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Rettungsschiff "Sea-Eye 4" © Guillaume Duez

„Sea-Eye“ darf anlegen

300 Flüchtlinge auf „Ocean Viking“ warten weiter auf sicheren Hafen

Mehr als 1.000 Flüchtlinge haben die „Sea Eye 4“ und die „Ocean Viking“ bei mehreren Einsätzen im Mittelmeer gerettet. Bislang wurde nur einem Schiff ein Hafen zugewiesen. Seenotretter warnen: Überlebende sowohl körperlich als auch psychisch in keinem guten Zustand.

Montag, 08.11.2021, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 07.11.2021, 16:33 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die tagelange Suche nach einem Hafen hat ein Ende: Das Rettungsschiff „Sea-Eye 4“ mit mehr als 800 Flüchtlingen an Bord darf das sizilianische Trapani ansteuern, wie die Rettungsorganisation „Sea-Eye“ mit Sitz in Regensburg am Samstagabend mitteilte. Das private Rettungsschiff werde voraussichtlich Sonntagnachmittag anlegen. Die Seenotretter hatten die Flüchtlinge seit dem vergangenen Dienstag bei sieben Einsätzen im Mittelmeer gerettet.

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„Wir haben auch auf dieser Mission erneut erlebt, wie Rettungsleitstellen nicht mehr auf Notrufe reagieren“, sagte der Sea-Eye-Vorsitzende Gordon Isler. Die EU-Staaten müssten Malta eindringlich dazu ermahnen, dass die Rettungsleitstelle in Valletta endlich wieder auf Notrufe reagiere, unabhängig von der Hautfarbe der Person, die sich in Seenot befinde.

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Langes Warten auf sicheren Hafen

Ein weiteres Rettungsschiff wartet noch auf die Zuweisung eines Hafens. Auf dem von SOS Méditerranée betriebenen Schiff „Ocean Viking“ befinden sich mehr als 300 Menschen. Die maltesischen Behörden hatten der Crew am Freitag nach Angaben der Organisation eine Absage erteilt, wie SOS-Méditerranée-Sprecherin Barbara Hohl mitteilte. „Wir befinden uns also leider in der üblichen Lage: Nach Rettungen müssen wir viel zu lang warten, bis wir endlich einen Hafen zugewiesen bekommen.“

Die Überlebenden seien sowohl körperlich als auch psychisch in keinem guten Zustand. Die Gesamtlage sei brenzlig, sagte Hohl. Die EU-Länder müssten zeitnahe und konkrete Zusagen für die Aufnahme von Menschen machen. Unter den Überlebenden sind nach Angaben von SOS Méditerranée 89 Kinder und Jugendliche. Das Seenotrettungsbündnis Seebrücke forderte ebenfalls einen Hafen für die beiden Schiffe.

Die Suche nach sicherem Hafen

Mit mehr als 1.000 Flüchtlingen an Bord suchen die „Sea Eye 4“ und die „Ocean Viking“ seit Freitag einen Hafen. Die „Sea Eye 4“ hatte die bis zu 850 Flüchtlinge seit Dienstag bei sieben Einsätzen im Mittelmeer gerettet. Allein in der Nacht zu Donnerstag nahm die „Sea Eye 4“ bei einem gemeinsamen Einsatz mit der „Rise Above“ des Dresdner Vereins Mission Lifeline etwa 400 Menschen an Bord. Unter den Überlebenden seien mehr als 200 Kinder, sagte Isler.

Ausgelegt ist die „Sea Eye 4“ für etwa 200 Menschen. Die größte Sorge an Bord war, dass es nicht genug Decken gebe und die Lebensmittelvorräte knapp werden. Isler hatte die sofortige Beendigung der Ausnahmesituation gefordert. Aufgrund der Enge und der Dunkelheit unter Deck waren mehrere Personen kollabiert.

Die Überfahrt über das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bislang mindestens 1.559 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer könnte weit höher liegen. (epd/mig)

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