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Prof. Bülent Uçar © Universität Osnabrück

Bülent Uçar

Der Staat muss Moscheegemeinden finanziell unterstützen

Der Osnabrücker Islamexperte Bülent Uçar fordert von der Bundesregierung, Finanzierungsmodelle für Moscheegemeinden zu entwickeln. Es reiche nicht aus Unabhängigkeit vom Ausland zu fordern. Eine Moscheesteuer hält Uçar auf absehbare Zeit für unwahrscheinlich.

Von Mittwoch, 11.11.2020, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 10.11.2020, 18:09 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Der Osnabrücker Islamexperte Bülent Uçar hat die Bundesregierung aufgefordert, parallel zur Ausbildung der ersten Imame in Deutschland auch die Voraussetzungen für deren Anstellung in den Moscheegemeinden zu schaffen. Die Gemeinden seien finanziell nicht in der Lage, Imame angemessen zu bezahlen, sagte Uçar dem „Evangelischen Pressedienst“ vor der am Dienstagnachmittag tagenden Deutschen Islam Konferenz. Deshalb plädiere er dafür, schon jetzt Finanzierungsmodelle für die Moscheegemeinden zu entwickeln.

Im April 2019 werden die ersten Frauen und Männer am neu gegründeten Islamkolleg Deutschland ihre zweijährige Ausbildung zu Imamen, Seelsorgerinnen oder Gemeindepädagogen starten. Die in Osnabrück ansässige Einrichtung wird vom Bund mit jährlich rund einer Million Euro und vom Land Niedersachsen mit jährlich 90.000 Euro für zunächst fünf Jahre finanziert. Die Islam Konferenz mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) beschäftigt sich ebenfalls mit der Ausbildung religiösen Personals islamischer Gemeinden.

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„Wo ein Wille ist, wird man Wege finden“

Zwar dürfe der Staat die Imame, sowie auch Pfarrer oder Rabbiner nicht direkt bezahlen, sagte der Direktor des Instituts für Islamische Theologie der Universität Osnabrück. Aber die deutsche Verfassungsordnung biete genügend Möglichkeiten: „Wo ein Wille ist, wird man Wege finden.“ Der Staat müsse den Gemeinden zu mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit verhelfen. Es reiche nicht aus, nur zu kritisieren, dass Imame von Verbänden, die der Türkei nahe stünden wie etwa Ditib, vom türkischen Staat bezahlt würden.

So könnten Aufgaben, die Moscheegemeinden etwa im Bereich der sozialen Arbeit, der Sprachkurse und der Integration übernähmen, ähnlich wie bei anderen Religionsgemeinschaften vom Staat unterstützt werden: „Dann könnten die Gemeinden mit den Beiträgen der Mitglieder ihre Imame bezahlen.“

Moscheesteuer wird es nicht geben

Eine Moscheesteuer analog zur Kirchensteuer wird es laut Uçar in absehbarer Zeit nicht geben. Er sehe nicht, dass die dazu notwendige Anerkennung der Verbände als Körperschaften öffentlichen Rechts in greifbarer Nähe liege. Umso wichtiger sei es, jetzt andere Finanzierungsmöglichkeiten zu entwickeln. „In Deutschland dauert alles lange“, sagte er. Die Einrichtung des Islamkollegs habe viele Jahre gebraucht.

Das neue Islamkolleg, in dem ausschließlich in deutscher Sprache unterrichtet werde, bereite akademisch ausgebildete Theologen auf ihre Arbeit in den Gemeinden vor. Es leiste damit auch einen Beitrag zur Extremismus-Prävention. Wissenschaftlich fundiert ausgebildetes theologisches Betreuungspersonal leiste einen wichtigen Beitrag zu religiöser Bildung und Erziehung: „Schlechte oder gar keine Bildung führt zur Radikalisierung.“ (epd/mig)

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