Hanau, Rassismus, Rechtsextremismus, Opfer, Gedenken
Hanau ein Jahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag © Szene aus epd-Video, bearb. MiG

Kampf gegen Rassismus

Angehörige der Hanau-Opfer bekommen Aachener Friedenspreis

Sie kämpfen gegen Rassismus und engagieren sich für ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen: Zwei Initiativen der Hinterbliebenen von Hanau und ein interreligiöser Frauenrat aus Nigeria haben den Aachener Friedenspreis erhalten.

Montag, 15.11.2021, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 14.11.2021, 11:49 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

In Aachen ist am Samstagabend der Aachener Friedenspreis verliehen worden. Die Auszeichnung ging in diesem Jahr an die von Angehörigen der Opfer des Anschlags von Hanau gegründeten Projekte Initiative 19. Februar und Bildungsinitiative Ferhat Unvar. Außerdem wurde die interreligiöse Fraueninitiative Women’s Interfaith Council (WIC) aus Nigeria geehrt.

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Bei der Preisverleihung in der Aula Carolina erinnerte die Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen (parteilos) an das „unermessliche Leid“, das die Preisträgerinnen und Preisträger erfahren hätten. „Es ist wichtig, dass wir diese Menschen nicht alleine lassen, dass wir laut sind, dass wir erinnern und dass wir alle gemeinsam Botschafter des Friedens sind und für die Vielfalt unserer Gesellschaft gemeinsam kämpfen.“

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Die Initiative 19. Februar Hanau wurde 2020 von den Angehörigen der Ermordeten – neun Hanauer mit Migrationshintergrund – gegründet, um ihrer Solidarität und den Forderungen nach Aufklärung und politischen Konsequenzen einen dauerhaften Ort zu geben. Mit der Bildungsinitiative Ferhat Unvar leistet ein Team um Serpil Temiz Unvar, Mutter eines der Mordopfer, Empowerment- und Aufklärungsarbeit gegen Rassismus.

Im Bewusstsein halten

Beide Initiativen sorgten dafür, „dass rassistische Morde im Bewusstsein aller bleiben, damit sich das gesellschaftliche Klima verändert und rassistische Ressentiments nie wieder Menschenleben kosten“, hieß es in der Preisbegründung. Die Auszeichnung solle diese mutigen Schritte der Angehörigen stärken und ein öffentliches Zeichen der Solidarität und Unterstützung setzen. Die beiden Initiativen teilen sich das Preisgeld von 2.000 Euro.

Die Initiative WIC setzt sich nach Angaben des Friedenspreis-Trägervereins seit 2010 in der nigerianischen Krisenregion Kaduna für ein gewaltfreies Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen ein. Die auf Initiative der irischen Ordensfrau Kathleen McGarvey gegründete Organisation bestehe inzwischen aus 23 christlichen und muslimischen Frauenverbänden mit insgesamt rund 12.650 Frauen.

Teufelskreis der Gewalt

Viele der Frauen seien Witwen und hätten mit ansehen müssen, wie ihre Männer und Kinder in gewaltsamen ethnisch-religiöse Konflikten ermordet wurden. „Gemeinsam wollen sie den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen“, hieß es in der Würdigung. „Gezielt wenden sie sich gegen den Missbrauch ihrer Religion für politische Zwecke und fordern Mitsprache bei Entscheidungsprozessen in ihren männerdominierten Gemeinschaften.“ Die Fraueninitiative erhielt ebenfalls 2.000 Euro.

Seit 1988 zeichnet der Verein Aachener Friedenspreis jedes Jahr Menschen und Gruppen aus, die an der Basis für Frieden und Verständigung arbeiten. Die erste Auszeichnung ging an die evangelischen Pfarrer Werner Sanß und Jutta Dahl, die mit Sitzblockaden vor Nato-Stützpunkten gegen die sogenannte Nachrüstung protestierten. Weitere Preisträger waren unter anderen Pro Asyl, die Petersburger Soldatenmütter, die türkische Menschenrechtsanwältin Eren Keskin und Brecht-Tochter Hanne Hiob. (epd/mig)

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