Gülseren Sengezer, Journalistin, Film, Kino, Filmemacherin, Schweden
Gülseren Şengezer, Filmemacherin und Journalistin © privat, Zeichnung: MiG

Rassismus

Call me by my name!

Welcher Alexander oder welche Annegret wird beim ersten Kennenlernen gefragt, ob er Alex oder Anni genannt werden dürfe? Ich wurde ständig gefragt, ob ich einen Spitznamen hätte. „Gülseren“ sei zu lang."

Von Montag, 17.08.2020, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 17.08.2020, 9:28 Uhr Lesedauer: 7 Minuten  |   Drucken

Sie weisen Rassismus weit von sich. Sie verurteilen ihn und würden niemals das N-Wort in den Mund nehmen oder die Straßenseite bzw. ihren Sitzplatz im Bus wechseln, wenn ein Schwarzer Mensch sich Ihnen nährt. Das ist prima! Rassismus fängt aber nicht erst mit diesen Verhaltensformen an und endet bei einem Polizisten, der auf dem Hals eines Schwarzen sitzt, während er dabei gemütlich seine Hände in die Hosentasche steckt. Rassistische Diskriminierung fängt schon viel früher an. Hier ein kleiner Test: Wann haben Sie sich das letzte Mal bemüht, einen nicht-deutschen Namen richtig auszusprechen?

Ich heiße Gülseren Sengezer. Alle „R´s“ in meinem Namen müssten gerollt werden. Das „S“ in meinem Vornamen ist stimmlos, das „S“ in meinem Nachnamen müsste mit einer Cedille, einem Häkchen geschrieben – also „Ş“ – und dann wie ein „Sch“ ausgesprochen werden. … Sind Sie hier schon raus? Ist das zu viel des Guten? Zu viel Differenzierung? Ich würde sagen, das ist eine weit verbreitete Haltung weißer1 Menschen in Deutschland, bei nicht-deutschen Namen keine Mühe zu zeigen, ihn richtig aussprechen zu wollen. Auch das ist rassistische Diskriminierung!

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Ich habe die Verunglimpfung meines Namens schon so oft erlebt, dass ich irgendwann angefangen habe, eine Liste darüber zu führen. Die fantasievollste Variante darunter war „Schöngießer“. Nun schreit der eine oder die andere gleich: Das Problem kennt eine Frau Leutheusser-Schnarrenberger oder eine Frau Kramp-Karrenbauer auch. Die Nachnamen der beiden Frauen enthalten objektiv betrachtet tatsächlich viele Buchstaben und stellen eine echte Herausforderung für den lingualen Muskelkörper aller Erdenbürger dar. Aber, diese Frauen sind weiße Frauen. Und werden ihre Namen falsch ausgesprochen, geht es um einen Versprecher, bei People of Color (PoC)2 geht es um Ignoranz und Arroganz.

PoC erleben in diesem Kontext auch immer ein Moment, das ähnlich wie Sexismus manchmal schwer greifbar ist. Es schwingt unterschwellig im Raum und macht den Umgang damit schwierig: Es ist dieses diskriminierende Moment, in dem das Gegenüber zu seiner eigenen Bequemlichkeit meinen Namen falsch ausspricht oder ihn sogar eindeutscht. Das alles ist ein Ausdruck von Privilegien3 weißer Menschen, die diese gegenüber Menschen anwenden, die sie als „anders“ markieren. Bewusst oder unterbewusst sind sie der Auffassung, dass weiß die Norm ist.

„Welcher Alexander oder welche Annegret wird beim ersten Kennenlernen gefragt, ob er Alex oder Anni genannt werden dürfe? Ich wurde ständig gefragt, ob ich einen Spitznamen hätte. „Gülseren“ sei zu lang.“

Welcher Alexander oder welche Annegret wird beim ersten Kennenlernen gefragt, ob er Alex oder Anni genannt werden dürfe? Ich wurde ständig gefragt, ob ich einen Spitznamen hätte. „Gülseren“ sei zu lang. Ungefragt kamen sogleich die skurrilsten Vorschläge.

