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Ali Baş © Zeichnung: MiG

Ramadan und Corona

Neues Jahr, selbe Schallplatte

Für Millionen Muslime beginnt der Fastenmonat Ramadan. Eigentlich eine schöne Zeit, wenn nicht schon wieder so viele Zeigefinger in Richtung Muslime zeigen würden.

Dienstag, 13.04.2021, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 12.04.2021, 17:40 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Für Millionen Muslim:innen beginnt der Fastenmonat Ramadan. Eigentlich eine schöne Zeit, in der man sich gegenseitig zum Fastenbrechen besucht, die abendlichen Gebete in der Moschee aufsucht, für die Armen spendet, aber sich auch spirituell zurückzieht. Es sieht so aus, als ob der Ramadan 2021 ähnlich wie der Ramadan 2020 aussehen dürfte.

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Im vergangenen Jahr fiel vieles, was den Ramadan ausmacht, weitgehend aus. Wir erinnern uns an die mahnenden Worte vonseiten der hiesigen Politik, insbesondere von so manchen CDU-Politiker:innen, die schon vor Beginn des Ramadans ganze Schlemmerorgien mit Familien und Nachbarn in muslimischen Haushalten vor Augen hatten, die dann noch in Scharen zum Ramadangebet in die Moschee düsen. So z.B. die amtierende Integrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz, die einen Vorfall in Neukölln zum Anlass nahm, um sämtliche muslimische Organisationen bundesweit „in die Pflicht zu nehmen“. Dabei hatten viele Gemeinden schon Wochen vorher freiwillig ihre Gebetshäuser geschlossen.

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Als ob das nicht schon der Gipfel der Markierungen von Minderheiten war, sprangen besonders in den sozialen Medien die üblichen Verdächtigen aus der extrem-rechten Ecke auf den Zug auf, die die haarsträubende These verbreiteten, Kanzlerin Merkel würde angeblich den Lockdown „pünktlich zum Zuckerfest“ am Ende des Ramadans aufheben.

Beatrix von Storch von der fiesen AfD stieß sogleich ins Parallelgesellschaftshorn und mahnte gar „keine Sonderrechte“ für muslimische Gemeinden an. Die rechte Bubble stöhnte klagend „Danke, Merkel!“. Dabei hatte keine Gemeinde derartiges zuvor gefordert.

Es war der merkwürdigste Ramadan, den wir je erlebt haben. Gebetet und gegessen wurde fast ausschließlich zu Hause. Mit dem Freundeskreis und mit der Oma wurde lieber telefoniert. Aber es war auch für viele selbstverständlich, dass 2020 alles anders war. Gesundheit und Rücksicht gehen vor, auch im Glauben.

Nun ist wieder Ramadan und die Rahmenbedingungen durch die Pandemie haben sich nicht großartig geändert. In die Moscheen dürfte es, wenn überhaupt, mit Anmeldung, eigenem Gebetsteppich, Maske und Abstand gehen. Fastenbrechen dürften auch dieses Jahr nicht in großen Gruppen stattfinden, zumal mittlerweile fast jede/r mindestens einen Coronafall in der näheren Umgebung mitbekommen haben dürfte.

Es wird wohl auch dieses Jahr so manche C-Politiker:innen im Superwahljahr nicht davon abhalten, mit mahnendem Zeigefinger Richtung muslimische Community zu schauen und öffentlich zum Verzicht von Gebeten in Moscheen aufzurufen. Kann ja nicht schaden, selbst wenn zuvor Ostergottesdienste noch vehement verteidigt wurden.

Und auch unsere rechten Trolle sind schon wieder fleißig. Die Schallplatte von den Merkel-Lockerungen „pünktlich zum Zuckerfest“ ist schon wieder in der Dauerrotation. Wie gut, dass es gegen derartige üble Fakenews mittlerweile gute Faktenchecks online gibt.

Zum Schluss noch ein frommer Wunsch zum Beginn des Ramadans: Impftermine für alle wären nicht schlecht. Dann könnte Ramadan 2022 um einiges entspannter werden.

In diesem Sinne: guten Start in die Fastenzeit! Stay healthy.

Meinung
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