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Bunt © mccheek auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Studie

Migrantenkinder in Kitas stark unterrepräsentiert

Der Kita-Besuch hängt in Deutschland nach wie vor stark vom sozialen Hintergrund ab. Weiterer entscheidender Faktor ist einer aktuellen Studie zufolge die Erwerbstätigkeit der Eltern. Derweil investiert der Bund zusätzliche Milliarden in Kitas.

Donnerstag, 20.09.2018, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:42 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Der Besuch einer Kindertagesstätte hängt nach einer Studie weiter stark vom sozialen Hintergrund des Elternhauses ab. Daran haben weder der massive Ausbau des Angebots an Kita-Plätzen für Kinder unter drei Jahren in den vergangenen zehn Jahren noch der seit 2013 geltende Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für jedes Kind ab dem zweiten Lebensjahr etwas geändert, wie aus einer am Mittwoch in Berlin vorgelegten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. „Die Politik sollte verstärkt Maßnahmen ergreifen, damit nicht nur bestimmte, sondern alle Gruppen vom Kita-Ausbau profitieren“, sagte C. Katharina Spieß, Leiterin der Abteilung Bildung und Familie am DIW.

Insbesondere Kinder unter drei Jahren, deren Eltern beide einen Migrationshintergrund haben, seien in Kitas stark unterrepräsentiert. Am stärksten wirkt sich der Studie zufolge die Erwerbstätigkeit der Eltern auf die Nutzung der Kitas aus: Sind beide Elternteile berufstätig, werden 71 Prozent der Kinder in einer Kita betreut. Sind beide Elternteile oder ein Elternteil nicht berufstätig, liegt der Anteil bei etwas mehr als 20 Prozent.

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Vom Ausbau profitieren Gutverdienende

Vom Ausbau der Betreuung von Kindern ab drei Jahren profitierten einkommensstärkere Haushalte deutlich mehr als ärmere Familien. Ging im Jahr 2003 fast jedes dritte Kind ab drei Jahren aus Haushalten unter der Armutsgrenze ganztags in eine Kita (gut 31 Prozent), waren es in dieser Gruppe im Jahr 2015 gut 41 Prozent. Familien, die über der Armutsgrenze lagen, nutzen den massiven Kita-Ausbau ungleich stärker: Hier geht heute jedes zweite Kind in die Kita (49 Prozent), 2003 war es nicht einmal jedes vierte Kind (23 Prozent).

„Die Ergebnisse sind insofern bedenkenswert, als Studien zeigen, dass insbesondere Kinder aus sozioökonomisch schlechter gestellten Familien von einem Kita-Besuch besonders profitieren“, sagte DIW-Forscherin Spieß. Sie forderte deshalb die Politik auf, dafür zu sorgen, dass nicht nur bestimmte, sondern alle Gruppen vom Kita-Ausbau profitieren. „Manchmal scheitert es vermutlich schon daran, dass Familien gar nichts von ihrem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz wissen.“

Kabinett beschließt Milliarden für Kitas

Derweil investiert der Bund zusätzliche Milliarden in die Qualität von Kindertagesstätten. Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch in Berlin das „Gute-Kita-Gesetz“. Das Geld erhalten die Länder. Sie sollen es verwenden, um die Betreuung in den Einrichtungen zu verbessern, etwa indem sie mehr Personal einstellen. Verpflichtend ist in dem Gesetz vorgesehen, dass die Gebühren nach Einkommen gestaffelt und für Familien mit geringen Einkommen abgeschafft werden. Während die Union darauf dringt, den Qualitätsverbesserungen Vorrang zu geben, stehen für die SPD die Gebührensenkungen im Vordergrund.

Schon bisher zahlen Familien, die auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind, keine Kita-Gebühren. Künftig sollen auch Wohngeldempfänger und Eltern, die den Kinderzuschlag beziehen, von den Gebühren befreit werden. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte, alle Kinder müssten eine gute Kita besuchen können. Dies dürfe kein Privileg gut situierter Familien sein.

Bund und Länder hatten Qualitätsziele vereinbart. Die zusätzlichen Bundesmittel können in zehn unterschiedlichen Bereichen investiert werden, etwa zur Einstellung von mehr Personal, zur Erweiterung der Öffnungszeiten, zum Umbau der Räume oder zur Förderung des Sprachlernens. Die Kita-Leitungen sollen mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit gewinnen. Giffey sagte, es gebe keine Einheitslösung, die überall funktioniere. Die Fachleute müssten vor Ort entscheiden, welche Veränderung die Kita-Qualität am wirkungsvollsten verbessere. (epd/mig)

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