Diese Form der Diskriminierung ist kurz und schmerzvoll – wie der Stich einer Mücke, der schnell wieder abklingt. Innerlich ist der Impuls vorhanden, etwas dagegen sagen zu müssen, aber der diffuse Charakter der Erniedrigung macht es schwer, eine adäquate Reaktion zu zeigen. Außerdem wird man als PoC früh konditioniert in migrantischen Fragen nicht aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen. Oft ist man es als PoC Leid, mit solchen Menschen zu diskutieren. Ja, es macht müde, weil es Energie kostet. Wenn man sich doch darauf einlässt, gilt man als „anstrengend“ oder „hypersensibel“. Für PoC ist der Elefant im Raum deutlich zu sehen, auf dem groß „Diskriminierung“ steht.

Als ich während meiner Schulzeit im damals coolsten Mainzer Klamottenladen gejobbt habe, hat mein Chef mich eigenmächtig „umgetauft“! Gülseren war ihm zu kompliziert. Ich war für ihn nur noch die Ilse. Dessen nicht genug, hat er auch ständig das Lied von der Ilse Bilse, die keiner will, quer durch den Laden geträllert. Damals als Teenager fehlte mir der Mut, mich zu wehren und auch das Bewusstsein, dass mein Name Teil meiner Persönlichkeit ist und niemand das Recht hat, ihn zu verballhornen. Natürlich hatte ich auch Angst, möglicherweise meinen Job zu verlieren.

„Glaubhaft sind rassistische Erfahrungen für diese weißen Zweifler erst dann, wenn sie objektiv in Form von Zahlen oder Statistiken gemessen werden. Fakt ist: Bisher werden Studien zu Gleichstellungsdaten in Bezug auf Diskriminierung in Deutschland nicht erhoben. Deutschland sträubt sich bislang gegen die Erfassung seiner Bürger nach ethnischen Kriterien.“

Diese Herabsetzung zu decodieren hat lange gedauert. Rückblickend ist das Verhalten dieses privilegierten weißen Mannes nichts anderes als rassistische Diskriminierung und ein typisches Muster eines gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnisses von Weißen.

Wie ich schon eingangs geschrieben habe, geht es an dieser Stelle nicht um die Verhandlung des hässlichen weißen Rassismus, nicht um das offensichtlich Böse, sondern um die alltäglichen latenten Erniedrigungen. Die Verunglimpfung meines Namens mag harmlos erscheinen, in Relation zu schwerwiegenden Fällen von rassistischer Gewalterfahrung oder Diskriminierung bei der Job- bzw. Wohnungssuche, aber sie ist eine Variante davon.

Dennoch sind die Abwehrreflexe selbst darauf voraussehbar. Die Zweifler fühlen sich durch solche rassistischen Erfahrungsberichte stets angegriffen. Meine Schilderungen werden sicherlich als singuläre und subjektive Ereignisse abgetan. Noch schlimmer, sie zweifeln solche Erfahrungen oft an und versuchen reflexartig diese zu relativieren oder wollen keinen Zusammenhang zum „Anderssein“ erkennen. Die Soziologin Robin DiAngelo hat für diese ablehnende Reaktion den Begriff „white fragility” geprägt, was mit „weißer Zerbrechlichkeit“ übersetzt werden kann. Ein Blick in die Kommentarleisten zu Anti-Rassismus-Texten im Netz zeigt was DiAngelo damit meint.

