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Kinder im griechischen Flüchtlingslager Moria in Lesbos (Archiv) © Tim Lüddemann @ flickr.com (CC 2.0), Tim Lüddemann

Corona im Flüchtlingscamp

Erster Corona-Fall im griechischen Flüchtlingscamp Moria

Ein weiteres Flugzeug mit kranken Kindern und ihren Angehörigen aus griechischen Flüchtlingslagern ist in Hannover gelandet. Niedersachsens Innenminister Pistorius mahnt weiteres Engagement an. Derweil erreicht Corona erstmals das Flüchtlingslager Moria.

Freitag, 04.09.2020, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 03.09.2020, 17:58 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Am Donnerstag sind erneut kranke Kinder und ihre Angehörigen aus griechischen Flüchtlingslagern in Deutschland gelandet. Wie das Bundesinnenministerium in Berlin mitteilte, kamen insgesamt 118 Menschen, darunter 31 Kinder, die medizinische Hilfe brauchen, auf dem Flughafen Hannover an. Sie sind Teil des Kontingents, dass die Bundesregierung aus den prekären Verhältnissen der Camps auf den griechischen Inseln holen will. Die Flüchtlinge werden auf verschiedene aufnahmebereite Bundesländer verteilt. Derweil wurde im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos der erste Corona-Fall bekannt.

„Es freut mich, dass die humanitäre Aufnahme der Kinder von Lesbos weiterläuft“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Die Situation auf den griechischen Inseln, inmitten der EU, sei nach wie vor unerträglich – vor allem für die Schwächsten, die Kinder. „Nach wie vor erwarte ich, dass sich auch andere EU-Staaten stärker an der Aufnahme beteiligen. Es wäre ein Armutszeugnis, wenn wir es nicht gemeinsam schaffen, diesen Menschen zu helfen“, fügte Pistorius hinzu.

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In Niedersachsen bleibe aus der Gruppe eine Mutter mit ihrem behandlungsbedürftigen Kind aus der Demokratischen Republik Kongo, teilte das Landesinnenministerium in Hannover mit. Niedersachsen nimmt damit zum vierten Mal behandlungsbedürftige Flüchtlingskinder und ihre Familien – insgesamt 43 Personen – aus den griechischen Flüchtlingscamps auf.

Erster Corona-Fall im Flüchtlingslager

Am Mittwoch war im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos nach Angaben von Hilfsorganisationen der erste bestätigte Corona-Fall bekanntgeworden. Es handele sich um einen 40-jährigen Somalier, der am Dienstag ins Krankenhaus eingeliefert worden sei, erklärte medico international. Der Mann sei zuvor vom griechischen Festland in das Lager auf der Insel gekommen. Auch Oxfam in Brüssel meldete den Fall.

Die Infektion sei nicht überraschend, erklärte medico. „Monatelang wurden die Warnungen von Selbstorganisationen, medizinischem Personal und Hilfsorganisationen vor Ort in den Wind geschlagen“, betonte Ramona Lenz, Referentin für Flucht und Migration. Die Organisation forderte die sofortige Evakuierung von Alten, Kranken und Verletzten aus dem Lager. Zudem müsse die Infrastruktur in Moria verbessert werden, damit alle, die vorerst dort bleiben müssten, sich vor dem Coronavirus schützen könnten.

Abstands- und Hygieneregeln im Lager unmöglich

Oxfam urteilte, das andernorts gegen die Pandemie praktizierte Abstandhalten und Hygienemaßnahmen seien in dem Lager unmöglich. In dem für weniger als 3.000 Bewohner ausgelegten Lager lebten fast 12.000 Menschen, es gebe weder genug Toiletten oder Duschen noch genügend Wasser. „Ohne sofortiges und drastisches Eingreifen wird dies in eine katastrophale Gesundheitskrise münden, die den Tod von Hunderten bereits geschwächter Menschen verursachen könnte“, erklärte Oxfam.

Pistorius hatte im Herbst 2019 das griechische Flüchtlingslager Moria auf Lesbos besucht und sich seitdem für die Aufnahme besonders schutzbedürftiger Kinder engagiert. Im April und Juni dieses Jahres konnten zunächst insgesamt 53 unbegleitete Kinder und Jugendliche aus Griechenland nach Niedersachsen ausgeflogen und dann auf andere Bundesländer und niedersächsische Kommunen verteilt werden.

BMI: Elf EU-Länder aufnahmebereit

Insgesamt sollen mehr als 900 Menschen aus Griechenland nach Deutschland ausgeflogen werden. Angekommen sind mit dem Flug am Donnerstag laut Bundesinnenministerium inzwischen 465 Personen. Zusätzlichen Initiativen aus mehreren Bundesländern für eigene Aufnahmeprogramme hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bislang eine Absage erteilt.

Wie das Bundesinnenministerium weiter mitteilte, haben sich inzwischen elf EU-Mitgliedstaaten bereiterklärt, Minderjährige aus den griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. Weitere Überstellungen gab es demnach nach Luxemburg, Irland, Portugal, Finnland, Belgien und Frankreich. (epd/mig)

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