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Ärztin oder Putzfrau? © Todd Baker << technowannabe auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Corona

Fehlende Impfungen für Haushaltshilfen aus Osteuropa kritisiert

Private Haushaltshilfen kommen oft aus Osteuropa und verhindern nicht selten, dass Pflegebedürftige ins Heim umziehen müssen. Sie leben auf engem Raum mit den Senioren daheim. Doch schnell geimpft werden die Frauen nicht.

Mittwoch, 13.01.2021, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 12.01.2021, 10:43 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Der Berliner Integrationsforscher Niklas Harder vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) hat eine bevorzugte Impfung auch für Pflegekräfte in Privathaushalten gefordert. Wolle man daheim lebende Senioren im Alter über 80 Jahren wirksam schützen, „müssen ihre regelmäßigen Kontaktpersonen geimpft werden, also auch ausländische Betreuerinnen“, sagte Harder dem „Evangelischen Pressedienst“.

Dass diese Hilfskräfte oft selbst schon zur Altersgruppe mit einem erhöhten Risiko gehörten, zeige, wie dringend diese Impfungen sind. Bisher wird nur Pflegepersonal, das in Heimen und bei ambulanten Diensten angestellt ist, bevorzugt mit höchster Priorität geimpft.

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Schätzungen gehen laut Harder davon aus, dass etwa 70 Prozent der pflegebedürftigen Menschen nicht in Heimen, sondern in den eigenen vier Wänden betreut werden. Sie werden in vielen Fällen von mindestens 100.000 ausländischen Betreuerinnen gepflegt, oft stammen diese aus Osteuropa. „Wenn die größte Gefahr für immobile Hochbetagte von ihren direkten Kontaktpersonen ausgeht, dann müssen auch ausländische Hilfskräfte schnell geimpft werden“, argumentierte Harder.

Nachfrage gestiegen

Die Nachfrage nach privaten Haushaltshilfen sei laut den Vermittlungsagenturen während der Pandemie noch gestiegen. Grund sei etwa der Aufnahmestopp bei manchen Pflegeheimen gewesen. Andere hätten Angst, ihre Angehörigen nicht mehr besuchen zu können, wenn diese ins Heim kämen, sagte der Integrationsforscher: „Manche Agenturen warben deshalb während der Pandemie sogar im polnischen Fernsehen oder gewährten Sonderzahlungen, um neue Pflegekräfte zu gewinnen.“

Harder verwies auf das Forschungsprojekt des DeZIM „Häusliche Pflege in Zeiten der Pandemie“. Dort wurden vor allem Frauen aus Polen genauer betrachtet, die hierzulande in Haushalten von Senioren arbeiten. „Dabei haben wir festgestellt, dass dieses grenzüberschreitende Betreuungssystem auch während der andauernden Pandemie weiter funktionierte.“ Das gelte sogar für den Zeitraum, in dem die Grenzen zwischen Deutschland und Polen komplett geschlossen waren. (epd/mig)

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