„Wer Rassismus bekämpfen möchte, muss erkennen wie sehr er als Weißer der Nutznießer dieser Privilegien ist. Dieser Erkenntnisprozess könnte Unbehagen auslösen, denn es besteht die Gefahr, dass sie feststellen, dass es die Opfer von Rassismus nur gibt, weil es auch weiße Täter gibt.“

Glaubhaft sind rassistische Erfahrungen für diese weißen Zweifler erst dann, wenn sie objektiv in Form von Zahlen oder Statistiken gemessen werden. Fakt ist: Bisher werden Studien zu Gleichstellungsdaten in Bezug auf Diskriminierung in Deutschland nicht erhoben. Deutschland sträubt sich bislang gegen die Erfassung seiner Bürger nach ethnischen Kriterien. Ein ganz aktuelles Beispiel für die institutionelle Abwehrhaltung einer Selbstreflexion offenbart die deutsche Bundesregierung. Sie möchte zurzeit den Rassismus in der Polizei wissenschaftlich nicht untersuchen lassen. Akademische Studien hinken der erlebten Wirklichkeit immer hinterher. Diskriminierung und Rassismus sind aber nicht nur wissenschaftliche Terminologien. Sie sind Praxis und alltägliches Handeln, denen PoC ausgesetzt sind.

Negieren führt also nicht weiter und löst kein Problem. Vielmehr müssten weiße Menschen anfangen, ihre Perspektive zu wechseln und sich selbst auf den Prüfstand stellen und dabei den Blick auf ihr eigenes Weißsein richten. „Critical Whiteness“, die „kritische Weißseinsforschung“ beschreibt Weißsein als übersehenes Privileg innerhalb des Rassimusdiskurses. „Critical Whiteness“ geht davon aus, dass PoC von Weißen als abweichend wahrgenommen werden. Weiß entspricht in diesem Konstrukt der Norm.

Wer Rassismus bekämpfen möchte, muss erkennen wie sehr er als Weißer der Nutznießer dieser Privilegien ist. Dieser Erkenntnisprozess könnte Unbehagen auslösen, denn es besteht die Gefahr, dass sie feststellen, dass es die Opfer von Rassismus nur gibt, weil es auch weiße Täter gibt.

Zurück zu meiner ursprünglichen Frage. Können Sie sie am Ende dieser Kolumne beantworten? Wann haben Sie sich das letzte Mal bemüht, einen nicht-deutschen Namen richtig auszusprechen? Ich selbst wurde sehr selten nach der richtigen Aussprache meines Namens gefragt. Das aber wäre ein guter Ausgangspunkt, um aus dem Elefanten eine Mücke zu machen.

  1. „Weiß“ hier kursiv geschrieben, bezieht sich nicht auf die Hautfarbe, sondern auf kulturelle und politische Konstruktionen, die im Kolonialismus als Norm etabliert wurden, mit dem Ziel, Privilegien der eigenen Gruppe und Rassismus zu legitimieren.
  2. People of Color (Singular: Person of Color) ist eine selbst gewählte Bezeichnung von Menschen, die sich als nicht-weiß definieren. PoCs verbindet ihre Rassismus- und Ausgrenzungserfahrungen seitens der Mehrheitsgesellschaft und die kollektive Zuschreibungen des „Andersseins“.
  3. Dieser soziologische Begriff beschreibt die Kultur weißer Gesellschaften, in denen ständig Signale ausgesendet werden, dass weiß die menschliche Norm sei, quasi ein menschliches Ideal. Nicht-weiß entspricht in dieser Konstruktion einer Abweichung von diesem Ideal. Das weiße Privileg als „normal“ wahrgenommen zu werden manifestiert sich im Alltag, z. B. bei der Job- oder Wohnungssuche, in Schulen bzw. auf der Arbeit oder im öffentlichen Raum. Hier werden privilegierte Weiße nicht mit stereotypen Zuschreibungen, verweigerten Zugängen oder diskriminierendem Verhalten konfrontiert. Privilegierte müssen sich mit Diskriminierung und der daraus folgenden Ungerechtigkeit erst gar auseinandersetzen.
Meinung
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MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)

  1. RRZ sagt:

    Totaler Quatsch. Verunglimpfen von ungewohnten Namen ist keinesfalls nur dem „weißen“ Mann zueigen, sondern ist weltweit überall gleichermaßen und gegenüber allen Menschen zu beobachten. Das hat absolut nichts mit der Person oder deren Herkunft zu tun. Wenn das verwerflicher Rassismus ist, dann ist er eben ganz normaler Alltag und muss einfach ausgehalten werden. Punkt.

