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Lernen (Symbolfoto) © lourdesnique @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Studie

Kita und Schule fördern Integration von geflüchteten Kindern

Die Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen gelingt zu großen Teilen – dank Kita- und Schulbesuch. Es gibt aber auch Herausforderungen für das Bildungssystem. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.

Dienstag, 13.07.2021, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 12.07.2021, 14:28 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Kinder von geflüchteten Familien, die eine Kita oder eine Schule besuchen, sind wesentlich besser integriert als jene, die das Bildungssystem nicht erreicht. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie, die das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe am Freitag in Berlin vorstellte. Vor allem trügen Kita und Schule dazu bei, dass die Kinder gute Deutschkenntnisse erwerben, sagte Studienleiterin Jutta von Maurice. Allerdings reichten diese für geflüchtete Jugendliche in der Regel nicht aus, um sie für Abitur oder Hochschule zu qualifizieren. Hierzu seien spezielle Sprachangebote nötig.

Danach besuchten fast 80 Prozent der befragten Kinder, die überwiegend aus syrischen Flüchtlingsfamilien stammten, eine Kindertagesstätte. Die Quote liegt weiter hinter gleichaltrigen Kindern ohne Migrationshintergrund. Diese beträgt der Studie zufolge fast 98 Prozent und bei Kindern mit Migrationshintergrund rund 94 Prozent.

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Kein Kita-Platz

Aus der vergleichsweise geringen Kita-Quote lassen sich allerdings keine Rückschlüsse auf eine etwaige Verweigerungshaltung schließen. Der Studie zufolge geben Eltern, deren Kinder keine Kita besuchen am häufigsten an, dass sie keinen Betreuungsplatz gefunden haben. Lediglich ein ganz kleiner Teil der Eltern (8 Prozent) gaben religiöse oder kulturelle Werte als Grund an.

Die befragten Jugendlichen werteten ihre Sprachqualifikation als ausreichend, um sich vorzustellen, nach dem Weg zu fragen oder Gespräche über vertraute Themen zu führen. Einen einfachen Zeitungsartikel konnten der Studie nach aber nur knapp 45 Prozent der Befragten verstehen, Literatur und Sachbücher nur noch knapp 19 Prozent. Einen anspruchsvollen Text konnten nur 15 Prozent verfassen.

Forscher: Fluchterfahrungen berücksichtigen

Insgesamt, so die Studienautoren, gelinge die Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen zu großen Teilen. Allerdings gebe es auch Herausforderungen. „Wenn man die Situation der Familien und der Kinder im vorschulischen Alter und die der Jugendlichen in Deutschland betrachtet, so müssen immer die Dauer der Flucht und die dabei erfahrenen, möglicherweise traumatisierenden Erlebnisse und Umstände berücksichtigt werden“, so die Forscher. Schon mit einer durchschnittlichen Fluchtdauer von zehn Monaten würden die Jugendlichen ein Schuljahr verlieren. Der Studie zufolge hat etwa ein Viertel der Familien sogar eine Fluchtdauer von mehr als einem Jahr erfahren, etwa jede 7. Familie sogar mehr als 2 Jahre.

Das Bundesforschungsministerium hatte die Studie 2015 in Auftrag gegeben. Das Leibniz-Institut führte im Zeitraum von 2018 bis 2020 fast 3.300 Elterninterviews durch und befragte rund 2.400 Kinder und ebenso viele Jugendliche in Bayern, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Nicht erfasst ist in der Studie der Bildungswerdegang unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. (epd/mig)

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