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Fernsehkamera © Marcus Sümnick @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Studie

Mehr negative Berichterstattung über Flüchtlinge

Medien berichten immer seltener und zunehmend negativer über Flüchtlinge. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Die Autoren nehmen Journalisten aber in Schutz. Schuld seien die Auswahlkriterien.

Freitag, 16.07.2021, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 15.07.2021, 16:35 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Medien in Deutschland berichten laut einer Studie immer seltener und zunehmend negativer über die Themen Flucht und Migration. „In den Jahren 2015/2016, auf dem Höhepunkt der Zuwanderung, war die Bewertung der Geflüchteten noch sehr positiv, doch das hat sich sehr schnell geändert“, sagte der Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz am Donnerstag bei der Online-Vorstellung der Studie.

Ein Team der Universität hatte die Beiträge von sechs Leitmedien in den vergangenen fünf Jahren analysiert. Die Untersuchung wurde mit finanzieller Unterstützung der Essener Mercator Stiftung ermöglicht. „Seit zwei Jahren sind positive Bewertungen kaum noch zu messen, zum Beispiel werden die Chancen für kulturelle Vielfalt nicht thematisiert“, betonte Maurer. Dies sei vor allem bei den Nachrichtensendungen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender festzustellen.

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„Bild fällt negativ auf

Als Individuen träten Flüchtlinge nur selten in den Medien in Erscheinung, höchstens im Zusammenhang mit Terror und Kriminalität. Zwei Drittel der Zeitungs- und Fernsehberichte hätten sich mit allgemeinen politischen Themen wie dem „Asylstreit“ in der großen Koalition beschäftigt. Bei bildlichen Darstellungen seien hauptsächlich Männer gezeigt worden. „Allerdings stellen Kinder die größte Gruppe der Asylstellenden“, sagte Maurer.

Insgesamt zeigten sich zwei unterschiedliche Tendenzen, hieß es. Einerseits würden die Berichte die Menschen in Not darstellen, denen Hilfe zustehe. Andererseits werde die Gefahr für die Sicherheit der einheimischen Bevölkerung betont. Besonders negativ aufgefallen sei dabe das Boulevardblatt „Bild“. Sie habe „Flüchtlingskriminalität und andere negative Folgen der Zuwanderung für die Innere Sicherheit deutlich häufiger als die anderen Medien“ thematisiert.

Experte nimmt Journalisten in Schutz

Maurer warnte jedoch davor, den Redaktionen eine besondere Schuld zuzuschreiben oder Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen. Die Gründe lägen vielmehr in den Auswahlkriterien der journalistischen Arbeit. Es werde nicht kontinuierlich, sondern nur ereignisbezogen berichtet. „Das Beispiel eines gut integrierten Flüchtlings ist unspektakulär“, stellte Maurer fest. Außerdem habe die Corona-Pandemie die Berichterstattung zunehmend dominiert.

Für die Studie „Fünf Jahre Medienberichterstattung über Flucht und Migration“ wurden knapp 6.000 Beiträge von „Süddeutscher Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Bild“, Tagesschau, ZDF heute und RTL aktuell ausgewertet. (epd/mig)

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