutschland werde nach seiner Einschätzung in diesem Jahr nicht genügend Lehrkräfte einstellen können, um alle Kinder von ukrainischen Geflüchteten in die Schulen integrieren zu können, ergänzte der Lehrer-Präsident. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Karin Prien (CDU), hatte errechnet, dass Deutschland etwa 24.000 zusätzliche Lehrkräfte brauche, wenn rund 400.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine nach Deutschland kämen. „Das ist nicht zu schaffen“, sagte Meidinger. Die Länder müssten von insgesamt 900.000 Lehrer jedes Jahr bereits rund 30.000 ersetzen, die in den Ruhestand gingen.

Diakonie fordert Mittel für Integration

Diakonie-Präsident Lilie verwies auf den großen Einsatz etwa der Migrationsfachdienste. „Für diese Angebote muss der Bund die nötigen Mittel bereitstellen“, unterstrich Lilie. Damit die Integration gelingen könne, müssten die Integrationsmöglichkeiten vor Ort und eine gute Versorgungsstruktur die wichtigsten Kriterien für die Zuweisung der Wohnorte sein. Lilie sprach sich zudem dafür aus, den Geflüchteten zügig den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Auch sollten die Anerkennungsverfahren für mitgebrachte Qualifikationen deutlich vereinfacht werden.

Über die Hälfte der Schutzsuchenden seien in privaten Wohnungen aufgenommen worden, sagte Caritaspräsidentin Eva Welskop-Deffaa. Doch Gastgeber und Geflüchtete müssten jetzt dringend unterstützt werden, damit die Bereitschaft zur Unterbringung weiterbestehe. Um mögliche Konflikte zu vermeiden, brauche es vorherige Beratung, Unterstützung beim Matching und Begleitung während der Aufnahme der Menschen. Welskop-Deffaa: „Ein digitales Vermittlungsportal ist aus unserer Sicht allein nicht ausreichend. Ohne Unterstützung drohen Enttäuschung und Überforderung oder gar ein Abbruch der Aufnahme.“ (epd/mig)

Leitartikel Politik
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