Flüchtlinge, Mittelmeer, Boot, Seenotrettung, Flüchtlingspolitik
Flüchtlinge im Mittelmeer (Archiv) © Tim Lüddemann @ flickr.com (CC 2.0), Tim Lüddemann

EU schaut zu

Weiteres Bootsunglück mit Toten vor der libyschen Küste

Nach einem erneuten Bootsunglück vor der libyschen Küste sind Überlebende in illegale Haftlager gebracht worden. Italien stimmt der vorläufigen Aufnahme von Geretteten zu. Flüchtlinge auf der Sea-Watch 3 sollen jedoch zwei Wochen auf ein Quarantäne-Schiff.

Montag, 22.06.2020, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 21.06.2020, 16:11 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Bei einem Bootsunglück vor der libyschen Küste in der Nähe von Tripolis ist eine unbekannte Zahl von Menschen ums Leben gekommen. Die Überlebenden seien in ein illegales Haftlager gebracht worden, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) in der Nacht auf Sonntag auf Twitter mit. Ein Fischerboot rettete nach Angaben des italienischen Senders „Radio Radicale“ 19 Überlebende. Drei Leichen seien bei Al-Zawiya westlich von Tripolis an Land gespült worden.

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Unterdessen gingen die 67 Bootsflüchtlinge, die am Freitagabend südwestlich von Lampedusa von dem Schiff „Mare Jonio“ gerettet worden waren, am Sonntag im sizilianischen Hafen von Pozzallo an Land. Das teilte die italienische Hilfsorganisation „Mediterranea Saving Humans“, die die „Mare Jonio“ betreibt, auf Twitter mit.

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„Jeder Tag, an dem ein Schiff der Zivilgesellschaft in einem Hafen blockiert sein sollte, wäre ein Tag, an dem der Verlust von Menschenleben droht“, fügte die Organisation hinzu. Die italienischen Behörden hinderten immer wieder private Seenotrettungsschiffe unter Verweis auf Sicherheitsmängel am Auslaufen oder ließen die von ihnen Geretteten wegen der Corona-Epidemie erst nach zweiwöchiger Quarantäne an Land gehen.

Seenotretter kritisieren EU-Grenzschutzagentur

Die „Mare Jonio“ hatte die Bootsflüchtlinge am Freitag südwestlich der italienischen Insel Lampedusa aufgenommen. Nach Angaben von „Mediterranea Saving Humans“ war deren Holzboot in der maltesischen Rettungszone in Seenot geraten.

Ein Suchflugzeug der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch hatte das Boot zwei Tage zuvor entdeckt. „Mediterranea Saving Humans“ warf der EU-Grenzschutzagentur Frontex und der EU-Mission Eunavformed Irini vor, von Suchflugzeugen aus die Lage vor Ort verfolgt zu haben, ohne den in Seenot geratenen Menschen zu helfen.

Gerettete sollen auf Quarantäne-Schiff

Die „Sea-Watch 3“ wurde derweil von den italienischen Behörden angewiesen, die 211 Geretteten an Bord zu einem Quarantäne-Schiff nach Porto Empedocle an der Südküste der italienischen Insel zu bringen. Die Flüchtlinge dürften nach einer zweiwöchigen Quarantäne an Land gehen, teilte die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch auf Twitter mit.

„Wir kritisieren die Quarantäne auf See, aber akzeptieren den Transfer im Interesse der Gäste und um in den Einsatz zurückzukehren.“ Ein Schiff könne nicht der Seerechtskonvention gemäß als „Place of Safety“ (sicherer Ort) gelten, betonte Sea-Watch. Maßnahmen gegen Covid-19 sollten in geeigneten Einrichtungen an Land erfolgen. Die Pandemie dürfe nicht politisch genutzt werden, um Menschen auf der Flucht ihre Grundrechte zu verweigern. (epd/mig)

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