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Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschaland © Zentralrat der Juden in Deutschland

Appelle zum Holocaust-Gedenktag

Josef Schuster: NS-Aufarbeitung muss in jeder Generation stattfinden

Millionen jüdische Männer, Frauen und Kinder, Sinti, Roma, Menschen mit einer Behinderung, Homosexuelle und viele andere mehr wurden von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet. Daran wird am Holocaust-Gedenktag erinnert.

Dienstag, 26.01.2021, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 25.01.2021, 16:28 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar wird in Deutschland bundesweit an die Nazi-Gräuel erinnert. Die Aufarbeitung der NS-Zeit müsse weiter „in jeder Generation stattfinden“, Deutschland könne vor seiner Vergangenheit „nicht davonlaufen und in der Gegenwart nicht wegschauen“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, am Montag in Würzburg bei einem Gedenkakt des bayerischen Landtags zusammen mit der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Viele Politiker riefen zum Gedenken an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus auf. Am Mittwoch findet dazu die traditionelle Gedenkstunde im Bundestag statt.

Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst, verlangt von Polizei und Justiz einen härteren Kurs im Umgang mit Rechtsradikalen. „Wir müssen in der Justiz viel mehr tun“, sagte Fürst dem „Evangelischen Pressedienst“ mit Blick auf den Holocaust-Gedenktag. Durch richterliche „Streicheleinheiten“ ließen sich rechtsgerichtete Gruppen nicht beeindrucken. Das sei vielen Richtern und Staatsanwälten jedoch nicht hinreichend deutlich. Die Anklageerhebung und die Eröffnung der Verfahren dauerten oft viel zu lange, kritisierte Fürst. „Und dann muss der Prozess schnell erledigt werden. Aber das geht nicht.“ Auch die Polizei müsse mehr Stärke gegenüber rechten Gruppen zeigen dürfen. Der Rechtsanwalt Michael Fürst steht seit 40 Jahren an der Spitze des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen.

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Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte am Montag, der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar sei und bleibe ein zentrales Datum der deutschen Erinnerungskultur. Dabei gehe es auch um die Zukunft der nachfolgenden Generationen. Müller betonte, man müsse sich immer wieder bewusstmachen, wie fragil eine Demokratie sein könne, und dass sie täglich geschützt werden müsse.

Neue Wanderausstellung

Mit einer neuen Wanderausstellung unter dem Titel „Toleranz-Tunnel“ soll ab September auf öffentlichen Plätzen in Deutschland über die verheerenden Auswirkungen von Intoleranz informiert und gegenseitiger Respekt gefördert werden. Der dafür gegründete Verein stellte das Projekt anlässlich am Montag in Berlin vor. Vier Wände, aufgebaut in Form eines Tunnels, sollen über den Völkermord an den Juden und andere Genozide informieren sowie deren Ursachen schildern und die Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements gegen Menschenhass deutlich machen. Die Schirmherrschaft für das Projekt hat der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, übernommen.

Der Bundestag gedenkt am Mittwoch der NS-Opfer. Gastrednerinnen sind die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, und die Publizistin Marina Weisband. Am 27. Januar 1945 wurde das NS-Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Im Jahr 1996 hatte der damalige Bundespräsident Roman Herzog (1934-2017) den 27. Januar zum nationalen Gedenktag erklärt. (epd/mig)

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