  2. Bettina sagt:

    Finde ich übertrieben, das als Rassismus zu bezeichnen. Mein Mädchenname Rateitzak wurde auch bis zum Roterziack verstümmelt, aber dahinter Absicht zu vermuten ist lächerlich.

  3. Fuchs sagt:

    Vielleicht schon einmal daran gedacht, dass es derartige Buchstaben im Deutschen Sprachgebrauch eigentlich gar nicht gibt? Entsprechend ist es schwer diese Namen richtig auszusprechen.

    Wegen einem Ü in meinem Nachnamen ist es bsp. auch schwer für andere diesen richtig auszusprechen (sofern man diese Sprache auch nicht wirklich beherscht).

    Die Japaner sind dann wohl auch alles rassistisch, weil die ein R nicht richtig sprechen können und deswegen mehr oder weniger Probleme mit der englischen Sprache haben, somit dann entsprechend auch gerne europäische Namen auf „ihre“ Art aussprechen…..

  4. Jürgen Lenhart sagt:

    Sehr geehrte Frau Şengezer, für Ihr Anliegen habe ich großes Verständnis, aber ich erlaube mir den Einwand, dass Sie eine allzu große, geradezu unüberwindliche Hürde errichten. Müsste denn nicht, Ihrer Maximalforderung gehorchend, jeder Weiße zu einem Spezialisten für die intrikatesten phonologischen Phänomene einer jeden von etwa 6000 Sprachen werden? Um jedweden Namen, und sei er noch so „fremdartig”, korrekt auszusprechen, müssten sich Weiße jahrelangen Studien hingeben.
    Es ist doch nicht einmal innerhalb des deutschen Sprachraums ein Leichtes, jedes Phonem richtig zu realisieren. So fallen Varianten zwischen Nord- und Süddeutschland alleine schon bei Kürzen und Längen von Vokalen auf, etwa die Aussprache des Wortes Fahhrad. Sie hören in Hamburg ein „Fahrratt”, im Süden ein „Fahrraad”. Im Spanischen gibt es ebenfalls regionale Allophone, so entspricht, je nach Region, das Graphem ll entweder einem lj oder einem j. Daher ist alleine der Erwerb von Kenntnissen regionaler Varianten noch mit zusätzlichem Lernaufwand verbunden. Und diesen Aufwand müssten, Ihrem Postulat gehorchend, Weiße beim Erlernen von Tausenden Sprachen erbringen.
    Gestatten Sie weitere Beispiele. Während meines Studiums der Vergleichenden Sprachwissenschaften habe ich mich mit zahlreichen Lautsystemen befassen müssen. So habe ich mühsam den Unterschied von Stoß- und Schleifton im Litauischen geübt und dies zur Verzweiflung meines Litauischlehrers immer wieder falsch gemacht.
    Oder nehmen wir den dänischen Stød, einen Kehlkopfverschluss, den zu produzieren mir bis heute nicht leicht fallen will. Auch habe ich mich am ʿAin, den stimmhaften pharyngalen Reibelaut des Arabischen versucht, welcher durch Pressen der Kehle erzeugt wird.
    Wenn wir noch Tonsprachen mit in Betracht ziehen, in denen die Tonhöhe und der Tonverlauf eine Bedeutungsunterscheidung bewirken, man denke etwa an das Yoruba, wird das Studium perpetuum für Weiße zu einem nimmer endenden.
    Was Sie fordern, gemahnt an die biblische Geschichte vom Schibboleth im Buch der Richter 12,5-6: „Gilead schnitt Efraim die Jordanfurten ab. Und wenn die Flüchtlinge aus Efraim sagten: Ich will hinüber!, fragten ihn die Männer aus Gilead: Bist du ein Efraimiter? Wenn er Nein sagte, forderten sie ihn auf: Sag doch einmal Schibbolet! Sagte er dann Sibbolet, weil er es nicht richtig aussprechen konnte, ergriffen sie ihn und machten ihn dort an den Furten des Jordan nieder. So fielen damals zweiundvierzigtausend Mann aus Efraim.“
    Ihre Forderung ist doch nichts anderes als ein Schibboleth: Kannst du meinen Namen nicht in der feinsten und geringsten Feinheit aller Feinheiten aussprechen, so bist du – zack – ein Rassist.
    Wer mag, kann in meinen Worten ein klassisches Beispiel für white fragility erkennen. Wer mag, kann aber auch einen einfach nur respektvollen Einwand darin erkennen.

