Fridays for Future, Klima, Umwelt, Klimawandel, Demonstration
"Fridays for Future"-Demonstration in Köln © verchmarco @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

„Kulturelle Aneignung“

Musikerin wegen Dreadlocks von „Fridays for Future“ ausgeladen

Die Klimaschutzbewegung „Fridays für Future“ hat eine gebuchte Musikerin ausgeladen, weil sie Dreadlocks trägt. Begründung: Bei weißen Menschen sei das eine Form der kulturellen Aneignung. „Fridays for Future“ ruderte inzwischen zurück, hält an der Absage aber fest.

Donnerstag, 24.03.2022, 5:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 24.03.2022, 5:59 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die hannoversche Ortsgruppe der Klimaschutzbewegung „Fridays für Future“ hat eine für den Klimaprotest am Freitag gebuchte Musikerin ausgeladen, weil sie Dreadlocks trägt. Die Münsteranerin Ronja Maltzahn machte die Absage ihres Auftritts am Mittwoch per Instagram öffentlich. Die Klimaaktivisten hätten ihr mitgeteilt, dass Dreadlocks „bei weißen Menschen eine Form der kulturellen Aneignung“ seien, erklärte Maltzahn. „Fridays for Future“ entschuldigte sich bei der Sängerin, rechtfertigte aber zugleich die Entscheidung.

Der Sängerin zufolge hatte die Initiative ihr mitgeteilt, sie dürfe nur dann auftreten, wenn sie bis dahin ihre Dreadlocks abschneide. „Fridays for Future“ setze „auf ein antikolonialistisches und antirassistisches Narrativ“.

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In der Stellungnahme der Klima-Aktivisten heißt es dazu: „Es war nicht okay, wie wir formuliert haben, dass durch ein Abschneiden der Haare ein Auftritt bei uns wieder möglich wäre.“ Dies sei ein Eingriff in die Privatsphäre, der so nicht hätte passieren dürfen, „vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Frauen in dieser sexistischen Gesellschaft häufig aufgrund ihres Aussehens zurechtgewiesen werden“.

Dreadlocks ein Widerstandssymbol

Dennoch halte die Initiative an der Entscheidung fest. „Dreadlocks wurden erst durch die Versklavung Schwarzer Menschen aus afrikanischen Ländern und Indien in die USA gebracht, wo sie später in Bürgerrechtsbewegungen Schwarzer Menschen zum Widerstandssymbol wurden“, argumentieren sie. Eine weiße Person, die Dreadlocks trage, müsse sich dagegen aufgrund ihrer Privilegien nicht „mit der Geschichte oder dem kollektiven Trauma der Unterdrückung auseinandersetzen“.

Vielmehr bekomme sie für dieselbe Frisur Komplimente, für die schwarze Menschen rassistisch angefeindet würden. Wichtig sei zudem, dass Schwarze, Indigene und People of Color Raum innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung bekämen, der ihnen bis jetzt nicht genug eingeräumt worden sei.

Maltzahn enttäuscht

Maltzahn zeigte sich enttäuscht über die Absage. „Wir möchten keinen Menschen aufgrund von seiner/ihrer kulturellen Herkunft diskriminieren, sondern vielmehr kultureller Vielfalt eine Bühne geben“, kommentierte sie die Absage. Zugleich betonte sie, dass sie keinen Konflikt anzetteln wolle, da sie die Werte des Bündnisses teile. „Ich hoffe, dass es für diese eigentlich tolle Organisation ‚Fridays for Future‘ nicht zu viel blöden Pressewind geben wird.“

Dreadlocks sind Strähnen verfilzter Kopfhaare. Im Zuge der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten trugen Afroamerikaner Dreadlocks Frisuren bewusst als Ausdruck ethnischen Stolzes. (epd/mig)

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