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Lernen (Symbolfoto) © lourdesnique @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

„Generation Corona“

Kinderschutzbund warnt: Kinder aus Flüchtlingsfamilien fallen zurück

Der Deutsche Kinderschutzbund fordert Millionen-Investitionen für Kinder und Jugendliche nach der Corona-Krise. Besonders Kinder aus prekären Verhältnissen drohten, in einem Dunkelfeld zu verschwinden, warnt Präsident Heinz Hilgers.

Montag, 15.03.2021, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 14.03.2021, 13:22 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, warnt vor einer verlorenen „Generation Corona“. Hilgers forderte am Freitag deshalb von Bund und Ländern vorrangige Investitionen in Kinder und Jugendliche nach Ende der Corona-Krise. Auf keinen Fall dürfe bei dem sicher aufkommenden Spardruck bei der Kinder- und Jugendarbeit gekürzt werden, sagte Hilgers auf einer Online-Pressekonferenz: „Hier erwarte ich ein klares Bekenntnis von Bund, Ländern und Gemeinden.“

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie verlangten Kinder und Jugendlichen besonders viel ab, auch wenn die Akzeptanz dafür bei ihnen hoch sei, sagte er. Vor einem Jahr, am 16. März 2020, hatten Bund und Länder erstmals Corona-Eindämmungsmaßnahmen beschlossen.

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Migranten stark betroffen

Besonders Kinder und Jugendliche aus armen oder belasteten Familien drohten, durch die Pandemie in einem Dunkelfeld zu verschwinden, warnte der Verbandspräsident. Kinder aus Flüchtlingsfamilien fielen bei geschlossenen Kitas im Spracherwerb zurück und brauchten wie auch Kinder aus Hartz-IV-Familien die Förderungen in Kitas und Schulen besonders. Für Kinder und Jugendliche in Förderschulen sei wiederum Fernunterricht nicht zu leisten, sie bräuchten die direkten Anregungen vor Ort. Kinder in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe könnten wegen Quarantäne-Maßnahmen nur sehr eingeschränkten Kontakt zu ihren leiblichen Eltern halten. „All diese Kinder werden im Moment nicht gesehen“, sagte Hilgers.

Studien belegen, wie sich die Lebensqualität und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland im Verlauf der Corona-Pandemie verschlechtert. Einer Erhebung zufolge leidet fast jedes dritte Kind ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten. Sorgen und Ängste haben zugenommen, auch depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden sind verstärkt zu beobachten. „Erneut sind vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund betroffen“, so die Verfasser der Studie.

Sommerschulen und Samstagsunterricht

Der Kinderschutzbund fordert deshalb, nach der Corona-Krise Freizeit- und Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche auszubauen. Auch müssten Sommerschulen und Samstagsunterricht angeboten werden, um Lernstoff nachzuholen. Der Verband fordert außerdem einen Ausbildungspakt mit den Arbeitgeberverbänden, um jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zu garantieren sowie ein Corona-Ferienprogramm der Bundesregierung, um beispielsweise Schwimmkurse oder Sprachlernkurse nachzuholen. Besonders die sowieso schon benachteiligten Kinder und Jugendlichen brauchten jetzt „eine faire Chance“, sagte Hilgers.

Viele Kinder und Jugendliche würden von Zukunftsängsten und Einsamkeit geplagt. In einer Umfrage im Auftrag des Kinderschutzbundes gaben 45 Prozent an, Zukunftsangst zu haben, 26 Prozent empfinden das zum Teil. Mehr als zwei Drittel (65 Prozent) fühlten sich von der Politik nicht wahrgenommen. Kinder- und Jugendpsychiater warnten zudem vor steigenden psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. So beklagen ein Drittel, sie fühlten sich einsam, weil sie ihre Freunde nicht sehen können.

Mehr Anrufe wegen Suizidgedanken

Bei den Online-Beratungen des Kinderschutzbundes habe die Zahl der E-Mails von Kindern um ein Drittel, von den Eltern sogar um zwei Drittel zugenommen, sagte Hilgers. Die Telefonhotline des Verbandes, die „Nummer gegen Kummer“, registrierte 2020 im Vergleich zum Vorjahr 700 Anrufe mehr wegen eines Suizidgedankens.

Er sei nicht bereit, eine „Generation Corona“ in Kauf zu nehmen, betonte der Kinderschutzbund-Präsident. Mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung ließe sich dies verhindern. Der 1953 gegründete Kinderschutzbund ist nach eigenen Angaben mit 50.000 Mitgliedern in über 400 Ortsverbänden die größte Kinderschutzorganisation Deutschlands. (epd/mig)

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