  5. Annette sagt:

    Mein Name lautet Annette und ich werde sehr häufig nach einem Spitznamen gefragt oder es wird mir einfach einer zugewiesen. Ich hatte das immer auf die Länge des Namens bezogen und daher meine Kinder mit kürzeren Namen vesehen. Sie bekommen keine Spitznamen. Außerdem vegeht keine Woche, in der ich nicht Post bekommen, bei der mein Name falsch geschrieben ist. Und ja, ich habe mich schon sehr bemüht Namen korrekt auszusprechen und die Herkunft und die Bedeutung zu erfragen. Bei asiatischen Namen ist das schier unmöglich für mich. Aber dafür wurde ich auch schon dafür angegangen, ob ich denn je einen Deutschen nach Herkunft und Ausprache befragt hätte und dass es ja wohl typisch sei, nur den Ausländer auszuquetschen.

  6. Uli sagt:

    ich bin ein alter, weißer Schweizer der in D lebt – also quasi das Felisch gewordene Feindbild. Ständig aber bin ich das Opfer von Rassismus. Mein Name (Ueli) wird laufend falsch ausgesprochen – ich heiße nicht Üli! (Im Schweizerdeutsch wird das e nur angetönt aber nicht wirklich ausgesprochen und erst recht wird kein ü daraus gemacht)

    Ich werde zudem ständig auf meinen Reichtum angesprochen – den es nicht gibt. Jeder versucht mit einer (schlechten!) Imitation des Schweizerdeutschen lustig zu sein und nein, ich bin weder Bankdirektor noch habe ich eine Schokoladen- oder Uhrenfabrik.
    ich könnte jetzt einen auf Schneeflöckchen machen und Tag für Tag weinen und fürchterlich beleidigt sein – ich könnte jedem meinen Namen richtig ausgesprochen in`s Gesicht brüllen und mir ein T-Shirt drucken lassen auf dem mein niedriger Kontostand steht.
    Alles zu blöd? Genau!
    In D bin ich Uli – damit kommt jeder klar – auch ich – und auf den ganzen Rest habe ich Schlagfertige Antworten auf Lager – inkl. eines seeeehhhhr teuren Schweizerdeutschkurses.
    Mit diesem ganzen „ich armes Opfer“ Thema schafft man sich keine Freunde – ganz im Gegenteil. Ich kenne genügend Menschen mit anderer Hautfarbe oder aus einem nicht Europäischen Land die sehr entspannt mit dem Thema umgehen und keinerlei Streß damit haben.
    Die Verkürzung von Namen ist (auch in der Schweiz) absolut üblich. Es gibt regional verschiedene Verkürzungen – aus Heinereich z.B. wird im Kanton Bern Hene. Keiner stört sich daran und wenn doch wird das auch respektiert. DAS ist normaler Umgang – versuchen Sie es mal damit.

  7. Lotolein sagt:

    Hallöle,
    mein Vorname ist Gabriela, also nicht besonders exotisch. Ich werde nicht mal nach meiner Erlaubnis gefragt, die Leute nennen mich einfach Gabi – was ich zum Kotzen finde und auch direkt sage. Da erfahre ich auch null Verständnis und werde nur groß angeglotzt und bin dann die große Zicke.
    Mein Nachname wird regelmäßig falsch verstanden, ich war schon Frau Paprika und Frau Wodka. Kulinarisch vielleicht interessant, dennoch lästig.
    Also tut mir leid, aber das ist leider kein Rassismus. Das ist aber definitiv ignorant und super-nervig.

