Lernen, Schule, Bildung, Schreiben, Stift
Lernen (Symbolfoto) © picjumbo_com @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Corona-Krise

Ausländische Kinder werden weiter abgehängt

Schulen und Kitas geschlossen: Durch Corona verschlechtern sich die Bildungschancen von Kindern mit Einwanderungsgeschichte noch mehr! Das Hilfepaket der Bundesregierung muss ausgedehnt werden, fordert der Verband binationaler Paare.

Dienstag, 31.03.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 02.04.2020, 10:05 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Wenn Pisa eines gezeigt hat, dann dass nichts so sehr über den Bildungserfolg eines Kindes entscheidet wie die soziale Herkunft. Nun stehen eine Vielzahl von Familien mit dem Betreuungs- und Erziehungsauftrag auch noch alleine da. Besonders schwer trifft die mangelnde Unterstützung Familien, die ohnehin schon eine schlechtere Ausgangsposition haben.

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„Wir bekommen derzeit viele Anfragen, in denen Eltern sich sorgen, wie sie für ihre Kinder die entstehenden Bildungslücken auffangen können“, sagt Hiltrud Stöcker-Zafari vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften. Viele Familien verfügten nicht über ein entsprechendes Bildungskapital oder gute Rahmenbedingungen. „Das beginnt bei geeigneten Wohnverhältnissen für eine ruhige Lernumgebung oder einer passenden technischen Ausrüstung. Oft sprechen sie nicht gut genug Deutsch, um ihre Kinder unterstützen zu können. Die Lücken, die nun entstehen, benachteiligen diese Kinder in besonderem Maße“, mahnt die Expertin an

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Sorgen um Verwandte in Lagern

Hinzu kämen die psychischen Belastungen. Eltern, die sich in erster Linie um das „Überleben“ der Familie sorgten, die um den Verlust ihrer Arbeit fürchteten oder bereits ohne Aufträge, ohne Kunden ihren Laden nicht halten könnten. Eltern, die nicht einfach auf Homeoffice umstellen könnten. „Viele unserer Familien fürchten zudem um ihre Verwandten, die vielleicht als Geflüchtete in einem Lager leben, sie sorgen sich um die Großeltern, Onkel und Tanten, die in ihren Herkunftsländern keine Sicherheit für ihr Auskommen und ihre Gesundheit haben“, führt Stöcker-Zafari weiter aus.

Von einer Vereinbarkeit von Familie und Beruf könne man in diesen Zeiten nicht mehr sprechen. Denn selbst Eltern, die auf Homeoffice umstellen könnten, müssten ihren Alltag komplett neu sortieren, Schule, Arbeit und Privatleben unter einen Hut bringen. Das gelinge vielen Eltern nur schwer, für Alleinerziehende sei es so gut wie nicht machbar.

Rechtzeitig Maßnahmen ergreifen

Die Politik müsse frühzeitig Schritte einleiten für die Zeit nach Corona, um die entstandenen Lücken und Nachteile zu beheben. „Das bedeutet ergänzende Förder- und begleitende Familienangebote, Beratung und eine qualitative Ganztagesbetreuung“, fordert Stöcker-Zafari. Sonst sei zu befürchten, dass der Bildungs-GAP aufgrund der familiären Herkunft sich noch mehr verbreitern würde.

Es sei auch gut und wichtig, dass die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung Zuschüsse für Kleinstunternehmen und Solo-Selbständige ermöglichten. Das beträfe viele Familien mit Migrationshintergrund, die oft in Kleinstunternehmen, Gastronomie oder Dienstleistung tätig sind.

Zugewanderte Familien beraten

„Die vorgesehenen drei Monate reichen jedoch bei weitem nicht aus, um wieder in einen normalen Arbeitsalltag zurückzufinden. Gerade für unsere Familien ist es zudem wichtig, dass sie einen schnellen Zugang und verständliche Informationen erreichen“, führt Stöcker-Zafari weiter aus. Das gelte auch für die richtige Anpassung bei der Berechnung des Kinderzuschlags an den letzten Monat des Einkommens.

„Es muss dringend beachtet werden, dass viele Familien befürchten, durch den Kinderzuschlag Nachteile bei anderen Zuwendungen zu haben. Viele Familien wissen zudem nicht, wie das relativ neue Förderinstrument funktioniert. Gerade die zugewanderten Familien müssen hier gezielter informiert, beraten und motiviert werden, die Hilfen auch in Anspruch zu nehmen“, gibt die Expertin zu bedenken.

Familie ist systemrelevant

Eltern und Kinder leisteten in dieser Krisenzeit enormes. Die Familienarbeit sei systemrelevant und könne gar nicht hoch genug bewertet werden. „Das gilt für alle Familien in Deutschland, unabhängig von Aufenthaltsstatus, Pass oder Herkunft. Und diese Wertschätzung sollte sich in einem Hilfepaket wiederfinden und spürbar für die Familien sein. Das Coronavirus gefährdet alle“, erklärt Stöcker-Zafari abschließend. (mig)

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