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Kind, Eltern, Vater, Mutter, Hand
Symbolfoto Taichiro Ueki @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Umfrage

Deutschland tut zu wenig gegen Kinderarmut

Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt laut dem Kinderreport 2018 in Armut - viele sind aus Haushalten mit Migrationshintergrund. Die Mehrheit der Deutschen findet, der Staat tut zu wenig dagegen. Das Kinderhilfswerk fordert die Einführung einer Kindergrundsicherung von 619 Euro.

Montag, 05.02.2018, 6:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:43 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Rund drei Viertel der Deutschen sind laut Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks der Ansicht, dass in der Bundesrepublik zu wenig gegen Kinderarmut getan wird. Ein Großteil der Bevölkerung fordere deshalb eine umfassende Veränderung politischer Rahmenbedingungen, heißt es in dem am Freitag in Berlin veröffentlichten Kinderreport 2018. Gefordert würden unter anderem kostenlose Schulmaterialien sowie kostenfreies Essen in Schulen und Kitas für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Auch die Finanzierung von Kultur, Sport und Ganztagsbetreuung für bedürftige Jungen und Mädchen sei erwünscht.

Eine Mehrheit fordert laut Umfrage zudem die Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder und eine Erhöhung des Kindergeldes. Knapp zwei Drittel der befragten Erwachsenen wären bereit, mehr Steuern zu bezahlen, wenn damit das Problem der Kinderarmut in Deutschland wirksam bekämpft würde. Als arm gelten Familien in Deutschland, wenn sie nur über 60 Prozent und weniger des Durchschnittseinkommens verfügen.

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Es wird zu wenig getan

Für den Kinderreport 2018 des Deutschen Kinderhilfswerkes wurden 620 Kinder und Jugendliche sowie 1.001 Erwachsene durch das Politikforschungsinstitut Kantar Public, früher TNS Infratest, befragt. 64 Prozent der Erwachsenen sprachen sich demnach für Steuererhöhungen zur Bekämpfung von Kinderarmut aus. Nur Anhänger der AfD sind mehrheitlich dagegen (53 Prozent). Die größte Zustimmung finden Steuererhöhungen bei den Anhängern der Grünen (81 Prozent) und Linken (74 Prozent).

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Quer durch alle Parteien überwiegt mehrheitlich die Ansicht, dass derzeit zu wenig für die Armutsbekämpfung getan wird. Immerhin 37 Prozent der Unions-Anhänger finden die aktuellen Maßnahmen ausreichend, aber nur elf Prozent der Linken-Sympathisanten.

Migranten überdurchschnittlich betroffen

Als Ursachen für Kinderarmut gelten der Umfrage zufolge unter anderem niedrige Einkommen der Eltern durch prekäre Arbeitsverhältnisse sowie eine zu geringe Unterstützung für Alleinerziehende. „Aber auch Familien mit drei oder mehr Kindern sowie Kinder und Jugendliche aus Haushalten mit Migrationshintergrund sind überproportional von Kinderarmut betroffen„, heißt es in der Erhebung. Der Präsident des Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger, betonte, die Bekämpfung der Kinderarmut sei „eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen“. Jedes fünfte Kind in Deutschland sei davon betroffen. „Das ist eine große Hypothek für unsere Zukunft“, warnte Krüger.

In Deutschland würden „armutsfeste“ Löhne gebraucht. Wenn Eltern das nicht aus eigener Kraft könnten, müsse der Staat Kinder materiell absichern und ihre Teilhabe an der Gesellschaft gewährleisten. Krüger forderte erneut die Einführung einer Kindergrundsicherung von 619 Euro pro Kind. Diese könnte zum großen Teil durch die Abschaffung anderer Leistungen und Privilegien wie dem Ehegatten-Splitting finanziert werden. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte, darüber müsse „intensiv diskutiert“ werden.

Barley für mehr kostenfreie Betreuung

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) betonte, Bund und Länder müssten mehr für Familien mit kleinen Einkommen tun. Familienleistungen müssten so ausgestaltet werden, dass sie all diejenigen erreichen, die sie wirklich benötigen. Dazu gehöre der Ausbau von kostenfreien Betreuungsangeboten.

Der Linken-Fraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, appellierte an Union und SPD, den Kampf gegen Kinderarmut endlich zur Chefsache zu machen. Kinderarmut in Deutschland könne einen nur traurig stimmen und gleichzeitig wütend machen, fügte Bartsch hinzu. (epd/mig)

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