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Pflege (Symbolfoto) © jimpg2_peace2011 auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Krebs-Studie

Migranten nutzen selten palliativmedizinische Angebote

Krebskranke Menschen aus anderen Kulturkreisen nehmen Angebote der Palliativmedizin bislang kaum wahr. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Wünsche blieben aufgrund bürokratischer Hürden oder aufenthaltsrechtlicher Fragen unerfüllt.

Montag, 04.06.2018, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:42 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Krebskranke Menschen mit Migrationshintergrund finden in der letzten Phase ihres Lebens kaum Zugang zur Angeboten der Palliativmedizin. Das belegt eine Studie von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Göttingen, die die Deutsche Krebshilfe am Freitag vorstellte. Die Forscher führten Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und Ärzten. Demnach nehmen Menschen aus anderen Kulturkreisen die Angebote der Palliativmedizin bislang kaum wahr.

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Die Forscher um Professor Friedemann Nauck, Direktor der Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Göttingen, ermittelten die Gründe für den fehlenden Zugang zu den verschiedenen Hilfs- und Beratungsangeboten: „In vielen Fällen erschweren ihnen die fehlenden Sprachkenntnisse, sich zu informieren oder entsprechende Hilfe anzunehmen. Sie sind auf die Hilfe etwa von mehrsprachigen Angehörigen, Übersetzern oder dem Engagement von Versorgern angewiesen“, berichtete Nauck.

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Bürokratische Hürden

Zu dieser Abhängigkeit von anderen Personen komme hinzu, dass viele Patienten ihre Erkrankung als einen Statusverlust erleben. Schon die Migration haben sie bereits als Bruch in der Biografie erlebt, da sie ihre Position aus früheren beruflichen und sozialen Strukturen aufgeben mussten. Eine schwere Krebserkrankung verursacht zusätzlich Angst und Schamgefühle, den Angehörigen oder dem Gesundheitssystem zur Last zu fallen.

Hinzu komme, dass die betroffenen Familien in dieser schwierigen Situation häufig mit Hindernissen konfrontiert werden, die sie selbst nicht überwinden können. „So scheitern Rückkehrwünsche von Patienten an bürokratischen und medizinischen Hürden oder aufenthaltsrechtliche Fragen an politisch-rechtlichen Kenntnissen.“

Kulturelle Unterschiede erschweren Betreuung

Auch das medizinische Personal und die Pflegekräfte stellt diese komplexe Pflegesituation oftmals vor Hindernisse. „Insbesondere wenn diese Probleme der Patienten und ihrer Angehöriger vom medizinischen Personal als Ausdruck von kulturellen Unterschieden verstanden werden, entstehen Missverständnisse, die eine angemessene Betreuung erschweren.“

Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, die die Untersuchung mit 272.000 Euro gefördert hat, betont: „Auch Menschen aus anderen Kulturkreisen sollten im Falle einer Krebserkrankung und bei Bedarf Zugang zu einer adäquaten palliativmedizinischen Versorgung erhalten. Ziel müsse es sein, auch ihnen „zukünftig die bestmögliche Versorgung bieten zu können“.

18.5 Millionen Menschen haben Migrationshintergrund

Die Palliativmedizin hat zum Ziel, unheilbar kranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten und zu unterstützen. Speziell ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte sowie Mitarbeiter weiterer Berufsgruppen lindern belastende Krankheitssymptome und kümmern sich um die seelischen Bedürfnisse der Betroffenen und ihrer Angehörigen.

Laut aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes leben in Deutschland rund 18,5 Millionen Menschen, die einen Migrationshintergrund haben. Das sind 22,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. (epd/mig)

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