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Christiane Carstensen © privat, Zeichnung: MiG

Sprachhintergrund

Den Fisch zu Ende putzen

Das Forschungszentrum des Bamf hat eine Studie „Digitales Lehren und Lernen im Integrationskurs - Herausforderungen und Potenziale aus der Sicht der Lehrkräfte“ vorgelegt, deren Fazit allenfalls ein erster Aufschlag sein kann.

Von Montag, 15.11.2021, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 12.11.2021, 11:29 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Seit Sommer vergangenen Jahres ist es möglich, Integrationskurse pandemiebedingt online durchzuführen. Das Bamf hat dazu in einer Studie siebzehn Lehrkräfte nach ihren Erfahrungen befragt.

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18 Monate nach dem ersten Lockdown lautet ein Fazit der Studie, dass der Übergang zum Virtuellen Klassenzimmer in den meisten Fällen nur deswegen bewerkstelligt werden konnte, weil sich die betreffenden Lehrkräfte dieser Aufgabe mit einem hohen Grad an Eigeninitiative und mit viel Zeitaufwand gestellt haben.

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„Vieles war nur möglich, weil Lehrkräfte und Träger die Einführung der Teilnehmenden in den digitalen Unterricht mit viel unbezahlter Zeit bewältigt haben.“

Nun, das wussten Praktiker schon gleich zu Beginn des ersten Lockdowns, als wir uns auf der Suche nach entsprechenden Fortbildungen in anderen Bildungsbereichen oder auch in den deutschsprachigen Nachbarländern umsehen mussten. Dank an dieser Stelle an die großen Lehrwerksverlage, die blitzschnell das Vakuum gefüllt und Lehrkräfte durch großartige und kostenfreie Fortbildungsangebote unterstützt haben.

Außerdem kommt die Studie zu dem Fazit, dass alles eben so ist wie es ist, Lehrkräfte und Träger den digitalen Zugang für ihre Teilnehmenden dann doch irgendwie noch organisieren konnten und den Rest habe man gestemmt, indem man ein halbes Jahr später dann doch noch ein Fortbildungsangebot zur Verfügung gestellt hat.

Ich lese aus dieser Studie ein anderes Fazit heraus: Vieles war nur möglich, weil Lehrkräfte und Träger die Einführung der Teilnehmenden in den digitalen Unterricht mit viel unbezahlter Zeit bewältigt haben. Es gibt immer noch kein zufriedenstellendes Konzept, Lernende mit digitalen Endgeräten und Internetzugang zu versorgen.

Außerdem: In den Integrationskursen gibt es keine Steuerungsprozesse, die den Bedarf oder Herausforderungen der Praxis erkennen und zeitnah darauf reagieren. Es gibt für die Integrationskurse keine Fortbildungsstrukturen, die es Lehrkräften erlauben, sich bei Herausforderungen wie einer Pandemie (oder auch schon 2015 beim Thema Trauma/ Flucht) zeitnah, bedarfsorientiert und zielgerichtet weiterzubilden.

Es braucht eine konsequente Ausrichtung des Bamf auf eine unterstützende und fragende Steuerungskultur, die nah an den Akteuren und Prozessen agiert.

Der Fisch ist noch nicht geputzt.

Meinung
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