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Die jüdische Kippa © LWYang @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Solidarität

Mehrere Städte wollen Kippa tragen

Zwei Männer mit Kippa werden auf offener Straße in Berlin geschlagen: Die Tat löst deutschlandweit Empörung und Solidarität aus. Aber auch zu kritischem Nachdenken über Antisemitismus, seinen Ursprung und den Umgang damit. In ganz Europa.

Montag, 23.04.2018, 6:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 23.04.2018, 17:33 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Nach dem Angriff auf zwei Kippa tragende Männer in Berlin werden in mehreren deutschen Städten Solidaritätsaktionen für jüdische Mitbürger vorbereitet. Auschwitz-Überlebende unterstützen die für kommenden Mittwoch geplante Demonstration „Berlin trägt Kippa“.

Auch der Freistaat Thüringen will sich unter der Überschrift „Thüringen trägt Kippa“ anschließen, wie die Initiatoren am Samstag mitteilten. Der Stadtkämmerer von Frankfurt am Main, Uwe Becker (CDU), hatte am Freitag angekündigt, am 14. Mai unter dem Motto „Zeig‘ Gesicht und Kippa“ einen ganzen Tag lang eine Kippa zu tragen. Er rief dazu auf, seinem Beispiel zu folgen. Am 14. Mai 1948 wurde Israel gegründet.

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Anlass der Solidaritätsaktionen ist der gewalttätige Übergriff auf zwei Kippa tragende Männer am Dienstagabend in Berlin-Prenzlauer Berg. Ein Arabisch sprechender Mann hatte sie wegen ihrer jüdischen Kopfbedeckung mit einem Gürtel angegriffen. Gegen den mutmaßlichen Täter wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Laut Polizei handelt es sich um einen 19-jährigen Palästinenser aus Syrien.

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Schuster fordert entschlossenes Vorgehen

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte in der „Welt am Sonntag“ ein entschlossenes Vorgehen der Justizbehörden gegenüber dem Täter. Dieser sollte „mit der vollen Härte des Gesetzes zur Verantwortung gezogen werden“. Dabei sollte auch das Aufenthaltsrecht des Mannes geprüft werden. Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) forderte in derselben Zeitung, bei ausländischen Tätern die bestehenden Ausweisungsmöglichkeiten konsequent anzuwenden.

Info: Die Solidaritätskundgebung „Berlin trägt Kippa“ beginnt am Mittwoch, 25. April, um 18 Uhr vor dem Jüdischen Gemeindehaus, Fasanenstraße 79/80, 10623 Berlin.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, nachdem das Bewusstsein, was Antisemitismus angerichtet habe, in Deutschland lange sehr stark gewesen sei, müsse man nun „feststellen, dass Antisemitismus wieder salonfähig wird“. „Es ist unsere große Aufgabe, dieser Entwicklung entgegenzutreten“, forderte die Ministerin. Als eine Ursache für die Entwicklung verwies Barley auch auf den Flüchtlingszustrom nach Deutschland. In arabischen Ländern sei Antisemitismus weit verbreitet. Antisemitismus habe „in Deutschland keinen Platz“, unterstrich sie.

Heubner: Bedrohung massiv gewachsen

Der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, erklärte am Samstag, nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern Europas sei die Bedrohungssituation für Holocaust-Überlebende massiv gewachsen. Dies führe „zu der verstörenden Frage, ob ein zukünftiges jüdisches Alltagsleben ihrer Familien in europäischen Ländern noch vorstellbar, erwünscht und möglich ist“.

Der Antisemitismus habe sich in vielen europäischen Ländern „durch das Zusammenfließen rechtsextremer und islamistischer Faktoren des Hasses gegenüber jüdischen Menschen zu einem völlig neuen Bedrohungsszenario ausgewachsen“, erklärte Heubner. Zur notwendigen aktuellen Empörung gehöre deshalb auch eine umfassende Analyse der entstandenen gesellschaftlichen Situation. Aus der jetzigen Empörungswelle dürfe keine Eintagsfliege werden.

Eines der Opfer der Attacke in Berlin trug die Kippa nach eigenen Angaben als Experiment. Er sei selbst gar kein Jude, sondern israelischer Araber, sagte der 21-jährige Mann namens Adam am Mittwochabend der „Deutschen Welle“. Er habe die traditionelle jüdische Kopfbedeckung getragen, nachdem ihm Freunde in Israel gesagt hätten, man sei damit in Deutschland in der Öffentlichkeit nicht sicher. Er habe eigentlich zeigen wollen, dass es nicht gefährlich sei. (epd/mig)

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