  8. Mo sagt:

    Leider ist der Artikel durch die Maximalforderungen der Autorin absolut unbrauchbar.

    1. das nicht Aussprechen können von Namen aus anderen Sprachen ist keine Form von Rassismus. Ich habe mehrere Jahre lang türkisch gelernt und kann das R einfach nicht so rollen. Mein ausländischer Nachname wird auch regelmäßig falsch ausgesprochen.
    2. auch einheimische Namen werden regelmäßig – auch gegen den Willen der Person – abgekürzt. wo kommt denn bitte mein „Mo“ her?
    3. der Wunsch, dass der Name nach den sprachlich spezifischen Regeln ausgesprochen wird, würde nur funktionieren, wenn ich die andere Person jeweils vorher frage, wie deren Name ausgesprochen wird. Ist das Ihr Wunsch? (im Artikel stehen ja keine Handlungsvorschläge). Ich gebe mal ein Beispiel: in einem Onlineseminar habe ich zwei Leute, die ich ansprechen will: Lisa Müller und Kwok Leung. Im ersten Fall bin ich mir über die Aussprache sicher, im zweiten Fall nicht. Wäre es nicht auch eine Form der Diskriminierung, nur Herrn Leung nach der Aussprache seines Namens zu fragen?
    4. ich verstehe immer noch nicht, was das mit „weiß“ und PoC zu tun haben soll. Es gibt sehr viele sehr weiße Namen, die ich nicht aussprechen kann. Beispielsweise Sjoerd Beugelsdijk von der Uni Groningen. Mein Nachname ist britisch und wird auch regelmäßig falsch geschrieben und falsch ausgesprochen. Meine Tante ist Französin, ihr Vorname wird auch dauernd falsch geschrieben. Mein Vater hat einen englischen Vornamen der meistens einfach deutsch ausgesprochen wird. Ich kann ja verstehen, dass man mit türkischen Namen häufig auf falsche Aussprachen des eigenen Namens trifft, aber das ist keine PoC Frage sondern eine allgemeine Ausländerfrage… die übrigens in der Türkei genauso auftritt. Denken Sie, irgendjemand im türkischen Teil meiner Familie kann meinen Vornamen richtig aussprechen?!

    Ich habe zwei Staatsbürgerschaften, wir sprechen zuhause drei Sprachen, meine Tochter stammt von 11 Ethnien ab. Es gibt in Deutschland sehr viel Rassismus, und ich habe Angst um meine Familie wegen einigen Entwicklungen in diesem Land. Das Unwissen über die Korrekte ausspräche der Buchstaben S und Z im Türkischen gegenüber dem Deutschen zählen aber nicht dazu, vor allem wenn ja gleichzeitig oft gefordert wird, dass man nicht nach der Herkunft fragen darf. You can’t have the cake and eat it.

  9. Mo sagt:

    Moment, mir fällt noch ein Problem auf.

    „„Weiß“ hier kursiv geschrieben, bezieht sich nicht auf die Hautfarbe, sondern auf kulturelle und politische Konstruktionen, die im Kolonialismus als Norm etabliert wurden, mit dem Ziel, Privilegien der eigenen Gruppe und Rassismus zu legitimieren“

    Gut, dann wird weiß also für Menschen aus ehemaligen Kolonialmächten verwendet, und PoC für die unterdrückten Kolonisierten? Dann wären Türkinnen und Türken aber ebenfalls so etwas von weiß. Sie werden in der muslimischen Community auch als weiß wahrgenommen. Sorry, aber wenn sich Türk*innen als PoC bezeichnen weichen Sie damit den Begriff so auf, dass er an Bedeutung verliert.